taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: EU liefert Artillerie-Munition

Die EU-Staaten wollen der Ukraine in den kommenden zwölf Monaten eine Million neue Artilleriegeschosse liefern. Russland will die Anklage des IStGH untersuchen.

Bild: Die EU liefert der Ukraine dringend benötigte 155mm Artillerie Munition

EU stellt Artillerie-Munition bereit

Die EU-Staaten wollen der Ukraine in den kommenden zwölf Monaten eine Million neue Artilleriegeschosse fĂŒr den Kampf gegen Russland liefern. Um die Kosten gerecht zu verteilen, werden den Planungen zufolge rund zwei Milliarden Euro an EU-Mitteln mobilisiert, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur am Montag am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in BrĂŒssel bestĂ€tigten.

Das Geld soll aus der sogenannten FriedensfazilitĂ€t kommen. Bei ihr handelt es sich um ein Finanzierungsinstrument, ĂŒber das die EU bereits heute Waffen und AusrĂŒstung liefert sowie die Ausbildung der ukrainischen StreitkrĂ€fte fördert.

Hintergrund der neuen PlĂ€ne sind Sorgen, dass der Ukraine in der nĂ€chsten Zeit wichtige Munition fehlen könnte. Dabei geht es insbesondere um Artilleriegeschosse im Kaliber 155 mm. Die EU-Kommission und der Außenbeauftragte Josep Borrell hatten deshalb kĂŒrzlich einen Plan vorgelegt, wie mögliche Lieferungen beschleunigt werden könnten.

Von den zwei Milliarden Euro soll eine Milliarde fĂŒr RĂŒckerstattungen an jene Mitgliedstaaten genutzt werden, die zĂŒgig aus ihren eigenen BestĂ€nden an das von Russland angegriffene Land liefern. Die zweite Milliarde soll gemeinsame Beschaffungsprojekte voranbringen. Die Idee ist, dass durch Sammelbestellungen Preise gedrĂŒckt und Bestellungen beschleunigt werden.

Anders als zunĂ€chst vorgesehen sollen nicht bis zu 90 Prozent der Kosten fĂŒr die Munition aus EU-Mitteln ĂŒbernommen werden. Dagegen hatte es von mehrere LĂ€ndern Widerstand gegeben, weil die Quote bislang deutlich niedriger lag. (dpa)

Pistorius fordert schnelles Handeln bei Munitionslieferungen

Verteidigungsminister Boris Pistorius will bei der Versorgung der Ukraine mit Munition Tempo machen. „Wir mĂŒssen auch schnell handeln“, sagt Pistorius bei Beratungen der EU-Außen- und Verteidigungsminister in BrĂŒssel. „Ziel muss sein, das hat absolute PrioritĂ€t aus meiner Sicht, dass noch in diesem Jahr eine nennenswerte Zahl von entsprechender Munition in die Ukraine geliefert wird.“ Dazu mĂŒsse Europa seine Marktmacht bĂŒndeln. „Das ist Neuland,“ betont der Minister. Deutschland sei dabei, seine nationalen RahmenvertrĂ€ge mit der RĂŒstungsindustrie deshalb fĂŒr Partner zu öffnen. DĂ€nemark und die Niederlande hĂ€tten bereits ihr Interesse bekundet. (rtr)

69 Angriffe in Region Donezk zurĂŒckgeschlagen

Das ukrainische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben in der Region Donezk im Osten am Sonntag 69 russische Angriffe zurĂŒckgeschlagen. „Bachmut bleibt das Epizentrum der Feindseligkeit“, erklĂ€rt das MilitĂ€r in seinem tĂ€glichen Lagebericht am Montag. KĂ€mpfe gebe es aber auch in Lyman, Iwaniwske, Bohdaniwka und Hryhoriwka. Die StĂ€dte liegen alle in der Region Donezk. (rtr)

Russland leitet Untersuchung gegen IStGH-ChefanklÀger ein

Nach dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen Kreml-Chef Wladimir Putin hat Russland nach eigenen Angaben strafrechtliche Ermittlungen gegen IStGH-ChefanklĂ€ger Karim Khan eingeleitet. Khan und mehrere Richter hĂ€tten „illegale Entscheidungen zur Festnahme des PrĂ€sidenten der Russischen Föderation und der Kommissarin fĂŒr Kinderrechte getroffen“, teilte das russische Ermittlungskomitee am Montag mit. „Eine strafrechtliche Untersuchung wurde eingeleitet.“

Gegen IStGH-ChefanklĂ€ger Khan werde wegen der „Einleitung eines Strafverfahrens gegen eine bekanntermaßen unschuldige Person (
) und der Vorbereitung eines Angriffs auf einen Vertreter eines auslĂ€ndischen Staates“ ermittelt, hieß es in der ErklĂ€rung der russischen Strafverfolgungsbehörde weiter.

Der IStGH hatte am Freitag einen Haftbefehl gegen Putin wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland im Rahmen des Ukraine-Konflikts erlassen. Moskau bezeichnete den Haftbefehl als „bedeutungslos“. Ein weiterer Haftbefehl erging gegen die Kinderrechtsbeauftragte des russischen PrĂ€sidenten, Maria Alexejewna Lwowa-Belowa. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022 mehr als 16.000 Kinder aus der Ukraine nach Russland verschleppt. (afp)

PrÀsident Putin und PrÀsident Xi treffen sich

Der russische PrÀsident Wladimir Putin empfÀngt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping an diesem Montag zu einem dreitÀgigen Staatsbesuch in Moskau. Der Besuch findet vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine statt. Bei den bis Mittwoch angesetzten GesprÀchen geht es laut Kreml um die Entwicklung der Beziehungen zu einer allumfassenden Partnerschaft und strategischen Kooperation zwischen Russland und China.

FĂŒr Putin kommt der Gast aus Peking gelegen, weil er so zeigen kann, dass er international nicht isoliert ist. China hat den Krieg gegen die Ukraine nicht verurteilt und setzt sich fĂŒr Friedensverhandlungen ein. Es ist auch der erste Besuch, seit gegen Putin ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine ergangen ist.

Auf diesen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag ging der ukrainische PrĂ€sident Wolodimir Selenski in seiner Videoansprache am Sonntag ein. Er sprach von einem Wendepunkt: Von nun an sei klar, dass Russland sich fĂŒr seine Verbrechen werde verantworten mĂŒssen. Vor dem Besuch aus China unterstrich Putin die Bedeutung der bilateralen russisch-chinesischen Beziehungen. Sie seien noch nie so eng gewesen wie jetzt, schrieb Putin in einem Artikel fĂŒr die Zeitung Renmin Ribao (Volkszeitung).

Der Kremlchef dankte „fĂŒr die ausgewogene Haltung Chinas zu den Ereignissen in der Ukraine“. China gilt als enger VerbĂŒndeter Russlands. Zugleich hat Peking sich weitgehend an internationale Sanktionen gegen Moskau gehalten, um nicht selbst Ziel von Strafmaßnahmen zu werden. Eine von Peking jĂŒngst vorgestellte Friedensinitiative wurde im Westen mit EnttĂ€uschung aufgenommen.

Xi Jinping schrieb diese chinesischen Vorstellungen in einem Artikel fĂŒr die russische Regierungszeitung Rossisjkaja Gaseta fort. Bei einer Beilegung des Ukraine-Konflikts mĂŒssten die Ziele und GrundsĂ€tze der UN-Charta beachtet werden, erklĂ€rte er. Dazu gehört die territoriale Unversehrtheit aller Staaten. Putin begrĂŒĂŸte in seinem Artikel die Bereitschaft Pekings, eine konstruktive Rolle bei der Beilegung des Konflikts zu spielen. (dpa)

Justizminister beraten ĂŒber UnterstĂŒtzung des IStGH

Justizminister aus aller Welt beraten am Montag in London ĂŒber eine verstĂ€rkte UnterstĂŒtzung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH). Gemeinsam wolle man Kriegsverbrecher fĂŒr ihre GrĂ€ueltaten zur Rechenschaft ziehen, „die wĂ€hrend dieser ungerechten, unprovozierten und rechtswidrigen Invasion in der Ukraine begangen wurden“, sagt der stellvertretende britische Premierminister Dominic Raab.

Der IStGH hatte vergangene Woche einen Haftbefehl gegen den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin erlassen. Großbritannien hatte dem Gerichtshof in diesem Jahr rund 1,22 Millionen US-Dollar zugesagt. Es werde erwartet, dass andere LĂ€nder im Rahmen der Konferenz weitere Finanzhilfen zur VerfĂŒgung stellen, teilt das britische Justizministerium mit. Die Mittel werden fĂŒr die Ausbildung von Ermittlern zur Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen sowie fĂŒr die psychologische und praktische UnterstĂŒtzung der Opfer verwendet. (rtr)

Putin behauptet, zu einer diplomatischen Lösung bereit zu sein

Russlands PrĂ€sident Putin bekrĂ€ftigt, er sei bereit zu einer diplomatischen Lösung der Ukrainekrise. Russland weise aber Ultimaten zurĂŒck, heißt es in einer ErklĂ€rung Putins auf der Webseite des Kreml. Russland begrĂŒĂŸe zudem den Willen Chinas, bei der Lösung der Krise eine konstruktive Rolle zu spielen. DarĂŒber hinaus sei Russland besorgt ĂŒber „gefĂ€hrliche Aktionen“, die die weltweite Atomsicherheit untergraben könne. Russland und China wĂŒrden ihre Außenpolitik aufeinander abstimmen und gemeinsame Bedrohungen bekĂ€mpfen. (rtr)

Drei Zivilisten bei Bombardierung getötet

In einem Wohngebiet in der Region Saporischschja sind nach Angaben von Behördenvertretern drei Zivilisten bei einem Raketenangriff getötet worden. Zwei weitere seien verletzt worden. Die ukrainische MilitÀrverwaltung erklÀrt, russische Truppen hÀtten Grad-Raketen auf das Dorf Kamjanske abgefeuert. Behörden in der Region warnen vor Angriffen und haben die Einwohner zum Verlassen der Gebiete aufgefordert. (rtr)

20 Mar 2023

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