taz.de -- Großbritannien bestraft Nutzer: Mehr Druck auf Huawei

Nach dem Ausschluss des chinesischen Anbieters beim 5G-Ausbau will Großbritannien Verstöße gegen das Verbot nun auch mit Geldstrafe ahnden.

Bild: Technologisch erfolgreich, politisch aber unter Beschuss: der chinesische Netzausstatter Huawei

London/Berlin rtr/taz | Großbritannien hatte bereits entschieden, dass die Technologie des chinesischen Netzausstatters Huawei ab 2027 nicht mehr verwendet werden darf. Nun kündigte die britische Regierung eine weitere Verschärfung an.

Die neue Gesetzesvorlage ermögliche Großbritannien, „die zum Schutz unserer Netze erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Digitalminister Oliver Dowden am Dienstag in London. Verstöße gegen das Verbot sollen mit einer Geldstrafe von bis zu 10 Prozent des Umsatzes oder umgerechnet rund 113.000 Euro pro Tag geahndet werden. Die Regierung in London erklärte, die strengeren Sicherheitsstandards würden auch dazu beitragen, Großbritannien vor möglichen Cyberangriffen zu schützen.

Huawei reagierte empört auf diesen Schritt. „Diese Entscheidung ist politisch motiviert und basiert nicht auf einer fairen Bewertung der Risiken“, sagte Vizepräsident Victor Zhang. Das Verbot schiebe Großbritannien auf dem Weg in die Digitalisierung auf die „langsame Spur“.

Allen voran die USA werfen Huawei Spionage vor. US-Geheimdienste warnen zudem, China könne das Huawei-Netz zur Manipulation nutzen. Das private chinesische Unternehmen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Zuletzt untersagte aber auch Schweden die Nutzung von Huawei-Technologie in seinem Land und schloss die Gesellschaft beim Aufbau seines 5G-Netzes aus.

Auch Bundesregierung verschärft IT-Gesetz

Innerhalb der Bundesregierung gab es bis zuletzt einen [1][Dissens] im Umgang mit dem chinesischen Unternehmen. Kanzleramt und das Wirtschaftsministerium fürchten um die guten Wirtschaftsbeziehungen zu China und wollten Anbieter nicht per se ausschließen. Das Auswärtige Amt hegt hingegen erhebliche Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Huawei. Am Wochenende war ein Gesetzentwurf bekannt geworden ([2][taz von Montag]).

Demnach sollen Herstellerfirmen verpflichtet werden, umfangreiche Angaben zur Vertrauenswürdigkeit zu machen. Ein gemeinsames Gremium aus Kanzleramt, Innenministerium, Wirtschaftsministerium und Auswärtigen Amt prüft diese Angaben dann. Hat das Innenministerium Sicherheitsbedenken, darf es Hersteller künftig auch komplett ausschließen. (flee, rtr)

24 Nov 2020

[1] /CDU-Bundesparteitag-und-Netzausbau/!5643531

[2] /Entwurf-des-IT-Sicherheitsgesetzes/!5727138

AUTOREN

Felix Lee

TAGS

Huawei

Spionage

China

Huawei

5G-Technologie

Australien

Schufa

Großbritannien

IT-Sicherheit

Klimaneutralität

China

ARTIKEL ZUM THEMA

Spionageverdacht bei Elektronikkonzern: USA verbieten Huawei-Handys

Die US-Telekommunikationsaufsicht FCC ordnet an, Geräte fünf chinesischer Firmen vom Markt in den USA zu verbannen. Begründung: „Nationale Sicherheit“.

Kommunikationsinitiative zu 5G: Deutschland fragt zu 5G

Schadet die neue Mobilfunktechnologie Mensch oder Tier? Im Bürgerdialog gibt es nur eine Antwort: Aber nein!

Spannungen zwischen Australien und China: „Wolfskrieger“ empört Canberra

Australiens Premierminister Morrison fordert eine Entschuldigung Pekings für einen provokanten Tweet des chinesischen Außenamtssprechers.

Schufa will Zugriff auf Kontoauszüge: Die Allesfresserin

Die Schufa will künftig auswerten können, was Kund:innen wofür ausgeben. Auf freiwilliger Basis, betont sie. Dreist ist die Idee trotzdem.

Haushaltsplanung 2021: Es regnet Geld in Großbritannien

London steigert die Staatsausgaben deutlich – vor allem für Infrastruktur und Gesundheit. Gespart wird in der Entwicklungszusammenarbeit.

Entwurf des IT-Sicherheitsgesetzes: Kennzeichnung nur freiwillig

Die Novelle des IT-Sicherheitsgesetzes nimmt Form an. Neues gibt es für Verbraucher:innen – und für Huawei.

Chinas neuer 5-Jahres-Plan: Auf zum zweiten Jahrhundertziel

China gibt mit seinem neuen Fünfjahresplan die Stoßrichtung für die Zukunft vor. Er strotzt vor Selbstbewusstsein und Ambition.

Firma Zhenhua wertet Social Media aus: China is watching you

Die Firma Zhenhua Data erstellt heimlich Profile wichtiger ausländischer Persönlichkeiten. In Indien und Australien wird das zum Politikum.