taz.de -- Nach Mord an Polizist:innen: Hunderte hetzen im Netz

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizist:innen gab es zahlreiche Hasskommentare im Internet. Mindestens 102 sollen bisher strafrechtlich relevant sein.

Bild: Kerzen an der KreisstraĂźe 22, wo zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden

Mainz afp | Eine Woche nach der [1][Ermordung zweier Polizist:innen in Rheinland-Pfalz] hat das Landeskriminalamt bereits Hunderte Fälle von Hass und Hetze im Netz im Zusammenhang mit der Tat ermittelt. Bisher seien 399 Onlinebeiträge festgestellt worden, von denen 102 strafrechtlich relevant seien, teilte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Montag in Mainz mit. In 15 Fällen habe eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe die Verantwortlichen bereits identifiziert.

Manche hätten die Tat im Internet regelrecht gefeiert oder die Opfer verhöhnt. „Ich empfinde das als schamlos – das ist pure Menschenverachtung, und das ist widerwärtig“, sagte Lewentz. Es sei „kaum aushaltbar“, dass die Angehörigen und Familien der Opfer nun auch noch Hass und Hetze im Internet ertragen müssten.

In einem auf Facebook veröffentlichten Video hatte ein vermummter Mann dazu aufgerufen, Polizist:innen auf Feldwege zu locken, um sie dort zu erschießen. Das Video führte bereits in der Nacht zum Freitag zu einer Festnahme in einem Ort der Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen. „Ich sage ganz klar: So etwas Widerliches werden wir nicht tolerieren“, sagte Lewentz.

Die Polizistin und ihr Kollege waren am frühen Montagmorgen [2][vergangener Woche im Landkreis Kusel bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden.] Gegen zwei Tatverdächtige wurde am Dienstag Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes erlassen. Laut den Ermittlern wollten sie damit eine [3][vorangegangene Wilderei verdecken.]

7 Feb 2022

[1] /Polizistinnen-bei-Kontrolle-erschossen/!5832695

[2] /Schuesse-auf-zwei-Polizeibeamte/!5829404

[3] /Zwei-Polizistinnen-getoetet/!5829580

TAGS

Polizei

Hate Speech

Rheinland-Pfalz

Internetkriminalität

Morde

Soziale Netzwerke

Kriminalität

Polizei

Polizei

Ermittlungen

Ermittlungen

ARTIKEL ZUM THEMA

Nach Suizid von bedrohter Ärztin: Pandemie der Gewalt

Der Suizid einer Impfärztin in Österreich zeigt: Die Hetze im Netz nimmt immer schlimmere Ausmaße an. Dagegen muss endlich was getan werden.

Nach Polizistenmord in Kusel: Komplize auf freiem FuĂź

Fünf Wochen nach dem Polizistenmord von Kusel wurde der Haftbefehl gegen den Komplizen des Tatversächtigen aufgehoben. Es bestehe keine Fluchtgefahr.

Tödliche Schüsse auf Polizei bei Kusel: Wohl doch nur ein Schütze

Im Fall der bei Kusel erschossenen Polizist:innen verdächtigen die Behörden nur noch einen der zwei Beschuldigten des Mordes. Beide bleiben in Haft.

Pause bei den Autobahnblockaden: Aktivisten trauern um Polizisten

„Der Aufstand der letzten Generation“ blockiert seit Tagen Straßen. Nach dem gewaltsamen Tod von zwei Polizeibeamt:innen in Kusel pausiert er.

Zwei Polizist:innen getötet: Schützen waren wohl Wilddiebe

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten und eine Polizistin sind zwei Tatverdächtige in Haft. Sie wollten mutmaßlich Wilderei vertuschen.

Polizist:innen bei Kontrolle erschossen: Vertuschung als Tatmotiv?

Die Behörden gehen davon aus, dass die Polizistin und der Polizist in der Pfalz erschossen wurden, weil die Täter Wilderei verdecken wollten. Die Ermittlungen dauern an.