taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Russland greift weiter im Donbass an
Putin verbrachte den Freitag im Kriegshauptquartier und lĂ€sst verlauten, dass die neuen Sanktionen nur der EU selbst schadeten. In Kyjiw flieĂt das Wasser wieder.
Moskau meldet SchlÀge gegen ukrainische Truppen
Die russischen Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau ihre Angriffe im Gebiet Donezk in der Ostukraine fortgesetzt. Es seien dabei Gegenattacken der ukrainischen Armee abgewehrt und im Ergebnis vorteilhafte Positionen eingenommen worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow am Samstag in Moskau. Dagegen teilte [1][das ukrainische MilitĂ€r] mit, dass DurchbrĂŒche der Russen an der Verteidigungslinie verhindert worden seien.
Der Kreml informierte unterdessen darĂŒber, dass PrĂ€sident Wladimir Putin am Freitag den ganzen Tag im FĂŒhrungsstab der von ihm sogenannten militĂ€rischen Spezialoperation verbracht habe. Putin lieĂ sich dort ĂŒber die nĂ€chsten Kriegsziele informieren. Details wurden nicht genannt. Am Freitag hatten die Russen die Ukraine einmal mehr mit massiven Raketenangriffen ĂŒberzogen. Erstmals nach lĂ€ngerer Zeit zu sehen war nun wieder Generalstabschef Waleri Gerassimow, nachdem es GerĂŒchte um seinen RĂŒcktritt gegeben hatte.
Im Gebiet Donezk seien auch Sabotage- und AufklĂ€rungsgruppen der ukrainischen StreitkrĂ€fte sowie ein Lager mit auslĂ€ndischen Söldnern vernichtet worden, sagte Konaschenkow. Er bestĂ€tigte zudem die neuen massiven Raketenangriffe vom Freitag. âDas Ziel des Schlags wurde erreicht. Alle anvisierten Objekte wurden zerstört.â Gestoppt worden sei der Transport von Waffen und Munition sowie die Produktion in RĂŒstungsbetrieben der Ukraine. Es seien auĂerdem Systeme der Flugabwehr der Ukraine entschĂ€rft worden.
Die russischen Raketen seien von Bombern aus der Luft und vom Meer aus abgefeuert worden, sagte Konaschenkow. Bei der Flugabwehr sei durch die âunprofessionellen Handlungenâ der ukrainischen Luftverteidigung auch zivile Infrastruktur auf dem Boden beschĂ€digt worden. Die Angaben waren von unabhĂ€ngiger Seite nicht ĂŒberprĂŒfbar.
Die Ukraine hatte am Freitag von mehr als 70 Raketenangriffen gesprochen, von denen die meisten durch die Flugabwehr abgefangen worden seien. Durch die Treffer und SchÀden fiel erneut in vielen Regionen die Strom- und Wasserversorgung aus. (dpa)
Russische Drohnen starten nicht mehr von der Krim
Moskau soll in seinem Angriffskrieg in der Ukraine nach EinschĂ€tzung britischer Geheimdienste iranische Drohnen mittlerweile von einem anderen Standort aus einsetzen als bisher. Bei den Angriffen auf kritische Infrastruktur in den vergangenen Tagen seien neben luft- und seegestĂŒtzten Marschflugkörpern höchstwahrscheinlich auch vom Iran bereitgestellte Drohnen eingesetzt worden, die aus der sĂŒdrussischen Region Krasnodar gestartet worden seien, hieĂ es am Samstag im tĂ€glichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter.
Zuvor seien solche Drohnen hauptsĂ€chlich von der Schwarzmeer-Halbinsel Krim aus gestartet worden, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte. Die Briten werten die Verlagerung als Zeichen dafĂŒr, dass Moskau besorgt ĂŒber die Verwundbarkeit der Krim sein könnte. AuĂerdem sei es fĂŒr die Russen am neuen Standort einfacher, Nachschub zu organisieren, da die Waffen mutmaĂlich im russischen Gebiet Astrachan ankĂ€men, das nĂ€her liegt.
Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen tĂ€glich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch VerbĂŒndete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor. (dpa)
Moskau: Neue Sanktionen schaden nur der EU selbst
[2][Die neuen EU-Sanktionen] werden nach russischer Darstellung nur die Probleme in der EuropĂ€ischen Union verschĂ€rfen. âDas gegenwĂ€rtige Paket wird dieselben Folgen haben wie alle vorherigenâ, erklĂ€rt eine Sprecherin des AuĂenministeriums in Moskau. âDie VerschĂ€rfung der sozial-ökonomischen Probleme in der EuropĂ€ischen Union selbst.â Sie rief die Behörden in BrĂŒssel auf, alle MaĂnahmen zurĂŒckzunehmen, die direkt oder indirekt sich auf die russischen Getreide- und DĂŒngemittel-Exporte auswirken. Die EU beschloss zuletzt ein neuntes Sanktionspaket. (rtr)
Schutzschirm ĂŒber Lagerstelle fĂŒr AtommĂŒll
Die von Russland eingesetzte Verwaltung am besetzten ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja gibt den Aufbau eines Schutzschirms ĂŒber einer Lagerstelle fĂŒr AtommĂŒll bekannt. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Arbeiter in einer Höhe von etwa fĂŒnf Metern eine Art durchsichtige Plane ĂŒber Dutzende Betonzylinder anbringen. âZunĂ€chst schĂŒtzt es vor Splittern und improvisierten SprengsĂ€tzen, die von Drohnen abgeworfen werdenâ, erklĂ€rt ein russischer Vertreter. SpĂ€ter werde der Schirm substanzieller werden. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig den Beschuss des Atomkraftwerkes vor. (rtr)
Ein Toter durch russischen Beschuss von Cherson
Bei russischem Beschuss der sĂŒdukrainischen Stadt Cherson ist Behördenangaben zufolge ein Mann getötet worden. Der 36-JĂ€hrige sei in seinem Auto ums Leben gekommen, als russische Truppen den westlichen Teil der Stadt mit Artillerie und Raketen angegriffen hĂ€tten, teilt Regionalgouverneur Jaroslaw Janukowitsch auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem sei eine 70-jĂ€hrige Frau verletzt worden. Die ukrainischen StreitkrĂ€fte hatten die Stadt am 11. November zurĂŒckerobert. Doch ukrainischen Angaben zufolge wird sie weiterhin von den russischen Truppen von Stellungen auf der anderen Seite des Flusses Dnipro aus beschossen. Der Gouverneur einer anderen ukrainischen Region teilte mit, dass RettungskrĂ€fte die Leiche eines einjĂ€hrigen Jungen aus den TrĂŒmmern eines Wohnhauses geborgen hĂ€tten, das bei der russischen Angriffswelle am Freitag von einer Rakete getroffen worden sei. (rtr)
Drei Tote durch ukrainischen Beschuss auf besetztes Dorf
In einem von Russland besetzten Dorf in der Ostukraine sind nach russischen Angaben drei Menschen durch ukrainischen Beschuss getötet worden. In Schtschastia in der Region Luhansk seien Raketen des US-Typs Himars eingeschlagen, teilen die von Russland eingesetzten Behörden mit. FĂŒnf weitere Menschen seien verletzt, vier HĂ€user zerstört worden. (rtr)
Landesweiter Luftalarm
In der Ukraine ist am Samstag wieder landesweit Luftalarm ausgelöst worden, auch in der Hauptstadt Kyjiw. Im ganzen Land schrillen die Sirenen, wie Behördenvertreter mitteilen. Die MilitĂ€rverwaltung in Kyjiw rief die Bevölkerung ĂŒber den Kurznachrichtendienst Telegram auf, SchutzrĂ€ume aufzusuchen. Erst am Freitag hatte das russische MilitĂ€r erneut massiv die zivile Infrastruktur in der Ukraine angegriffen und damit groĂflĂ€chig die Strom- und Wasserversorgung lahmgelegt. Dabei feuerte Russland mehr als 70 Raketen ab. Es war eine der schwersten Angriffswellen seit Beginn der Invasion am 24. Februar. (rtr)
Ein Drittel der Kyjiwer*innen haben wieder Strom
Einen Tag nach den jĂŒngsten russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Infrastruktur sind in der Hauptstadt Kyjiw den Behörden zufolge alle Einwohner wieder an die Wasserversorgung angeschlossen. Auch die U-Bahn sei wieder in Betrieb, teilt BĂŒrgermeister Vitali Klitschko ĂŒber den Kurznachrichtendienst Telegram. Zudem funktioniere in der HĂ€lfte der Stadt wieder die Heizung und [3][zwei Drittel der Stadt wĂŒrden wieder mit Strom versorgt]. An den PlĂ€nen fĂŒr Notabschaltungen von Stromanlagen mĂŒsse aber festhalten werden. âDenn der Mangel an Strom ist erheblich.â Seit Oktober hat das russische MilitĂ€r nahezu wöchentlich die zivile Energieinfrastruktur der Ukraine aus der Luft angegriffen. FĂŒr die Menschen bedeutet das Mitten im Winter bei eisigen Temperaturen Strom-, Heizungs- und WasserausfĂ€lle. Die Regierung in Kyjiw spricht von Kriegsverbrechen, Russland hat erklĂ€rt, Ziel sei es, das ukrainische MilitĂ€r zu schwĂ€chen. (rtr)
Moldau sperrt sechs TV-Sender
Eine Sonderkommission in der Republik Moldau, einem Nachbarland der Ukraine, sperrt vorĂŒbergehend sechs Fernsehanstalten wegen angeblich fehlerhafter Berichterstattung ĂŒber Ereignisse im Land und den Krieg in der Ukraine. âMoldau muss vor Propaganda und LĂŒgen geschĂŒtzt werdenâ, schreibt der stellvertretende MinisterprĂ€sident Andrei Spinu auf Telegram. Das Verbot soll am 19. Dezember in Kraft treten und zunĂ€chst bis Februar gelten, wenn der nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verhĂ€ngte Ausnahmezustand endet. Die sechs Sender sind eng mit dem Politiker und GeschĂ€ftsmann Ilan Shor verknĂŒpft, der aus seinem Exil in Israel immer wieder gegen die prowestliche Regierung von PrĂ€sidentin Maia Sandu Stimmung macht. Einer der betroffenen Sender, TV-6, der Shor gehört, weist die VorwĂŒrfe als unbegrĂŒndet zurĂŒck und nennt die Entscheidung der Kommission illegal und einen Angriff auf die Redefreiheit. (rtr)
Klagewelle von Oligarchen gegen EU-Sanktionen
Der EU-Gerichtshof verzeichnet einem Medienbericht zufolge eine Klagewelle [4][russischer und belarussischer Oligarchen] und Unternehmen gegen die von der EU verhĂ€ngten Sanktionen. Wie Bild berichtet, sind derzeit 61 Klagen von sanktionierten Personen und Unternehmen in Luxemburg anhĂ€ngig. Die KlĂ€ger wehrten sich gegen den Vorwurf, Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und seinen Krieg gegen die Ukraine politisch oder finanziell zu unterstĂŒtzen. AuĂerdem werfen sie dem Bericht zufolge der EU vor, mit dem Einfrieren von Vermögen und Einreisesperren unverhĂ€ltnismĂ€Ăig in ihre Grundrechte und ihr Eigentum eingegriffen zu haben. Zwei der klagenden Oligarchen verlangten zudem Schadenersatz fĂŒr den durch die SanktionsbeschlĂŒsse erlittenen immateriellen Schaden. (rtr)
17 Dec 2022
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[4] /Russische-Oligarchen-in-Europa/!5871517
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Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
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