taz.de -- Mehr Flüge und teurere Tickets: Airlines machen Milliardengewinne
Fluggesellschaften fuhren 2023 27,4 Milliarden Dollar Profit ein. Nicht genug, sagt die Branche. Dabei wird sie zumindest in Deutschland subventioniert.
Dubai/Berlin dpa/afp/taz | Ein Aufschwung nach der Corona-Pandemie und höhere Ticketpreise haben Fluggesellschaften in aller Welt 2023 mehr Gewinn eingebracht als vor der Krise. Für das laufende Jahr sagt der Weltluftfahrtverband IATA der Branche einen weiteren Anstieg auf etwa 30,5 Milliarden US-Dollar (28,1 Milliarden Euro) voraus. Das wären fast fünf Milliarden mehr als im Dezember prognostiziert.
Im vergangenen Jahr erzielten die Airlines einen geschätzten Gewinn von 27,4 Milliarden Dollar, wie der Verband bei seiner Generalversammlung am Montag in Dubai mitteilte. Das ist eine Milliarde mehr als vor der Pandemie im Jahr 2019.
Rund die Hälfte der weltweiten Gewinne dürften auch 2024 die Fluggesellschaften in Nordamerika einfliegen. Die IATA sagt ihnen einen Überschuss von 14,8 Milliarden Dollar voraus und damit ebenso viel wie 2023. Die [1][Airlines in Europa] dürften ihren Gewinn von zuletzt 8,6 Milliarden auf 9 Milliarden Dollar steigern.
„Die Gewinnspanne bleibt hauchdünn“, sagte IATA-Generaldirektor Willie Walsh. „Diese Leistung liegt immer noch weit unter dem, was die Branche erreichen sollte.“ Hohe Steuern und „lästige“ Vorschriften schmälerten die Einnahmen, die letztlich auch für [2][Investitionen in den Klimaschutz] gebraucht würden.
BUND fordert mehr Einsatz fürs Klima
Der Luftverkehr verursacht weltweit rund drei Prozent aller klimaschädlichen Treibhausgasemissionen und rund fünf Prozent aller Klimaeffekte. „Keine andere Art der Fortbewegung verbrennt so viel Energie wie das Fliegen“, schreibt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) auf seiner Website. Dass die Flugbranche wächst, [3][liege zum Beispiel in Deutschland an hohen Subventionen]: Der Treibstoff Kerosin ist von der Energiesteuer, internationale Flüge sind von der Mehrwertsteuer befreit.
[4][Der BUND fordert], so viel Luftverkehr wie möglich auf klimafreundlichere Verkehrsmittel, zum Beispiel auf die Schiene, zu verlagern. Bei nicht verlagerbaren Flüge müssten durch optimierte Flugrouten und klimafreundliche Technologien Emissionen gespart werden – und dafür müsse „die Branche insgesamt stärker in die Pflicht genommen werden“.
3 Jun 2024
LINKS
[1] /Airline-Lobbyismus-beim-Emissionshandel/!5947604
[2] /Klimakiller-Luftfahrt/!5859605
[3] /Subventionen-fuer-fossile-Energien/!5970724
[4] https://www.bund.net/themen/mobilitaet/infrastruktur/luftverkehr/
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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
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