taz.de -- Gewalt in Burkina Faso: Einer der brutalsten Angriffe

Bei einer Attacke von Dschihadisten sind im Norden Burkina Fasos ĂŒber 50 Soldaten und MilizionĂ€re ums Leben gekommen.

Bild: Putin und der InterimsprÀsident von Burkina Faso Traoré beim Russland-Afrika-Gipfel im Juli

Kampala taz | Die Armee in Burkina Faso bestĂ€tigte am Dienstag den Angriff in der Provinz Yatenga. Bei den insgesamt 53 Toten handelt es sich um 17 Soldaten und 36 sogenannte „Freiwillige zur Verteidigung des Vaterlandes“, also HilfskrĂ€fte der Armee, die nicht offiziell Mitglieder sind.

Der „Angriff“, so die ErklĂ€rung der StreitkrĂ€fte, habe sich im Verwaltungsbezirk Koumbri in der Provinz Yatenga zugetragen, direkt an der Grenze zum Nachbarland Mali. Die Soldaten und deren HilfskrĂ€fte seien dort stationiert, um die RĂŒckkehr von Vertriebenen zu unterstĂŒtzen, die vor rund zwei Jahren aus der Gegend geflohen waren, als die Dschihadisten die Region eroberten.

Nach wie vor finden dort außerhalb der StĂ€dte MilitĂ€roperationen statt, bestĂ€tigt die Armee. „Im Zuge des Feindkontakts kam es zu heftigen Gefechten“, heißt es in der offiziellen ErklĂ€rung. Unmittelbar nach dem tödlichen Angriff auf die StreitkrĂ€fte habe die Luftwaffe auch zahlreiche der Angreifer „neutralisiert und ihre KampfausrĂŒstung zerstört“.

„Dieser Akt extremer Feigheit wird nicht ungestraft bleiben“, heißt es in der ErklĂ€rung der Armee. Es wĂŒrden nun alle Anstrengungen unternommen, um die „verbleibenden terroristischen Elemente auf der Flucht außer Gefecht zu setzen“.

Traoré will Terroristen aus dem Land vertreiben

Dies ist eine der grĂ¶ĂŸten Attacken auf Armeeangehörige seit dem letzten Staatsstreich vergangenen September, [1][in welchem Ibrahim TraorĂ© als ÜbergangsprĂ€sident eingesetzt wurde]. Der 34-jĂ€hrige Hauptmann ist derzeit der jĂŒngste Staatsvorsitzende der Welt. Er hatte bei seinem Amtsantritt dem Volk versichert, er werde die Terroristen aus dem Land vertreiben und wieder Sicherheit herstellen.

Als erfahrender Offizier war TraorĂ© lange selbst im Antiterrorkampf gegen die Islamisten im Norden des Landes aktiv. Zeitweilen diente er sogar in der UN-Friedensmission Minusma in Mali und kĂ€mpfte dort gegen Terrorgruppen. TraorĂ© war vergangenes Jahr einer der fĂŒhrenden Offiziere der Armee, die im September 2022 den damaligen Staatschef und Junta-FĂŒhrer Paul-Henri Sandaogo Damiba aus dem Amt vertrieben, nachdem sie ihm vorgeworfen hatten, nicht hart und gezielt genug gegen die islamistischen Rebellen vorzugehen.

Damibia hatte erst wenige Monate zuvor durch einen Putsch die Macht ĂŒbernommen. Doch unter ihm waren teilweise die Spezialeinheiten der Armee nicht bezahlt worden, was ihre Kampfmoral schwĂ€chte. Angeblich auch die berĂŒchtigte „Cobra“-Einheit, zu der TraorĂ© gehörte. Dies war offenbar der Grund dafĂŒr, dass TraorĂ© die Macht dann an sich riss.

Als kampferfahrener FrontkĂ€mpfer traf er als Staatsoberhaupt im Einsatz gegen Terrorismus grundlegende Entscheidungen. [2][Er warf die Soldaten der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich aus dem Land], die im Antiterrorkampf in Burkina Faso stationiert waren, und holte stattdessen laut verschiedenen Quellen angeblich [3][die russischen Söldner von Wagner ins Land]. TraorĂ© verneint dies jedoch. In einer ErklĂ€rung sagte er damals: „Unsere Wagner-Söldner sind die VDPs“, also die Freiwilligen Helfer der Armee.

VDP-Einheiten sind hÀufig das Ziel von Angriffen

Bei diesen VDPs handelt es sich um zivile Selbstverteidigungstruppen. Sie wurden im Jahr 2020 durch ein Gesetz aufgestellt, um die Armee im Norden des Landes zu unterstĂŒtzen, wo verschiedene Terrororganisationen wie der Islamische Staat (IS) und al-Qaida immer mehr Einfluss gewannen. Mittlerweile dienen ĂŒber 90.000 MĂ€nner in diesen VDPs, sie erhalten eine zweimonatige Grundausbildung. Doch immer wieder werden diese VDP-Einheiten und ihre MilitĂ€rbasen zum Angriffsziel der Terroristen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren zudem den Umgang der VDPs mit der lokalen Bevölkerung, beschuldigen sie, Menschenrechtsverbrechen zu begehen.

Der Angriff am Montag ist nun eine der brutalsten Attacken auf Burkina Fasos StreitkrĂ€fte. Dabei hatte TraorĂ© bei seinem Machtantritt im September angekĂŒndigt, er werde die Islamisten zurĂŒckdrĂ€ngen, die mittlerweile im Norden des Landes fast ein Drittel des Territoriums der Republik unter Kontrolle haben.

Vergangene Woche empfing Traoré eine hochrangige Delegation aus Moskau. Russlands stellvertretender Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow hat Traoré seine militÀrische Hilfe zugesichert.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die die Mitgliedschaft Burkina Fasos nach den Staatsstreichen im Jahr 2022 ausgesetzt hatte, verurteilte den Angriff und sprach den Angehörigen der Verstorbenen ihr Beileid sowie die SolidaritÀt mit dem Volk aus.

6 Sep 2023

[1] /Putsch-in-Burkina-Faso/!5885073

[2] /Burkina-Faso-verlangt-Abzug/!5907581

[3] /Russische-Propagandasender-in-Afrika/!5909500

AUTOREN

Simone Schlindwein

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