taz.de -- Bilanz des Deutschlandtickets: Nicht immer reibungslos
Rund 1.000 Nutzer:innen des 49-Euro-Tickets beklagen Probleme bei Kauf und KĂĽndigung. Das Abo mĂĽsse verbessert werden, sagen Verbraucherzentralen.
Bild: Manches muss sich noch zurechtruckeln beim Deutschlandticket
Berlin taz | Zahlreiche Nutzer:innen des Deutschlandtickets haben mit technischen Problemen zu kämpfen. Das hat eine Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ergeben. Laut vzbv meldeten Kund:innen etwa Schwierigkeiten bei der Online-Buchung des Abos: Teilweise sei der Bestellprozess mehrmals abgebrochen. Wer daraufhin die Buchung wiederholte, bekam mitunter mehrere Rechnungen für ein und dasselbe Deutschlandticket, so die Verbraucherzentrale.
„Mit wenigen Klicks buchen und auch wieder kündigen. Was so einfach klingt, erleben Nutzer:innen des Deutschlandtickets mitunter leider anders“, sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop. Denn auch die Kündigung lief für viele Verbraucher:innen nicht immer reibungslos. Manchmal habe der Kündigungsbutton nicht funktioniert, die Kündigung sei nicht bestätigt oder die Abbuchung des Preises nicht gestoppt worden. Kund:innen kritisierten außerdem, dass das Ticket nur im Abo oder digital erhältlich sei. Insgesamt wertete der vzbv [1][997 Meldungen aus, die als Antworten auf einen Verbraucheraufruf] eingingen.
„Die Zeit für Anlaufschwierigkeiten ist vorbei. Anbieter und Politik sind gefragt, das Deutschlandticket einfach nutzbar und zuverlässig zu machen“, sagte Pop. Wie kundenfreundlich das Ticket aktuell ist, hängt nicht zuletzt vom [2][jeweiligen Verkehrsverbund] ab. Der Hamburger Verkehrsverbund hvv etwa bietet das Abo auch als Chipkarte an, wie eine Sprecherin auf Anfrage der taz mitteilte. Zeitweise seien Beschwerden über lange Wartezeiten im Kundenservice eingegangen – daraufhin habe der hvv zusätzliche Zeitarbeitskräfte beschäftigt.
Noch steht auf der Kippe, ob es das 49-Euro-Ticket auch 2024 noch gibt. Am 6. November sollen die Ministerpräsident:innen der Länder und Bundeskanzler Olaf Scholz über die Zukunft des Tickets beraten. „Das Deutschlandticket begrüßen wir ausdrücklich“, ergänzte vzbv-Verkehrsreferent Gregor Kolbe auf Anfrage der taz. „Das [3][Gezerre um die zukünftige Finanzierung] muss beendet werden“, es verunsichere die Kund:innen. „Aber es ist Aufgabe der Verkehrsunternehmen, die Ausgestaltung des Tickets zu verbessern“, so Kolbe.
6 Nov 2023
LINKS
[2] /Revival-des-29-Euro-Tickets-in-Berlin/!5964026
[3] /Keine-Einigung-bei-Deutschlandticket/!5966196
AUTOREN
TAGS
ARTIKEL ZUM THEMA
Deutsche Bahn: Schamlose DrĂĽckermethoden
Bahncard und Deutschlandticket sind nicht sehr kundenfreundlich. Es wäre ein Leichtes für die Bahn, ihr angeschlagenes Image ein wenig aufzupolieren.
Keine Barzahlung mehr in Hamburgs Bussen: Das Ausschluss-Prinzip
In Hamburg ersetzt ab Januar eine Prepaid-Karte das Barzahlen in Bussen. Für Arme, Alte und Städtereisende ist das eine mitunter gravierende Hürde.
Bund-Länder-Einigung zu 49-Euro-Ticket: Deutschlandticket kann teurer werden
Bund und Länder einigen sich auf die Fortführung des 49-Euro-Tickets. Die Finanzierung steht aber nur für 2024. Und der Preis könnte steigen.
Umfrage zum Deutschlandticket: Ein Drittel lässt das Auto stehen
Die meisten Menschen, die das 49-Euro-Ticket nutzen, haben ihr Mobilitätsverhalten geändert: Sie sind öfter unterwegs, aber ohne Auto.
Oliver Krischer über das 49-Euro-Ticket: „Dann ist das Deutschlandticket tot“
Alle Länder wollen das 49-Euro-Ticket – trotzdem steht es auf der Kippe. Was Kanzler Scholz tun kann, erklärt der Chef der Verkehrsministerkonferenz.
Zukunft des Deutschland-Tickets: Das Aus wäre eine Blamage
Billiger Zugfahren, modernerer Ă–PNV: Das Deutschland-Ticket ist ein Innovationstreiber. Eine Erkenntnis, die noch nicht ĂĽberall durchgedrungen ist.