taz.de -- Grenze zwischen Marokko und Spanien: Erneuter Sprung nach Europa
Wieder versuchen fast 1.000 Menschen nach Europa zu gelangen. Grenzschützer halten sie auf, es kommt wie auch in der vergangenen Woche zu Gewalt.
Madrid/Berlin AP/taz | Erneut haben etwa 1.000 Menschen versucht, über die spanische Exklave Melilla nach Europa zu kommen. Sie seien aber daran gescheitert, über den Zaun, der Marokko von Spanien trennt, zu klettern, teilten die spanischen Behörden mit. [1][Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press gelang es rund 400 Personen, den Grenzzaun zu erreichen.]
Laut Europa Press bezeichnete die Delegation der spanischen Regierung den Überquerungsversuch als „koordiniert und perfekt organisiert“, die marokkanischen Sicherheitskräfte seien „heftig drangsaliert“ worden. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit den Grenzbeamten, Menschenrechtsorganisationen prangern außerdem sogenannte Pushbacks an. Dabei werden die, die es auf europäischen Boden geschafft haben, einfach wieder zurückgedrängt.
Menschen, die vor Armut oder Gewalt fliehen, sehen Melilla und die zweite spanische Exklave Ceuta als eine Chance, vom afrikanischen Kontinent aus die EU zu erreichen. Sie versuchen manchmal, in Gruppen in die Exklaven zu kommen, um es dann aufs europäische Festland zu schaffen.
Bereits [2][in der vergangenen Woche hatten Tausende Menschen versucht, über die sechs Meter hohen Grenzzäune auf spanisches Territorium zu gelangen]. Fast 900 schafften es. Damals sollen insgesamt etwa 45 Menschen verletzt worden sein, darunter auch Polizeibeamte.
8 Mar 2022
LINKS
[2] /Grenze-zwischen-Marokko-und-Spanien/!5839183
TAGS
Lesestück Recherche und Reportage
ARTIKEL ZUM THEMA
Flüchtlinge an der Grenze von Melilla getötet: „Heiße Abschiebungen“ am Grenzzaun
Spanien hat die Grenzen seiner nordafrikanischen Exklaven und damit die EU-Außengrenze in den letzten 20 Jahren immer stärker abgeschottet.
Abschottung der EU-Außengrenze: Tod an Melillas Grenzzaun
Bei Spaniens nordafrikanischer Exklave Melilla sterben beim Sturm auf die Grenzanlagen mindestens 18 Migranten und zwei marokkanische Gendarmen.
Soziologe über Mobilität und Grenzen: „Globale Ungleichheit“
Die Globalisierung hat Grenzen aufgehoben und die Mobilität erhöht. Jedoch nur für einen „globalen Adel“, sagt Steffen Mau von der HU Berlin.
Geflüchtete im spanischen Ceuta: Gestrandet kurz vor Europa
Sabah bereitet Suppe zu und stellt Hosen bereit. Ihr Haus steht Geflüchteten offen. Vor Monaten kamen Tausende von ihnen in die spanische Exklave Ceuta.
Fragwürdige Abschiebepraxis: Berliner Schandtaten
Berlin lässt abgelehnte Asylbewerber von Delegationen aus vermuteten Herkunftsländern „begutachten“. Auch Abdul A. droht deshalb die Abschiebung.