taz.de -- Bremer Senator fordert Fußball-Pause: Ulrich Mäurer will abpfeifen

Bremens Innensenator fordert, den Spielbetrieb im Profi-Fußball bundesweit einzustellen. Werder Bremen hält eine Unterbrechung nicht für zielführend.

Bild: Gut so? Stadion-Situation beim Spiel VfB Stuttgart gegen FSV Mainz 05 am 26. November 2021

Bremen taz | Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) fordert, den Spielbetrieb in der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu unterbrechen. „Wir setzen die Polizeibeamtinnen und -beamten einer [1][unnötig großen Gefahr] aus, wenn wir sie mitten in der vierten Welle quer durch die Republik schicken, nur um Fußballspiele gegen gewalttätige Fans abzusichern“, sagte Mäurer laut einer Mitteilung vom Freitag.

Es gelte, in der Krise Prioritäten zu setzen, so Mäurer. „Ein Fußballspiel abzusichern, gehört definitiv nicht dazu.“ Auf der Innenministerkonferenz am Ende der Woche will er seine Kolleginnen und Kollegen überzeugen, sich dafür einzusetzen, dass die DFL den Spielbetrieb „umgehend“ unterbricht oder zumindest vorerst auf Geisterspiele beschränkt.

Wenn Werder Bremen am Freitag im Weserstadion gegen den FC Erzgebirge Aue spielt, würden laut einer Pressemitteilung des Senats keine Fans aus Regionen mit hohen Inzidenzen ins Stadion gelassen. Außerdem werde die Zuschauerzahl um 25 Prozent reduziert und der Einlass auf 2G beschränkt. Darauf einigten sich Mäurer und Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald.

Eine Unterbrechung des Spielbetriebs halte der Verein aber nicht für zielführend, sagte Hess-Grunewald. „Wir bevorzugen hingegen Maßnahmen, die dazu beitragen, größtmöglichen Infektionsschutz zu bieten.“

Verständnis bei Fanclub-Vorsitzendem

Bislang gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass es bei Spielen im Stadion zu einem erhöhten Risiko für Zuschauer:innen komme. Das zeigten Erkenntnisse der DFL und Erfahrungen bei den eigenen Spielen, sagt Vereinssprecher Christoph Pieper. Laut einer Umfrage unter den Clubs im September dieses Jahres habe es bei den bis dahin 73 Spielen der Saison mit rund 900.000 abgesetzten Tickets nur sechs Fälle von Kontaktverfolgung gegeben, so Pieper.

Ralf Behrend, Vorsitzender beim Werder-Fanclub Eastie Boyz Bremen, kann die Forderung des Innensenator nachvollziehen, auch wenn es ihm als Fan in der Seele Leid tut. Man könne Gastronom:innen und Einzelhändler:innen nicht zumuten, dass sie kurz vor dem Lockdown stehen, während im Stadion bis zu 50.000 Zuschauer:innen ohne Maske dicht an dicht stehen. Zwar benötige Werder die Einnahmen, aber es dürfe keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben. Man könne die Winterpause vorziehen, schlägt Behrend vor.

30 Nov 2021

[1] /Katar-Corona-und-der-Fussball/!5814783

AUTOREN

Paul Petsche

TAGS

Schwerpunkt Coronavirus

Ulrich Mäurer

Werder Bremen

Bremen

Fußball

Migration

FC St. Pauli

Fußball und Politik

Kolumne Press-Schlag

Fußball-Bundesliga

ARTIKEL ZUM THEMA

Bremer Senator plant Abschiebezentrale: Reine Symbolik gibt es nicht

Menschen zu Zahlen gemacht: Wenn ein erfahrener Innensenator ankündigt, mit mehr Schmackes abzuschieben, dann hat das Wirkung.

St. Pauli gegen Schalke in der 2. Liga: 19.950 potenzielle Corona-Spreader

Nach einem souveränen Sieg gegen Verfolger Schalke 04 ist der FC St. Pauli Herbstmeister. In der Pandemiebekämpfung ist aber noch Luft nach oben.

Bremer Senator fordert Fußball-Pause: Mit gutem Beispiel voran

Bremens Innensenator Mäurer (SPD) legt sich mit dem Profifußball an – und betreibt damit die Corona-Prävention, die viele einfordern.

Katar, Corona und der Fußball: Steilpass ins Gewissen

Im deutschen Fußball häufen sich die Moraldebatten. Um einige kann er sich nicht drücken – doch manche drohen, überfrachtet zu werden.

Berliner Fußballderby Union – Hertha: Beängstigendes volles Haus

Beim Derby zwischen Union Berlin und Hertha BSC werden alle 22.012 Plätze im Stadion An der Alten Försterei vergeben. Das sorgt für Diskussionen.