taz.de -- Gedenkfeier in Auschwitz: Putin fehlt
Keine Einladung, kein Gast. An den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird Russlands Präsident nicht teilnehmen.
Bild: Legt er etwa Wert auf Etikette? Russlands Präsident Wladimir Putin.
WARSCHAU/MOSKAU dpa/rtr | Der russische Präsident Wladimir Putin reist nicht zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz nach Polen. Das sagte sein Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax. Putin habe keine Einladung zu einer Gedenkfeier in Polen bekommen. Der tschechische Präsident Milos Zeman hatte Putin jedoch zu einer Veranstaltung nach Prag eingeladen. Hierzu machte Peskow keine Angaben.
Der Kremlchef messe Gedenkveranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg auĂerordentliche Bedeutung bei, erklärte er. Soldaten der Roten Armee hatten am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager der Nazis im damals besetzten Polen befreit.
Mit den Vorbereitungen vertraute Personen sagten, Hintergrund seien die Verstimmungen wegen des Ukraine-Konflikts. In Polen sei man besorgt wegen der innenpolitischen Auswirkung einer Einladung an Putin.
An den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs nach Auschwitz reisen. Das Lager war am 27. Januar 1944 von sowjetischen Soldaten eingenommen worden.
Nicht Polen ist fĂźr die Einladungen verantwortlich, sondern die Veranstalter, darunter das staatliche Auschwitz-Museum. Die Regierung in Warschau habe ihrerseits lediglich diplomatische Noten verschickt, heiĂt es. Putins Sprecher bestätigte, dass keine persĂśnliche Einladung an den Präsidenten eingegangen sei. Dies sei allerdings offenbar in diesem Zusammenhang ohnehin nicht Ăźblich, sagte er. Zum 60. Jahrestag war Putin vor zehn Jahren nach Auschwitz gekommen.
Wegen der Ukraine-Krise sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen so schlecht wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Umfragen zufolge misstrauen viele Polen wegen des Konflikts der Regierung in Moskau.
13 Jan 2015
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