taz.de -- Kommentar AfD Niedersachsen: Weiter so, AfD!
Wer aus Neid auf vermeintlich BegĂŒnstigte ein Team bildet, wird erleben, dass es spĂ€testens dann auseinander fĂ€llt, wenn einzelne daraus materielle Vorteile erwerben.
Bild: Gehören mittlerweile selber zu denen da oben: Alexander Gauland und Armin-Paul Hampel
Der AfD-Bundesvorstand hat Armin-Paul Hampel vom Amt des Niedersachsen-Chefs [1][enthoben] und wird deswegen von Armin-Paul Hampel [2][verklagt]. Zur HÀme besteht da kein Anlass. Wohl aber zu Freude: Es ist schön, wenn sich das Ressentiment dieser sich nur aus Ressentiment speisenden Gemeinschaft nach innen kehrt.
Klar, diese Dynamik konnte gar nicht ausbleiben. Letztlich richtet sich jede Wut gegen ihren TrĂ€ger. Und deshalb muss und wird diese Bewegung am Ende zur Auflösung der AfD fĂŒhren. Aber es macht eben schon einen Unterschied, ob der Faschismus zwölf Jahre herrscht oder nicht einen Tag. Weshalb es erfreulich ist, dass es in Niedersachsen so zĂŒgig vorangeht.
FĂŒr die Beteiligten sind das alles sicher schmerzhafte Erfahrungen: Dass der Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel von seinem Kumpel Alexander Gauland abgesetzt wurde und gegen diesen autoritĂ€ren Akt der Parteigranden offen revoltiert. FĂŒr diese ist es ebenfalls schmerzhaft, von jemandem wie Hampel als Teil des Establishments abgelehnt zu werden, der andere Parteimitglieder als bloĂes FuĂvolk missachtet.
Durch Ausgrenzung ist keine Gesellschaft zu formen
Aber es hilft zu verstehen, dass durch Ausgrenzung weder Gesellschaft zu formen noch Politik zu gestalten ist. Wer aus Neid auf vermeintlich BegĂŒnstigte ein Team bildet, wird erleben, dass es spĂ€testens dann auseinanderfĂ€llt, wenn einzelne daraus materielle Vorteile wie Abgeordnetenmandate erwerben.
Doch, doch!, Gauland, Weidel, Hampel sind jetzt selber welche von denen da oben, die mit Ihnen, den AfD-Parteisoldat*innen machen, was sie wollen. Waren sie das nicht schon immer? Waren sie das nicht bereits, als man gegen die da oben noch frohgemut losgezogen war, als Kampfbund derer, die von Fremden und schwulen Frauen verdrÀngt werden?
Ideal wĂ€re es, wenn die Krise Niedersachsens AfDlern zur Einsicht verhĂŒlfe, dass es ihnen nicht einmal intern gelingen kann, die beĂ€ngstigende Vielfalt der Gegenwart einzudĂ€mmen. Und insofern ist es eine erfolgversprechendere Strategie, den Umgang mit ihr zu erlernen, statt weiter zu versuchen, sie mit Hass zurĂŒckzudrĂ€ngen. Das wĂ€re eine LĂ€uterung. Realistischer bleibt die Hoffnung darauf, dass Hampel zĂ€h wie Leder weiter durchhĂ€lt. Und zwar bis zum bitteren Ende.
23 Jan 2018
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