taz.de -- Vor Konferenz zur atomaren Abrüstung: Leere Versprechen

Die Erklärung der fünf offziellen Atomwaffenstaaten, eine Welt ohne Atomwaffen zu erreichen, ist irreführend. Das Gegenteil passiert.

Bild: Sitzstreik gegen nukleare Waffen: 35 Jahre später noch immer Thema

„Wir wollen mit allen Staaten zusammenarbeiten, um das endgültige Ziel einer Welt ohne Atomwaffen zu erreichen und bekennen uns zu unserer Verpflichtung aus dem [1][Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag] (NPT), Verhandlungen über ein Ende des atomaren Rüstungswettlaufs und ein Abkommen zur vollständigen Abrüstung zu führen.“

Das behaupten die fünf offiziellen Atomwaffenstaaten und ständigen Vetomächte des UNO-Sicherheitsrates, USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien (P5) in einer gemeinsamen Erklärung, die am Montag, dem Vorabend der 10. NPT-Überprüfungskonferenz, in New York veröffentlicht wurde. Die zitierte Behauptung ist ebenso irreführend und unwahr, wie das Bekenntniss der fünf Atomwaffenmächte zur „Stärkung von Stabilität und Vorhersehbarkeit“.

Die an sich völlig richtige Feststellung, dass „ein Nuklearkrieg nicht gewinnbar ist und niemals geführt werden darf“, erinnert an Walter Ulbrichts absurdes Versprechen: [2][„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“] Denn tatsächlich verweigern und boykottieren die P5 bislang jegliche multilaterale Verhandlung zu atomarer Abrüstung.

Stattdessen betreiben sie mit großem Aufwand und gigantischen Geldsummen die von allen Seiten stets als „Modernisierung“ verharmloste Aufrüstung ihrer atomaren Arsenale. Dabei werden immer mehr Waffensysteme entwickelt, die zerstörungsstärker, zielgenauer, schneller und flexibler einsetzbar sind als ihre Vorgänger und damit gefährlicher und unberechenbarer für den Gegner.

Das gilt für die geplanten [3][Nachfolgesysteme der US-Atombomben] in der Eifel, für deren Einsatz [4][auch die Ampelkoalition] neue Kampfflugzeuge anschaffen will, ebenso wie die von Russland entwickelte [5][Hyperschallrakete „Zirkion“], die mit einer Geschwindigkeit von 10.000 Stundenkilometern dem anvisierten Gegner jede Vorwarnzeit und Abwehrchance nimmt.

Derartige Waffen senken die Schwelle zum Einsatz und bewirken das Gegenteil der von den P5 angeblich angestrebten „Stabilität und Vorhersehbarkeit“. Noch führen die USA und Russland den atomaren Aufrüstungswettlauf an. Doch [6][China zieht inzwischen gewaltig nach]. Die Erklärung der P5 dürfte kaum ausreichen, den wachsenden Unmut der 186 Vertragsstaaten des NPT, die auf atomare Waffen verzichtet haben, zu beruhigen.

Daher wäre ein erneutes Scheitern der New Yorker Überprüfungskonferenz wie schon 2015 keine Überraschung. Zumal auch der Beschluss zur Durchführung einer UNO-Konferenz über eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten, mit dem die NPT-Konferenz 2010 gerettet werde konnte, wegen des Widerstandes Israels und der USA bis heute nicht umgesetzt wurde.

4 Jan 2022

[1] https://www.iaea.org/sites/default/files/publications/documents/infcircs/1970/infcirc140.pdf

[2] https://www.youtube.com/watch?v=Yz9DNSTrHBY

[3] https://www.dw.com/de/usa-modernisieren-atombomben-in-deutschland/a-52856021

[4] /Die-Ampel-und-nukleare-Teilhabe/!5819189

[5] https://www.tagesschau.de/ausland/russland/putin-hyperschallraketen-103.html

[6] /Militaerexperte-ueber-Aufruestung-in-China/!5780524

AUTOREN

Andreas Zumach

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