taz.de -- Europäischer Menschenrechtsgerichtshof: Anhörung zu CIA-Gefängnissen

Zwei Guantanamo-Häftlinge sind vor das Straßburger Tribunal gezogen. Ihr Vorwurf: Der US-Geheimdienst habe sie in Geheimknästen in Europa festgehalten.

Bild: Zwei Soldaten im Gang der Mihail Kogalniceanu Airbase. Auch diese wird unter die Lupe genommen

Straßburg afp | Vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hat am Mittwoch die Anhörung zum Vorwurf von zwei Guantanamo-Häftlingen begonnen, der US-Geheimdienst CIA habe sie in Geheimgefängnissen in Europa festgehalten. Der Saudiaraber Abd al-Rahim al-Naschiri und der staatenlose Palästinenser Abu Subaida machen geltend, ihre Inhaftierung in CIA-Haftzentren in Rumänien und Litauen habe gegen die Menschenrechte verstoßen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte die Anhörung in Straßburg einen „wichtigen Schritt“ bei der Prüfung einer Mitverantwortung von Rumänien und Litauen. Beide Länder seien „nie zur Rechenschaft gezogen worden für ihre direkte Beteiligung“ an Geheimgefängnissen der CIA, erklärte die Amnesty-Expertin für Terrorismusbekämpfung, Julia Hall.

„Die heutige Anhörung ist eine Chance für Anwälte der Opfer, die Fakten vor dem Europäischen Gericht darzulegen in der Hoffnung, dass dies das Kartell des Schweigens brechen wird“, fügte Hall hinzu. „Wir können nichts zugeben, was es nicht gegeben hat“, erklärte der litauische Justizminister Juozas Bernatonis am Mittwoch zu dem Verfahren. Auch Rumänien hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Al-Naschiri ist im US-Gefangenenlager Guantanamo inhaftiert wegen des Anschlags auf den US-Zerstörer „USS Cole“, bei dem im Oktober 2000 im jemenitischen Hafen Aden 17 US-Soldaten getötet wurden. Außerdem soll er an dem Angriff auf den französischen Öl-Tanker „Limburg“ im Golf von Aden im Jahr 2002 beteiligt gewesen sein, bei dem ein Mensch getötet und zwölf weitere verletzt wurden.

Nach eigener Aussage wurde al-Naschiri von April 2004 bis September 2006 von der CIA illegal in Rumänien festgehalten.

Urteil erst in Monaten

In Abu Subaida sehen die USA ein führendes Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida. Vor seiner Verlegung nach Guantanamo war er nach eigenen Angaben von Februar 2005 bis März 2006 in Litauen inhaftiert. Die CIA habe ihn außerdem in Geheimgefängnissen in Polen und Marokko festgehalten.

Ein Urteilsspruch des Straßburger Tribunals dürfte erst in einigen Monaten fallen. Einem im Dezember 2014 vom US-Senat veröffentlichten Bericht zufolge wurden von der CIA 119 Menschen unter Terrorverdacht verschleppt, an „schwarzen Orten“ festgehalten und mit brutalen Methoden verhört. Das Europaparlament und der in Straßburg ansässige Europarat forderten wiederholt eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe.

30 Jun 2016

TAGS

EGMR

CIA

Gefängnis

Europa

Guantanamo

Schwerpunkt Islamistischer Terror

Guantanamo

Guantanamo

CIA

Pakistan

CIA

Guantanamo

ARTIKEL ZUM THEMA

Entschädigung für Guantánamo-Häftling: Symbolischer Sieg für Abu Subaida

24 Jahre nach Festnahme hat die britische Regierung einem Guantánamo-Häftling eine „substanzielle Summe“ gezahlt. Er sitzt weiter ohne Anklage in Haft.

Attentat eines Ex-Guantanamo-Häftlings: Selbstmordanschlag im Irak

Ein zum Islam konvertierter Brite landet in Guantánamo. Die britische Regierung sorgt für seine Freilassung, doch er wird zum Terroristen.

US-Gefangenenlager in Guantánamo: Präsidiales Tauziehen

Barack Obama plant, weitere Insassen des Gefängnisses zu entlassen. Trump tweetet dagegen. Er plant, Guantánamo mit weiteren Häftlingen zu füllen.

15 Entlassungen in Guantanamo Bay: Gefangene reisen in die Emirate aus

61 Gefangene verbleiben auf Kuba. Will Barack Obama das Lager doch noch schließen, braucht es für einen Teil von ihnen Aufnahmeländer oder Haftorte in den USA.

Nelson Mandelas Verhaftung 1962: CIA-Mitarbeiter gab den Hinweis

Ein CIA-Tipp an die Polizei des Apartheid-Regimes führte offenbar zu Nelson Mandelas Verhaftung. Der spätere Friedensnobelpreisträger saß daraufhin 27 Jahre in Haft.

Kommentar USA und Osama Bin Laden: Arzt als Bauernopfer

Die CIA feiert sich für die Ergreifung bin Ladens. Doch der Arzt, der dabei half, sitzt in Pakistan im Gefängnis. Der Hass auf die USA ist größer denn je.

Fotografische Aufklärung: Operationen im Verborgenen

Die Ausstellung „Terror Incognitus“ des britischen Fotografen Edmund Clark im Mannheimer Zephyr – Raum für Fotografie.

US-Gefangenenlager Guantánamo: Saudi-Arabien nimmt Häftlinge auf

Neun jemenitische Guantánamo-Gefangene wurden am Samstag nach Saudi-Arabien ausgeflogen. 80 Menschen werden dort noch immer festgehalten.