taz.de -- Doppelporträt Canan Bayram/Hakan Tas: Das flüchtlingspolitische Dreamteam

Der Linke Hakan Taș und seine grüne Kollegin Canan Bayram sind ein beinahe unzertrennliches Duo in der Berliner Flüchtlingspolitik. Zwei Interviews.

Bild: Canan Bayram (Grüne) und Hakan Tas (Linke)

Interview 1: „Sie ist in der falschen Partei“

Hakan Taș über seine grüne Kollegin Canan Bayram.

taz: Herr Taș, was machen die Grünen in der Flüchtlingspolitik falsch?

Hakan Taș: Sie lehnen – jedenfalls auf Bundesebene – das Konzept sicherer Herkunftsländer nicht ohne Wenn und Aber ab.

Was macht Canan Bayram in der Flüchtlingspolitik falsch?

Sie ist in der falschen Partei!

Wo sehen Sie den größten politischen Unterschied zwischen Ihnen beiden?

Der größte Unterschied ist, dass wir in verschiedenen Parteien sind. Ansonsten gibt es zwischen uns viele Übereinstimmungen. Da unsere Parteien bisher beide in der Opposition sind, klappt die Zusammenarbeit gut. Und wenn wir nach den Wahlen in der gemeinsamen Koalition sind, werden wir auch weiterhin gut zusammenarbeiten.

Warum sind Sie eigentlich nicht in derselben Partei?

Die Grünen tragen vieles mit, wo ich nicht dabei sein könnte – angefangen von den Balkankriegen bis zu ungerechter Sozialpolitik – Stichwort Hartz IV – oder Koalitionen mit der CDU. Ich war immer eher links orientiert. Und unsere Tür steht Canan stets offen!

Was wünschen Sie Frau Bayram angesichts der kommenden Wahl?

Ich wünsche ihr viel Glück. Da wir in verschiedenen Wahlkreisen antreten, gibt es zwischen uns kein Konkurrenzproblem. Und wenn wir gemeinsam auf Wahlkampfveranstaltungen sitzen, ergänzen wir uns wunderbar gegenseitig.

Beneiden Sie Frau Bayram um etwas?

Ja: um die Erfahrungen, die sie als Mutter machen darf.

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Canan Bayram über ihren linken Kollegen Hakan Taș:

„Er ist sehr emotional“

taz: Frau Bayram, was machen die Linken in der Flüchtlingspolitik falsch?

Canan Bayram: Es gibt inhaltlich viele Schnittmengen zwischen den Linken und uns Grünen. Wir haben in dieser Legislaturperiode ja auch viele gemeinsame Anträge im Abgeordnetenhaus gestellt. Die Linke positioniert sich aber manchmal nicht klar genug, weicht Konflikten aus.

Was macht Hakan Taş in der Flüchtlingspolitik falsch?

Hakan geht oft sehr emotional an die Themen heran. Er will schnell sein – ich prüfe oft genauer, was tatsächlich geht und was nicht.

Wo sehen Sie den größten politischen Unterschied zwischen Ihnen beiden?

Siehe oben: Als Juristin gehe ich oft gerade mit flüchtlingspolitischen Themen vielleicht etwas bedächtiger als Hakan um. Ich sehe meine Verantwortung darin, allen Beteiligten ihre Handlungsmöglichkeiten im rechtlichen Rahmen aufzuzeigen.

Warum sind Sie eigentlich nicht in derselben Partei?

Ich habe, als ich vor meinem Wechsel zu den Grünen 2009 noch als SPD-Mitglied im Parlament war, die rot-rote Koalition live miterlebt und gesehen, dass auch die Linke sehr hierarchisch strukturiert ist und arbeitet. Mir liegt das etwas Chaotische und Basisdemokratische, gleichzeitig aber auch Lebendigere bei den Grünen näher.

Was wünschen Sie Herrn Taş angesichts der kommenden Wahl?

Ich wünsche ihm, dass er gute Politik macht.

Worum beneiden Sie ihn?

Eigentlich um nichts.

Das ausführliche Doppelporträt der beiden Berliner PolitikerInnen finden Sie am Dienstag, 19. Juli, in der gedruckten taz.

18 Jul 2016

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Alke Wierth

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