taz.de -- Kolumne Leipziger Vielerlei: Orden oder Bausparvertrag

Durch die Woche mit einem Suizid, drei Helden und der Frage, wie ein Staat am besten seine Dankbarkeit zeigen kann.

Bild: Anspannung in Leipzig: eine Sicherheitskraft auf dem Weg zur Justizvollzugsanstalt

Während in der Bibliotheca Albertina deutsche und syrische Germanisten zum Thema Flucht in der Literatur tagten, machten in dieser Woche eher andere Syrer Schlagzeilen. Nachdem der Terrorverdächtige Jaber A. der sächsischen Polizei in Chemnitz davonhuschen konnte, haben ihn am Montag drei Landsleute gefesselt an die Leipziger Polizei übergeben.

„Die Ausländer nehmen der Polizei die Arbeit weg! #Chemnitz“ unken Kraftklub auf Twitter (#Ironie). Der Großteil vom Rest im Internet fordert, den „Helden“ aus Leipzig als „positives Signal“ nun schleunigst Asyl zu gewähren. Das Verfahren der drei Syrer sei jedoch bereits positiv abgeschlossen, erklärte Bundesinnenminister de Maizière am Mittwoch.

Also alle Aufregung umsonst. Doch es bleibt die Frage: Wäre das die richtige Form von Dankbarkeit? Muss jetzt jeder Flüchtling einen Terrorverdächtigen festnehmen und dann ist die Asylfrage gelöst? Und was wäre gewesen, wenn drei „anständige Deutsche“ den Flüchtigen gefesselt und übergeben hätten? Was hätte man denen gegeben? Einen Bausparvertrag?

Jaber A. hatte bei seiner Vernehmung die drei Syrer der Mitwisserschaft beschuldigt. Geklärt ist die Frage bislang nicht. Weitere Beschuldigungen sind allerdings unwahrscheinlich. Der 22-jährige Terrorverdächtige wurde am Mittwoch erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig gefunden. #Suizid

Aber! Es war nicht alles schlecht. Die Ernst-Grube-Halle ist, nachdem sie rund ein halbes Jahr als Notunterkunft für Flüchtlinge diente, saniert und kann wieder beturnt werden. Die Uni Leipzig startet mit mehr als 7.500 Erstis ins Wintersemester. Bettina Kudla zeigt sich mal nicht umnachtet. Nach ihren Entgleisungen auf Twitter (#Dünnschiss #Umvolkung) soll sie sich in einem Brief an Can Dündar entschuldigt haben.

16 Oct 2016

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Maria Gramsch

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