taz.de -- EU-Kommission über Recht auf Reparatur: Smartphones kostenlos reparieren

Verbraucher in der EU geben jährlich Milliarden für neue Geräte aus, dabei ließe sich vieles noch reparieren. EU-Parlamentarier wollen das ändern.

Bild: Ein iPhone wird runderneuert, damit es nicht weggeworfen werden muss

Brüssel dpa | Der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments hat sich für ein sogenanntes [1][Recht auf Reparatur] für Geräte wie Waschmaschinen oder Smartphones ausgesprochen. So sollen Hersteller etwa verpflichtet werden, bestimmte Produkte wie Waschmaschinen, Staubsauger, Smartphones oder Fahrräder auch dann zu reparieren, wenn sie nicht unter die gesetzliche Garantie fallen, wie das [2][EU-Parlament] am Mittwoch in Brüssel mitteilte.

Innerhalb der gesetzlichen Garantiezeit sollen die Hersteller zu einer kostenlosen Reparatur verpflichtet werden – „es sei denn, sie ist teurer als ein Austausch, sie ist faktisch unmöglich oder sie ist für den Verbraucher unbequem“, hieß es. Die Reparaturen sollen nach dem Willen der Abgeordneten in einem „angemessenem Zeitraum“ gemacht und dem Verbraucher ein Ersatzgerät geliehen werden. Könne etwas nicht repariert werden, könnten die Hersteller nach dem Willen der Parlamentarier stattdessen ein überholtes Gerät anbieten.

Bevor die neuen Regeln in Kraft treten können, muss noch im Plenum abgestimmt werden. Im Anschluss muss das Parlament mit den EU-Ländern verhandeln.

Für Verbraucher solle es attraktiver gemacht werden, reparieren zu lassen statt neu zu kaufen – etwa durch die Verlängerung der Garantie für reparierte Produkte. Nach dem Willen der Parlamentarier sollen die EU-Länder weiterhin die Reparatur durch finanzielle Anreize wie Gutscheine fördern.

Grundlage für die neuen Regeln ist ein Vorschlag der [3][Europäischen Kommission] vom März. Nach Angaben der Brüsseler Behörde verlieren Verbraucher nicht nur viel Geld, wenn sie sich für einen Austausch statt für eine Reparatur entscheiden. Darüber hinaus verursache die vorzeitige Entsorgung noch gebrauchsfähiger Produkte hohe Treibhausgasemissionen und einen hohen Ressourcenverbrauch.

26 Oct 2023

[1] /Recht-auf-Reparatur/!5895814

[2] /EU-Abgeordnete-stimmen-fuer-Oeko-Design/!5943648

[3] /Ausbauplaene-der-EU/!5965373

TAGS

Nachhaltigkeit

EU-Kommission

Verbraucherrechte

GNS

Reparatur

Nachhaltigkeit

Zukunft

taz-Adventskalender

Schwerpunkt Klimawandel

ARTIKEL ZUM THEMA

Expertin über EU-Einigung zu Vorgaben: „Reparieren soll Standard werden“

Die EU-Gremien haben sich auf ein Recht auf Reparatur geeinigt. Was das bringt, erklärt die Expertin Katrin Meyer.

Entscheidung des EU-Parlaments: Wenn die Spülmaschine nicht spült

Das EU-Parlament will, dass Verbraucher*innen kaputte Geräte bald kostenlos reparieren lassen können. Verbände glauben: Da ginge noch mehr.

Wachstumskritisches Denken: Degrowth für Dummies

Die Degrowth-Bewegung befasst sich damit, wie eine Welt ohne globales Wirtschaftswachstum aussehen kann. Wir erklären nochmal ganz von Anfang an.

Weihnachten für umme (11): Aus Alt mach Neu

taz-Adventskalender: Reparieren ist nicht nur umsonst, sondern macht auch Spaß. Inspiration liefert das Technikmuseum mit einer neuen Ausstellung.

Energiewende und Klimarettung: Krise in der Konsumkathedrale

Gesellschaften haben sich in ein Labyrinth unerfüllbarer Wohlstandsversprechen verrannt. Nun besteht die Chance, mit Energie realistisch umzugehen.