taz.de -- Wegen Taiwan-Vertretung in Litauen: China stuft Beziehungen herab

Weil Taiwan in Vilnius eine Vertretung unter eigenem Namen eröffnet hat, erhöht China den Druck auf Litauen. Die Eröffnung sei ein „Àußerst ungeheuerlicher Akt“.

Bild: China Àrgert sich, Taiwans Vertreter freuen sich: Vor der taiwanesischen Vertretung in Vilnius

Peking/Vilnius afp | Wegen eines [1][Streits ĂŒber Taiwan] stuft China seine diplomatischen Beziehungen zu dem EU-Land Litauen herab. Die Beziehungen wĂŒrden auf die GeschĂ€ftstrĂ€ger-Ebene heruntergefahren, um Chinas „SouverĂ€nitĂ€t und die grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen zu bewahren“, erklĂ€rte am Sonntag das Außenministerium in Peking.

Taiwan hatte vor einigen Tagen in Litauens Hauptstadt Vilnius eine Vertretung unter seinem eigenen Namen eröffnet und damit seinen Anspruch auf UnabhĂ€ngigkeit von Peking deutlich gemacht. China verurteilt dies, weil es [2][Taiwan als abtrĂŒnnige Provinz betrachtet], die aber „ein unverĂ€ußerlicher Teil des chinesischen Territoriums“ sei.

In einer am Donnerstag veröffentlichten ErklĂ€rung des chinesischen Außenministeriums hatte es geheißen, die Eröffnung einer offiziellen Auslandsvertretung Taiwans sei ein „Àußerst ungeheuerlicher Akt“. Peking forderte, „dass die litauische Seite diese falsche Entscheidung umgehend korrigiert“.

Vilnius erklĂ€rte am Sonntag, es bedauere Pekings Schritt. „Litauen bekrĂ€ftigt sein Festhalten an der ‚Ein-China-Politik‘“, erklĂ€rte das Außenministerium. Das Land habe jedoch „gleichzeitig das Recht, die Zusammenarbeit mit Taiwan auszuweiten, einschließlich der Einrichtung nicht-diplomatischer Vertretungen“.

Als Litauen im Juli Taiwan grundsĂ€tzlich erlaubt hatte, in Vilnius eine Vertretung unter eigenem Namen zu fĂŒhren, hatte China seinen Botschafter abgezogen und die litauische Regierung aufgerufen, ihren Botschafter in Peking ebenfalls zurĂŒckzurufen. Zudem stoppte China den GĂŒterzugverkehr nach Litauen und erteilte dem Land keine Einfuhrgenehmigungen fĂŒr Lebensmittel mehr.

AnnÀherung an Taipeh

Aus Furcht vor chinesischen Repressalien bezeichnet Taiwan seine De-facto-Botschaften im Ausland ĂŒblicherweise als „Taipeh Vertretung“. Umgekehrt ist beispielsweise Deutschlands diplomatische Vertretung in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh offiziell auch keine Botschaft, sondern wird als „Deutsches Institut“ bezeichnet. Am Donnerstag verkĂŒndete Taipeh jedoch, „Taiwans VertretungsbĂŒro“ in Vilnius habe „offiziell seine Arbeit“ aufgenommen.

Nach jahrzehntelangem Druck aus Peking erkennen nur noch wenige LÀnder Taiwan offiziell als Staat an. Zuletzt hatten sich jedoch auch andere osteuropÀische LÀnder wie Tschechien und die Slowakei trotz Chinas Protest wieder an Taipeh angenÀhert.

In den vergangenen Monaten hatten die [3][Spannungen zwischen Peking und Taipeh] erneut erheblich zugenommen. Peking droht damit, die demokratisch regierte Insel notfalls mit Gewalt mit dem kommunistischen Festland zu vereinigen. Die Schutzmacht USA stellt sich hinter die Regierung in Taipeh.

21 Nov 2021

[1] /Diplomatischer-Streit-eskaliert/!5788284

[2] /Drohungen-aus-China/!5804229

[3] /Pekings-Drohgebaerden-gegen-Taiwan/!5801342

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