taz.de -- Nachrichten in der Coronakrise: Inzidenz sinkt weiter
Das RKI meldet weniger Neuinfektionen. Moderna geht von einem Omikron-Booster im August aus. Lauterbach findet den Ausdruck âFreedom Dayâ nicht angemessen.
Bild: Kein âFreedom Dayâ mit Karl Lauterbach. Der Gesundheitsminister lehnt den Begriff ab
Cassis hat Corona
Der Schweizer BundesprĂ€sident Ignazio Cassis ist positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Er weise keine Symptome auf, teilt die Regierung mit. Er habe sich unverzĂŒglich in Isolation begeben. Cassis werde seine Arbeit bis am Sonntag von seinem Wohnsitz aus weiterfĂŒhren. Am Montag werde der Politiker der liberalen Partei FDP an seinen Arbeitsplatz zurĂŒckkehren. Die Meldung zur Ansteckung des PrĂ€sidenten fĂ€llt mit dem Tag zusammen, an dem in der Schweiz die meisten Pandemie-EinschrĂ€nkungen aufgehoben werden. (rtr)
Johannes Vogel plÀdiert auf Lockerungen
FDP-Vize Johannes Vogel hat mit Blick auf das geplante Auslaufen der meisten Corona-BeschrĂ€nkungen am 19. MĂ€rz bekrĂ€ftigt, dass seine Partei keine groĂzĂŒgige VerlĂ€ngerung der MaĂnahmen mittragen will. âDie tiefgreifenden EinschrĂ€nkungen mĂŒssen mit dem beginnenden FrĂŒhling enden, wie in unseren europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern auchâ, sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.
âDie FDP-Fraktion ist natĂŒrlich bereit, in der Koalition ĂŒber WĂŒnsche der LĂ€nder zu Ănderungen des Infektionsschutzgesetzes zu sprechen, aber wir machen uns deren Wunschkatalog ausdrĂŒcklich nicht zu eigenâ, fĂŒgte Vogel, der auch Erster Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der FDP-Fraktion ist, hinzu.
Nach dem geltenden Infektionsschutzgesetz laufen die wesentlichen Corona-MaĂnahmen einschlieĂlich der Maskenpflicht mit dem 19. MĂ€rz aus. Bund und LĂ€nder hatten am Mittwoch vereinbart, danach noch bestimmte âBasisschutzmaĂnahmenâ möglich zu machen. Welche das sein werden, darĂŒber wird nun verhandelt. Die LĂ€nder fordern, dass es weiterhin Masken- und Testvorgaben und Pflichten zum Nachweis von Impf-, Genesenen- und Teststatus geben darf. Die im Bund mitregierende FDP will nur eine VerlĂ€ngerung der Maskenpflicht mittragen.
âGrundrechtseinschrĂ€nkungen sind nur dann zu rechtfertigen, wenn sie wirksam und verhĂ€ltnismĂ€Ăig sindâ, sagte Vogel. Ziel der Corona-MaĂnahmen könne nur sein, eine Ăberlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. âDiese Ăberlastung ist in der Omikron-Welle nicht der Fall, wie die Krankenhausgesellschaft gerade bestĂ€tigt.â
Die FDP-Fraktion habe bereits deutlich gemacht, dass eine VerlĂ€ngerung der Rechtsgrundlage der Corona-MaĂnahmen ĂŒber den 19. MĂ€rz hinaus fĂŒr sie nicht in Frage kommen. âSollte sich die pandemische Lage zu einem spĂ€teren Zeitpunkt verĂ€ndern, ist der Bundestag auch jederzeit handlungsfĂ€hig.â (dpa)
Ministerium ruft Gesundheits-BeschÀftigte zu Novavax-Impfung auf
Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat noch ungeimpfte BeschĂ€ftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege zu Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Novavax aufgerufen. Mit Blick auf die ab 16. MĂ€rz geltende Impfpflicht fĂŒr BeschĂ€ftigte in diesen Bereichen sollen diese zuerst die Möglichkeit bekommen, den Impfstoff Nuvaxovid zu bekommen, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. FĂŒr andere Interessierte werde das Vakzin erst im Laufe des MĂ€rz verfĂŒgbar sein.
Die erste Lieferung von 42 000 Impfdosen werde kommende Woche erwartet, so das Ministerium. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest. Bis Ende MÀrz sollen insgesamt 120 000 Dosen in Brandenburg ankommen. Nuvaxovid ist ein so genannter Totimpfstoff. Er enthÀlt keine Erbinformation wie mRNA oder DNA.
Sobald der Impfstoff zur VerfĂŒgung stehe, könnten sich die betroffenen Mitarbeiter damit impfen lassen, erklĂ€rte das Ministerium. Dazu sei eine Bescheinigung des Arbeitgebers erforderlich. Der entsprechende Vordruck steht auf dem Brandenburger Impfportal zum Download bereit. (dpa)
Deutlich weniger Positiv-Tests
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 235.626 Positiv-Tests binnen 24 Stunden. Das sind 12.236 FÀlle weniger als am Donnerstag vor einer Woche, als 247.862 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 1385,1 von 1401,0 am Vortag. 261 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten TodesfÀlle auf 120.728. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 13 Millionen Corona-Tests positiv aus. (rtr)
Omikron-Impfauffrischung im August
Der US-Impfstoffhersteller Moderna geht von einem Omikron-spezifischen Booster im August aus. âWir glauben, dass eine Auffrischungsimpfung erforderlich sein wird. Ich weiĂ noch nicht, ob es sich dabei um den bestehenden Impfstoff oder nur Omikron oder um einen bivalenten handeln wird: Omikron plus bestehender Impfstoff, zwei mRNA in einer Dosisâ, sagt Moderna-Chef Stephane Bancel. Das Unternehmen sammele derzeit noch klinische Daten, um festzustellen, ob der an Omikron angepasste Impfstoff einen besseren Schutz bietet als eine zusĂ€tzliche Dosis des bestehenden Vakzins. (rtr)
Lauterbach: âFreedom Dayâ nicht angemessen
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) lehnt den Ausdruck âFreedom Dayâ fĂŒr die von der [1][Bund-LĂ€nder-Runde beschlossenen weitreichenden Coronalockerungen] bis zum 20. MĂ€rz ab. âIch benutze diesen Begriff ĂŒberhaupt nicht und finde auch nicht, dass er angemessen istâ, sagte der Minister am Mittwochabend in der ARD-Sendung âmaischberger. die wocheâ.
Auch nach dem 20. MĂ€rz gebe es noch immer Personen, die das Coronavirus gefĂ€hrde â etwa Ă€ltere Menschen, bei denen die Impfungen nicht so gut wirke. âFĂŒr diese Menschen wird es nie eine wirklich volle Freiheit gebenâ, betonte Lauterbach. âIch finde es daher nicht richtig, so zu tun, als wenn es fĂŒr jeden komplett NormalitĂ€t gĂ€be.â
Der Gesundheitsminister mahnte, dass Covid-19 als zusĂ€tzliche Krankheit bleiben werde und die Welt auch nach Mitte MĂ€rz nicht so sein werde, wie vor der Pandemie. âIch glaube, dass wir uns zehn Jahre lang mit Covid beschĂ€ftigen werden, aber in abnehmender IntensitĂ€t.â
Bund und LĂ€nder hatten am Mittwoch einen Plan fĂŒr schrittweise Ăffnungen bis hin zu einem möglichen Ende aller einschneidenden Corona-Auflagen am 20. MĂ€rz vereinbart. Danach soll aber ein âBasisschutzâ mit bestimmten MaĂnahmen möglich bleiben. (dpa)
GrĂŒnen-Experte fĂŒr âflexiblen MaĂnahmenkatalogâ fĂŒr den FrĂŒhling
Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen dringt auf weiter nötige Schutzvorkehrungen beim [2][geplanten schrittweisen Wegfall von CoronabeschrĂ€nkungen]. âDie aktuelle Lage erlaubt Lockerungen, aber keinen Leichtsinn. Eine Trendumkehr ist jederzeit möglichâ, sagte der Bundestagsabgeordnete der Deutschen Presse-Agentur. âDem Virus ist unser Kalender egal.â Die LĂ€nder brĂ€uchten fĂŒr den FrĂŒhling einen flexiblen MaĂnahmenkatalog fĂŒr eine mögliche Verschlechterung der Lage. DafĂŒr mĂŒssten im Bundestag die rechtlichen Grundlagen bis zum 20. MĂ€rz geschaffen werden.
Dahmen erlĂ€uterte, fĂŒr regionale Corona-AusbrĂŒche brauche es ein breites Instrumentarium. âDie Maskenpflicht allein reicht dafĂŒr nicht aus.â Dann mĂŒssten auch ZugangsbeschrĂ€nkungen schnell reaktiviert werden können. Insgesamt sei es richtig, mit einem Stufenplan fĂŒr Planbarkeit und Perspektive zu sorgen. Parameter wie die Hospitalisierungsrate oder die Anzahl der betreibbaren Betten blieben fĂŒr die Umsetzung der geplanten Ăffnungsschritte entscheidend.
âMit Vorsicht und Umsicht kann ein FrĂŒhling mit mehr Freiheit gelingenâ, sagte der GrĂŒnen-Politiker. FĂŒr eine dauerhafte RĂŒckkehr zur Freiheit werde aber eine allgemeine Impfpflicht gebraucht. âOhne Impfpflicht könnten wir im kommenden Winter ein unerfreuliches DĂ©jĂ -vu erleben. Das sollten wir alle gemeinsam verhindern.â
Bund und LĂ€nder hatten am Mittwoch einen Plan fĂŒr schrittweise Ăffnungen bis hin zu einem möglichen Ende aller einschneidenden Auflagen am 20. MĂ€rz vereinbart. Danach soll aber ein âBasisschutzâ mit bestimmten MaĂnahmen möglich bleiben. DafĂŒr wird eine bundesweite Rechtsgrundlage angestrebt, wenn die bestehende am 19. MĂ€rz auslĂ€uft. (dpa)
17 Feb 2022
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