taz.de -- Die Wochenvorschau für Berlin: Kreuzberg wird Copacabana
Caipis und Tacos, Raki und Reggae: In Berlin wird der Karneval der Kulturen gefeiert. Und das Kino International verabschiedet sich für eine Weile.
Bild: Multi-kulti Parade in der Regenbogenhauptstadt
Berlin taz | Zuerst die schlechte Nachricht: Obwohl wir uns im Monat Mai befinden, hält diese Arbeitswoche keine Feiertage bereit. Als wäre das für die Hauptstadt-Faulenzer nicht schlimm genug, beginnt die Woche auch noch mit der Unglückszahl 13. Und an diesem Montag bewahrheitet sich ihr Unheil: Das [1][Kino International], das legendäre Premierenkino der DDR, schließt für zwei Jahre für eine Generalsanierung. Das Kultkino funkelt am Montag, dem letzten Spieltag, jedoch noch einmal mit Highlights aus den vergangenen 60 Jahren, darunter Klassikern wie „Dirty Dancing“. Und mit dem Film „The Women“ findet die letzte Vorstellung der seit über 25 Jahren bestehenden [2][queeren Filmreihe „MonGay“] vor der Sanierung statt.
Auch der Dienstag steht in der Regenbogenhauptstadt im Zeichen der queeren Community. Landesweit wird des Sexualwissenschaftlers und Arztes Magnus Hirschfeld gedacht, eines Kämpfers für die Rechte der queeren und transsexuellen Community. Mit verschiedenen Aktionen soll der Gedenktag begangen werden, unter anderem mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkstelle des Aktivisten in der Otto-Suhr-Allee.
Am Donnerstagabend wird schon mal vorsichtig das Wochenende eingeläutet – in einem Kunstquartier, das einst als Schauplatz legendärer Feierlichkeiten diente: dem Tacheles. Ob man in dem mittlerweile gentrifizierten Luxusquartier noch so feiern kann wie einst in der subkulturellen Partystätte? Das wird sich am Donnerstag bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung „Andy Warhol. After the Party“ im [3][Fotografiska Museum] zeigen. In seinen Fotoarbeiten zeigt Warhol, wer wir sind, wenn die Party vorbei ist und wir aufhören, andere beeindrucken zu wollen. Das können Gäste im Anschluss direkt üben: Bis 4 Uhr morgens wird bei Tanzperformances, Livegesang und DJ-Sets gefeiert.
Nach der Party ist vor der Party: Ab Freitag verwandelt sich Berlin wieder in Rio und die Gneisenaustraße in die Copacabana. Auf dem [4][Karneval der Kulturen] können Feierfreudige Döner mit Ouzo verputzen, zu Cha-Cha-Cha und Reggaeton tanzen und die Vielfalt Berlins zelebrieren. Dafür, dass auch die Berliner Kids früh feiern lernen, sorgt der [5][Kinderkarneval der Kulturen], der am Samstag unter dem Motto „Friede, Freude, Giraffe!“ ab 12.30 Uhr vom Mariannenplatz in einem Kostümzug durch Kreuzberg zieht. Anschließend findet im Görli ein Kinderfest statt.
Am Pfingstsonntag können sich dann auch die Großen austoben: die einen bei der Aussendung des Heiligen Geistes im Gottesdienst, die anderen beim Caipi-Stand auf der Yorckstraße. 60 Umzugsgruppen ziehen von dort aus ab 14 Uhr über die Gneisenaustraße und Hasenheide.
Und jetzt kommen wir noch zu einer guten Nachricht: Berliner*innen müssen sich keine Sorgen um den Kater machen, denn nächsten Montag ist Pfingstmontag – endlich wieder Feiertag!
13 May 2024
LINKS
[1] /Kino-International-wird-ab-Mai-saniert/!5989666
[2] https://www.yorck.de/specials/mongay
[3] /Zukunft-des-Berliner-Tacheles/!5956889
[4] https://www.karneval.berlin/de/
[5] https://www.kma-ev.de/kinderkarneval
AUTOREN
TAGS
ARTIKEL ZUM THEMA
Die Wochenvorschau für Berlin: Die AfD ist scheiße
Vogelkot auf dem Kopf von Maximilian Krah? KI oder echt? Das disktutiert am Dienstag ein KI-Workshop der Medienanstalten. Auch sonst ist viel los.
Karneval der Kulturen: Millionen für kulturelle Vielfalt
Die traditionsreiche Großveranstaltung startet am Freitag und setzt auf Sicherheit und Diversität. Sie gestalten über 3.500 Leute und 59 Gruppen.
Zukunft des Berliner Tacheles: Ernüchterung nach dem Mythos
In der sanierten Berliner Stadtruine Tacheles eröffnet jetzt das Privatmuseum Fotografiska. Um Kunst scheint es nur zweitrangig zu gehen.
Karneval der Kulturen: Der Tanz, der uns verbindet
Als antirassistischer Protest ins Leben gerufen, wird der Karneval der Kulturen heute als Party wahrgenommen. Was motiviert teilnehmende Gruppen?
150. Geburtstag von Magnus Hirschfeld: Ein queerer Traum namens Berlin
Zu Zeiten des Sexualforschers Magnus Hirschfeld war Berlin als „Gay Capital“ bekannt. Auch heute gilt es wieder als LGBTI*-Hauptstadt. Zu Recht?