taz.de -- Queere SuperheldInnen: Wonder Woman steht auf Frauen
Die beiden großen Comicverlage pokern um die spektakulärsten Coming-outs. DC hat nun erklärt, Wonder Woman sei bisexuell.
Bild: Super und flexibel: Wonder Woman
Übermenschliche Kräfte, knappes Höschen und Attitude – DCs Wonder Woman ist so etwas wie der Prototyp für unzählige weibliche Super- und Actionheldinnen seither. Jetzt stellt sich heraus, dass die Amazone nicht nur beim Kämpfen auf Männer verzichten kann: Pünktlich zum 75-Jährigen der Heldin und ein Jahr vor dem Start eines neuen Films hat Autor Greg Rucka verkündet: Wonder Woman steht auch auf Frauen.
Seit ein paar Jahren spielen die beiden großen US-amerikanischen Comicverlage Marvel und DC eine Partie LGBT-Repräsentationspoker. 2012 durfte Marvels X-Man Northstar einen Mann heiraten. Anfang 2015 zog dann DC nach und ließ Catwoman eine Frau küssen. Marvel ging mit und erhöhte Ende 2015 um Iceman. Jetzt ist wieder DC an der Reihe: mit Wonder Woman.
Aus Sicht Greg Ruckas handelt es sich hier aber nicht um ein Coming-out. Dass Wonder Woman Frauen mag, sei von Anfang an klar gewesen. Immerhin wuchs Prinzessin Diana (bürgerlicher Name) auf der Amazonen-Insel Themyscira auf, erst als junge Erwachsene traf sie erstmals auf einen Mann. Streng genommen ist Wonder Woman also eher queer, weil sie auch Männer liebt, jedenfalls aus Sicht ihrer Herkunftsgesellschaft – Norm und Abweichung, it’s complicated!
Wichtig ist erst mal, dass die Darstellung von queeren Identitäten den Verlagen ein Anliegen ist – ob nun aus Idealismus oder ökonomischen Überlegungen. Zu beobachten wäre jetzt, ob es beim Coming-Out bleibt, oder ob die Charaktere auch queere Geschichten erleben, also Plots, mit denen sich eher queere als Hetero-LeserInnen identifizieren können. Denn wie man an Dumbledore sehen kann, rettet ein – nachträglich geouteter – schwuler Charakter eine hoffnungslos heterosexuelle Story auch nicht mehr.
4 Oct 2016
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