taz.de -- Spannungen mit dem Kosovo: Serbien kündigt Barrikadenabbau an
Seit knapp drei Wochen blockieren militante Serben in Kosovos Norden Straßen. Laut Serbiens Präsident Vučić soll damit nun Schluss sein.
Bild: Die Straßenblockaden haben zu neuen Spannungen zwischen Serbien und Kosovo geführt
Raska dpa | Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat den Abbau der von ethnischen Serben im Norden des Kosovos errichteten Barrikaden angekündigt. Dies werde in den nächsten 24 bis 48 Stunden abgeschlossen sein, erklärte er nach Angaben des staatlichen serbischen Fernsehens RTS in der Nacht zum Donnerstag. Zuvor war er in der südserbischen Stadt Raska mit Vertretern der Kosovo-Serben zusammengetroffen.
Militante Serben hatten in den letzten drei Wochen an einem Dutzend Stellen im Norden des Kosovos Barrikaden errichtet, die unter anderem die Zufahrtswege zu [1][zwei Grenzübergängen nach Serbien versperren]. Sie protestierten damit gegen die Verhaftung eines ehemaligen serbischen Beamten der [2][Kosovo-Polizei, der nach Angaben der kosovarischen Behörden Angriffe] auf die Wahlbehörde angeleitet haben soll. Ein Gericht in Pristina hatte den Ex-Beamten am Mittwoch in den Hausarrest entlassen.
Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört und ist seit 2008 unabhängig. Serbien findet sich bis heute damit nicht ab und beansprucht das Territorium des Landes für sich. Das Gebiet nördlich der geteilten Stadt Mitrovica ist fast ausschließlich von Serben bewohnt. Belgrad stützt sich immer wieder auf die dortige Bevölkerung, um Spannungen und Unruhen zu schüren.
29 Dec 2022
LINKS
[1] /Konflikt-zwischen-Serbien-und-Kosovo/!5905646
[2] /Konflikt-in-Kosovo/!5899141
TAGS
serbische Minderheit im Kosovo
ARTIKEL ZUM THEMA
Haltung der EU im Kosovo-Konflikt: Vertrauen verspielt
Anstatt Serbien unter Druck zu setzen, fordert die EU vom Kosovo mehr Kompromissbereitschaft. In Prishtina führt das zu Recht zu Frustration.
Eskalation im Kosovo: Serbisches Drama in vielen Akten
Der konzertierte Alarmismus der serbischen Regierung hilft die Reihen um Staatschef Vučić zu schließen – und stärkt dabei seine Verhandlungsposition.
Eskalation in Kosovo: Nur keine „bosnischen Verhältnisse“
Militante Serben versuchen immer mehr Einfluss in Kosovo zu erzwingen – unterstützt von Serbiens Präsidenten Vućić. Nun droht die Lage zu eskalieren.