taz.de -- Taliban-Angriffe in Afghanistan: Wichtiger Distrikt in Kundus erobert

Die Taliban haben in Kundus einen strategisch wichtigen Distrikt erobert. Die Kämpfe treiben hunderte Familien in die Flucht.

Bild: Trauer in Kundus (Archivbild Dezember 2016)

Kundus afp | Im Zuge ihrer vor wenigen Tagen gestarteten Frühjahrsoffensive haben die islamistischen Taliban am Wochenende einen strategisch wichtigen Distrikt im Norden Afghanistans eingenommen. Angesichts heftiger Kämpfe in der nördlichen Provinz Kundus zwischen Regierungstruppen und Rebellen flüchteten hunderte Familien aus dem Distrikt Kala-e-Sal in die Provinzhauptstadt Kundus. Nach Angaben des norwegischen Flüchtlingsrats, der in Kundus Büros unterhält, mussten einige Familien in der Nacht zum Sonntag im Freien übernachten, andere kamen bei Verwandten unter.

Ein Regierungssprecher sagte, afghanische Soldaten hätten sich aus Rücksicht auf die Zivilisten aus dem Distrikt zurückgezogen. Dagegen erklärte ein Vertreter der Taliban, sie hätten die Regierungstruppen vertrieben.

Die Taliban hatten am 28. April ihre jährliche Frühjahrsoffensive begonnen. Hauptziel seien die US-geführten Nato-Streitkräfte in Afghanistan, deren militärische Infrastruktur sowie die „Vernichtung ihrer einheimischen Söldner“, erklärten sie.

Im September 2015 hatten die Taliban in Kundus für etwa zwei Wochen die Kontrolle übernommen. Ein zweites Mal drangen die Taliban im vergangenen Oktober nach Kundus vor, bevor afghanische Soldaten sie mit Unterstützung von Nato-Truppen zurückschlugen.

Die Bundeswehr beteiligt sich in Afghanistan am Nato-geführten Einsatz Resolute Support, bei dem es vor allem um Ausbildung, Beratung und Unterstützung einheimischer Sicherheitskräfte geht. Bis 2013 hatte die Bundeswehr ein Feldlager in Kundus unterhalten.

7 May 2017

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