taz.de -- Wettbewerb „Dance your Ph.D.“: Wissenschaftler tanzen Arbeit vor

Beim internationalen Wettbewerb erklären Forscher auf tänzerische, kreative Art ihre Abschlussarbeiten. Ein Blick auf Youtube lohnt sich.

Bild: Die Spione werden vom tanzendem Bakterium angegriffen

„Geht es euch auch immer so, dass ihr das Thema eurer Doktorarbeit niemandem erklären könnt, weil es so mega kompliziert ist?“ – „Dann tanzt es doch einfach!“, haben sich die Initiatoren von „Dance Your Ph. D.“ gedacht.

Seit 2007 beteiligen sich jede Menge Nerds an dem jährlichen Contest. Wissenschaftliche Abschlussarbeiten werden tänzerisch dargestellt und als [1][Video bei YouTube] hochgeladen. Bewertet werden sie von einer Jury, die aus Wissenschaftlern und Künstlern besteht. Damit ist für Expertise sowohl bei Inhalt als auch bei Darbietung gesorgt.

Dem wissenschaftsfremden Zuschauer wird zumindest schnell klar, dass sich die Teilnehmer beim Punkt Darbietung ziemlich Mühe geben. Die Laborkittel werden gegen schrille Kostüme eingetauscht, um Bakterien als Samurai-Kämpfer und Rezeptoren als James-Bond-Agenten darzustellen. Und so versteht jeder, der sich das Video ansieht, hochkomplexe wissenschaftliche Themen.

Zum Beispiel, wie Immunzellen mit Signal-Molekülen, also Spionen kommunizieren. Sollte einer dieser Spione von einem Bösewicht ausgeschaltet werden, bedeutet das nämlich nicht das Ende. Der sterbende Spion benachrichtigt einfach einen Partner, der den Auftrag bis zum Ende ausführt. Die Immunzelle verfügt also über mehrere Kommunikationswege.

Jeweils ein Gewinner in den vier Kategorien Physik, Chemie, Biologie und Sozialwissenschaften erhält ein Preisgeld von 500 US-Dollar. Die wirklichen Gewinner sind aber die Angehörigen der Wissenschaftler – wie man den Kommentaren der Videos entnehmen kann. Denn spätestens nach der Tanzdarbietung haben auch die endlich einen Plan, woran die Forscher so lange geschrieben haben.

14 Oct 2016

[1] https://www.youtube.com/results?search_query=dance+your+phd

AUTOREN

Vanessa Clobes

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