taz.de -- Umstrittene Rentenreform in Russland: Duma stimmt Änderungen zu

Das Parlament in Russland hat den Nachbesserungen von Präsident Putin zur Rente zugestimmt. Das Eintrittsalter für Frauen und für Männer soll um fünf Jahre steigen.

Bild: Protestierten gegen das höhere Renteneintrittsalter: Demonstranten in Russland

Moskau dpa | Im [1][Streit um die Rentenreform in Russland] hat das Parlament Nachbesserungen von Präsident Wladimir Putin zugestimmt. Die Zugeständnisse waren eine Konsequenz [2][aus den landesweiten Protesten] gegen die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters. „Wir haben uns auf einen Konsens geeinigt“, erklärte der Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodim am Mittwoch in einer Mitteilung.

Demnach soll das Eintrittsalter in die Rente für Frauen genau wie das für Männer um fünf Jahre steigen. Ursprünglich sollten Frauen sogar acht Jahre länger arbeiten. Das wurde nun revidiert. Sie können laut Gesetzentwurf nun mit 60 in Rente gehen, Männer mit 65 Jahren. Bislang arbeiten Frauen in Russland offiziell maximal bis zum 55. Lebensjahr, Männer bis zum 60.

Putin hatte die zunächst vorgesehene Anhebung laut Duma-Mitteilung als falsch bezeichnet. 385 Abgeordnete hätten für die Änderungen gestimmt. Der Gesetzentwurf wird nun in zweiter Lesung beraten.

Das Projekt hat massive Kritik über Parteigrenzen hinweg ausgelöst. Es gab Proteste im Land. Die Umfragewerte von Präsident Wladimir Putin hatten sich nach Bekanntwerden der Reformpläne verschlechtert. Die Lebenserwartung russischer Männer liegt im Durchschnitt bei 66 Jahren, so dass viele von ihnen das neue Rentenalter gar nicht erreicht hätten – vor allem in armen Regionen.

26 Sep 2018

[1] /Demos-gegen-Rentenreform-in-Russland/!5523909

[2] /Protest-gegen-Renten-Reform-in-Russland/!5537615

TAGS

Duma

Russland

Wladimir Putin

Rente

Russland

Alexei Nawalny

Russland

Hacking

ARTIKEL ZUM THEMA

Jahresansprache von Russlands Präsident: Halbwahrheiten zum Jahresausklang

Wladimir Putin zeichnet bei der Jahrespressekonferenz ein allzu positives Bild der Wirtschaftslage. Die Kritik am Westen fällt verhalten aus.

Protest gegen Renten-Reform in Russland: Nawalny zu 20 Tagen Haft verurteilt

Der Kremlkritiker war gerade erst aus dem Gefängnis getreten, da wurde er schon wieder abgeführt. Alexej Nawalny muss 20 weitere Tage in Arrest.

Kritik an Russlands Renten-Reform: Nawalny erneut festgenommen

30 Tage saß er in Haft – und rief dennoch zu weiteren Demonstrationen auf. Nun ist Kreml-Kritiker Alexej Nawalny gleich wieder abgeführt worden.

Hacker-Angriff auf Labor: Schweiz wirft Russland Spionage vor

Diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Russland: Hintergrund ist ein Cyberangriff auf ein Labor mit einer Verbindung zum Fall Skripal.