taz.de -- Präsenz- oder Distanzunterricht: Bremer Senat muss Klarheit schaffen

Bremen überlässt die Entscheidung über Distanzunterricht jetzt den Schulleitungen. Dabei wären jetzt klare Ansagen gefordert, um für Ruhe zu sorgen.

Bild: Im Sommer gab es nur halbe Klassen wegen Corona

Bremens Bildungssenatorin wägt ab, was mehr Schaden anrichtet: Schule weiter laufen lassen und [1][Ansteckungen riskieren] oder mit Homeschooling riskieren, dass Schüler*innen abgehängt werden, weil sie zu Hause nicht so gut lernen können.

Pest oder Cholera – man kann derzeit froh sein, ihren Job nicht machen zu müssen. Aber jetzt hat sie die [2][Entscheidung an die Schulleitungen weitergegeben] und ihnen [3][freigestellt, über Distanzunterricht selbst zu entscheiden].

Das ist nicht geeignet, um [4][die gärende Unruhe an Schulen] zu beruhigen. Denn jetzt müssen sich Schulleiter*innen gegenüber Lehrer*innen und Eltern dafür rechtfertigen, wenn denen die Maßnahmen zu streng sind – oder nicht streng genug.

Vage Kriterien

Zudem ist es in nicht-pandemischen Zeiten sicher sinnvoll, den Schulen mehr Verantwortung zu übertragen. Aber in der aktuellen Lage sind entscheidungsschwache oder untätige Schulleitungen nicht einfach ärgerlich – sondern gesundheitsgefährdend.

Die [5][Kriterien], nach denen über Distanzunterricht entschieden werden soll, sind so vage, dass sich alle wegducken können, denen das zu kompliziert wird. Oder denen Elternvertreter*innen im Nacken sitzen, die ungestört arbeiten wollen – ohne zu betreuende Kinder.

Auch für engagierte Schulleitungen wäre mehr Klarheit gut. Denn früher oder später werden alle in Distanz unterrichten müssen.

12 Nov 2020

[1] /Kein-Schutz-im-Klassenraum/!5726485

[2] /Nord-Schulen-bleiben-offen/!5723755

[3] https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/2020-11-10_Anschreiben%20Senatorin.pdf

[4] /Corona-Praevention-an-Bremer-Schulen/!5726755

[5] https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/2020-11-10_KriterienReaktionsstufen.pdf

AUTOREN

Eiken Bruhn

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