taz.de -- Kommentar Computer als Rohstoff: Entsorgt den Elektroschrott

Biomüll wird meist korrekt entsorgt. Rechner und Handys eher nicht. Die EU-Richtlinie muss endlich Pflicht werden, um weitere Schäden zu vermeiden.

Bild: Nicht nur giftig, sondern auch eine vernachlässigte Rohstoffquelle: Elektroschrott

Wenn die Banane nicht im Biomüll landet, dann ist es nicht weit her mit dem Ärger. Die kann doch verrotten!, bekommt man dann zu hören. Oder: Die ist doch noch gut für den Kompost! Viele Haushalte nehmen es mit dem Müll sogar so genau, dass sie Zettel auf die Eimer in der Küche kleben, die vorschreiben, wo die Bierflasche und wo der Bierdeckel hingehören.

Aber wenn das neue Handy gekauft ist, entsorgt weniger als die Hälfte der Deutschen das alte Gerät ordnungsgemäß – sprich: bringt es zurück in den Laden, wie eine Studie unter der Leitung von Interpol zeigt.

Derweil stellt ein falsch entsorgter Computer einen viel größeren Schaden dar als eine falsch entsorgte Banane. Denn der enthält Quecksilber und Cadmium, die den Boden verseuchen und Gesundheitsprobleme verursachen können. Ein großer Teil des mitunter hochgiftigen Mülls – im Jahr 2012 waren es 1,5 Millionen Tonnen – landet auf den Halden in Ghana oder in China. Dort versuchen Menschen unter oft katastrophalen Bedingungen wertvolle Rohstoffe wie etwa Kupfer aus den Kabeln zu gewinnen.

Nicht nur in ärmeren Ländern wird der Müll ausgeschlachtet: Rund 4,56 Millionen Tonnen an illegal gehandelten Kühlschränken, Computern und Telefonen kursieren zwischen den EU-Mitgliedsländern. Längst sind organisierte Verbrecherbanden in das Geschäft mit dem Müll eingestiegen.

Allein dadurch wird klar, dass sich eine ordnungsgemäße Entsorgung von Elektroschrott auch wirtschaftlich lohnt. Die Autoren der Studie schätzen, dass den Ländern der Europäischen Union bis zu 1,7 Milliarden Euro jährlich entgehen. Deshalb reicht es nicht, die Verbraucher besser zu informieren.

Die Elektro- und Elektronik-Altgeräte-Richtlinie, die den Umgang mit Elektroschrott in Europa regelt, muss für alle Mitgliedsländer Pflicht werden. Bislang können die Staaten aber selbst entscheiden, ob sie die Richtlinie umsetzen wollen oder nicht.

31 Aug 2015

AUTOREN

Julia Maria Amberger

TAGS

Elektroschrott

Recycling

EU-Kommission

Umweltschutz

Online-Shopping

Elektroschrott

Elektroschrott

Elektroschrott

Müll

Elektroschrott

Elektroschrott

Konsum

Deutsche Umwelthilfe

ARTIKEL ZUM THEMA

Rücknahme von alten Elektrogeräten: Den Schrott will keiner haben

Viele Händler müssen seit Juli Elektromüll annehmen. Doch Stichproben der Umwelthilfe ergeben, dass sie dieser Pflicht nicht nachkommen.

Neues Elektrogeräte-Gesetz: Mehr Wertstoff? Mehr Abfall?

Das neue Elektrogeräte-Gesetz will mehr Recycling, etwa für Computer oder Handys. Was gut gemeint ist, hat unerwünschte Nebenwirkungen.

Neuregelung für Elektroschrott: Retour auf dem Postweg

Onlinehändler müssen nun alte Geräte annehmen, auch wenn die Kunden keine neuen kaufen. Umstritten ist aber noch, wer dazu verpflichtet ist.

Neues Elektroschrottgesetz: Wohin damit?

Einer EU-Richtline folgend führt ein Gesetz ab jetzt zu veränderten Rückgabebedingungen für Elektrogeräte. Hier die wichtigsten Neuerungen.

Kaffee zum Mitnehmen als Müllproblem: Jede Stunde 320.000 Becher

Fast drei Milliarden Becher werden pro Jahr für Coffee to go verbraucht. UmweltschützerInnen fordern eine Abgabe von 20 Cent.

Müll-Entsorgung in der EU: Miese Geschäfte mit Elektroschrott

Nur etwa ein Drittel der Geräte wird ordnungsgemäß entsorgt. Der Großteil landet in der Tonne – oder bei Verbrecherbanden.

Entsorgung von Elektroschrott: „Das Gesetz ist eine Mogelpackung“

Elektrogeräte beim Händler abzugeben, soll leichter werden. Thomas Fischer von der Umwelthilfe über Toaster im Müll und Lücken in den Vorschriften.

UN-Bericht über illegalen Müllhandel: Ein Tsunami aus Elektroschrott

UN-Experten fordern Maßnahmen gegen illegale Müllexporte. Bis zu 20.000 Kinder arbeiten auf den giftigen Elektromüllhalden.

Rücknahmepflicht alter Elektrogeräte: Der Schrottwichtel-Zwang

Ausgediente Elektrogeräte wie Fernseher und Toaster sollen künftig im Geschäft um die Ecke abgegeben werden können. Was bedeutet das konkret?