taz.de -- Protestaktion in Leipzig: Scholz-Rede auf Buchmesse gestört
Die Eröffnungsrede des Bundeskanzlers bei der Leipziger Buchmesse wurde von Aktivisten unterbrochen. Ihnen ging es wohl um die deutsche Unterstützung für Israel.
Bild: Von Aktivist*innen unterbrochen: Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei seiner Rede in Leipzig
Leipzig dpa | Die Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz zur Eröffnung der [1][Leipziger Buchmesse] am Mittwochabend ist mehrfach von Demonstranten unterbrochen worden. Während der Ansprache riefen mehrere im Gewandhaus verteilte Aktivisten laut, aber weitgehend unverständlich in die Rede des SPD-Politikers hinein, offenbar aus Protest gegen [2][Waffenlieferungen an Israel]. Er wurde vom Publikum ausgebuht. Weite Teile des Protestes wurden von anhaltendem Beifall des Publikums übertönt. „Uns alle führt hier in Leipzig die Macht des Wortes zusammen – nicht des Geschreis“, sagte Scholz begleitet von Applaus.
Nach einigen Minuten konnte er seine Eröffnungsrede fortsetzen. Dabei gab sich Scholz als begeisterter Leser. „Uns alle – und da schließe ich mich ein – verbindet die Liebe zum Lesen“, sagte er. „Ob als Kind abends vor dem Einschlafen, als junger Politiker im Zug zwischen Hamburg und Bonn, oder jetzt, wann immer es meine Zeit erlaubt – seit ich denken kann, begleiten mich Bücher durch mein Leben.“
Er sei genauso wenig auf ein bestimmtes Genre festgelegt wie die Messe: Wissenschaft oder Gesellschaft, Abenteuer oder Krimi, Sachbuch oder Roman. „Wenn man es zulässt, dann wartet hinter dem Buchdeckel die Überraschung, die uns im Netz oft abhandenkommt, weil uns Algorithmen dort vor allem das zeigen, was wir sowieso gut finden, oder gut finden sollen.“ Wer es zulasse, finde überall etwas Interessantes, Spannendes oder Berührendes.
Wer lese, lasse andere Perspektiven als die eigene zu, nehme persönlich Anteil an Entwicklungen, so Scholz. Mit jedem Kapitel, mit jeder neuen Seite könnten Gegensätze überwunden werden, die im Alltag unüberbrückbar erschienen. „Lesen ist deswegen der tägliche Beweis, dass wir uns trotz unserer Unterschiede verstehen können, dass unsere Gesellschaften, in Deutschland, in Europa mitnichten dazu verdammt sind, auseinanderzudriften.“
21 Mar 2024
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