taz.de -- Gaza-Resolution im UN-Sicherheitsrat: Am Tiefpunkt

Trotz des US-Vetorechts hat der UN-Sicherheitsrat eine israelkritische Resolution verabschiedet. Noch nie war das VerhÀltnis so schlecht.

Bild: Das VerhÀltnis zwischen den USA und Israel war noch nie so gefordert: Joe Biden beim APEC-Gipfel

Zum ersten Mal seit dem mörderischen Hamas-Überfall auf israelische Zivilist*innen am 7. Oktober und der darauf folgenden Gegenoffensive der israelischen Armee im Gazastreifen hat sich der UN-Sicherheitsrat auf eine [1][Resolution] zum Thema einigen können.

Gefordert wird, die Zivilbevölkerung in Gaza nicht von lebenswichtiger Versorgung abzuschneiden, sowie mehrtĂ€gige humanitĂ€re Feuerpausen und die bedingungslose Freilassung aller verschleppten Geiseln. Letzteres fĂŒhrt gar zur einzigen ErwĂ€hnung der Hamas – eine Verurteilung des Massakers enthĂ€lt die Resolution nicht.

Anders als [2][Resolutionen der Generalversammlung] sind solche des Sicherheitsrats völkerrechtlich bindend. Das heißt allerdings nicht, dass sie auch befolgt werden. Von einer kriminellen Terrororganisation wie der Hamas kann man das ohnehin kaum erwarten, und Israel hat die Forderung nach mehrtĂ€gigen Feuerpausen sofort abgelehnt.

Auch in der Vergangenheit hat Israel die wenigen Resolutionen des Sicherheitsrats, die nicht per US-Veto gestoppt wurden, konsequent ignoriert. Passiert ist nie etwas, und Sanktionsmöglichkeiten hat der Sicherheitsrat nicht. Jedenfalls keine, die er auch ergreifen wĂŒrde.

Das Brisante an der Resolution ist insofern nicht, dass sie unmittelbare Wirkung entfalten wĂŒrde. Brisant ist vielmehr die Bereitschaft der USA, Israels engstem VerbĂŒndeten, die Resolution ĂŒberhaupt passieren zu lassen und nicht per Veto zu stoppen.

Damit verhĂ€lt sich die Biden-Regierung leidlich konsistent: Seit Beginn des [3][Gazakriegs] beknien US-Außenminister Antony Blinken und PrĂ€sident Joe Biden die Netanjahu-Regierung mit der Bitte um Umsicht und Wahrung der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit, stoßen damit allerdings auf taube Ohren. Washington versucht alles, Israel in voller SolidaritĂ€t einen Weg zu weisen, um hart gegen die Hamas vorzugehen, ohne dabei den politischen Kampf um LegitimitĂ€t zu verlieren.

Mit [4][Israels Rechtsregierung] jedoch, aus deren Reihen einige von der kompletten Vertreibung der PalĂ€stinenser*innen trĂ€umen, wird das nichts. Das VerhĂ€ltnis zwischen den USA und Israel war noch nie so gefordert – und noch nie so schlecht.

Zumindest öffentlich geht die US-Regierung nicht so weit, Israel mit der Einstellung der MilitĂ€r- und Finanzhilfe zu drohen. Dennoch: Offenbar besser als die israelische Regierung begreifen die USA, wie sehr Israel gerade in die von der Hamas so mörderisch aufgestellte Falle tappt, den Krieg der Bilder verliert und seine zukĂŒnftige Sicherheit aufs Spiel setzt. Da will Biden nicht mit verlieren. Oder wenigstens: So wenig wie möglich.

16 Nov 2023

[1] https://digitallibrary.un.org/record/4027698?ln=es

[2] /UN-Resolution-zum-Krieg-in-Nahost/!5964131

[3] /Fuenf-Szenarien-fuer-den-Gazastreifen/!5967926

[4] /Benjamin-Netanjahus-Kriegsrhetorik/!5964144

AUTOREN

Bernd Pickert

TAGS

Schwerpunkt Nahost-Konflikt

Israel

USA

Vereinte Nationen

UN-Sicherheitsrat

Joe Biden

Antony Blinken

Benjamin Netanjahu

GNS

Benjamin Netanjahu

Geschichtsrevisionismus

Benjamin Netanjahu

Israel

ARTIKEL ZUM THEMA

+++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Zwei Tanklaster pro Tag

Israel genehmigt fĂŒr humanitĂ€re Zwecke begrenzt die Einfuhr von Treibstoff aus Ägypten in den Gazastreifen. Die VorrĂ€te im Al-Schifa-Klinik neigen sich dem Ende.

Douglas Murray und Nahostkonflikt: Mit Nazis fĂŒr Israel

Die entschlossenste SolidaritĂ€t mit Israel kommt in den USA und Großbritannien ausgerechnet von rechts außen. Douglas Murray liefert die Stichworte.

+++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: UN-Resolution fĂŒr Waffenruhe

Der UN-Sicherheitsrat hat eine Resolution fĂŒr einen Waffenstillstand im Nahost-Krieg angenommen. Die USA, Russland und Großbritannien enthalten sich.

Israelisches MilitĂ€r in Gaza: RĂŒckzug vom Al-Schifa-Krankenhaus?

Israels Armee ist in der Nacht zu Mittwoch in die Klinik eingedrungen. Laut Berichten zieht es sich mittlerweile wieder zurĂŒck.