taz.de -- Besuch beim EU-Beitrittskandidaten: Scholz sichert Moldau Hilfen zu

Der Kanzler besucht als erster deutscher Regierungschef seit zwölf Jahren das Nachbarland der Ukraine, das russischer Destabilisierung ausgesetzt ist.

Bild: Scholz und Moldaus MinisterprÀsident Dorin Recean am Mittwoch beim Gang durch die moldauische Hauptstadt Chisinau

Chisinau afp | Trotz der massiven Turbulenzen in seiner Ampel-Koalition hat Scholz wenige Tage nach seinem Sommerurlaub seine erste Auslandsreise absolviert. Im kleinen Ukraine-Nachbarland Moldau, das sich massiven Destabilisierungsversuchen Russlands ausgesetzt sieht, versicherte Scholz am Mittwoch Deutschlands SolidaritĂ€t und kĂŒndigte weitere Hilfe fĂŒr den EU-Beitrittskandidaten ebenso wie eine anhaltende UnterstĂŒtzung der Ukraine an.

„Wir werden die Republik Moldau nach KrĂ€ften unterstĂŒtzen“, sagte Scholz nach einem Treffen mit der moldauischen PrĂ€sidentin Maia Sandu in der Hauptstadt Chisinau. Er verwies darauf, dass Russland und prorussische Akteure in der ehemaligen Sowjetrepublik versuchten, das Land zu destabilisieren.

Moldau zĂ€hle auf die weitere deutsche UnterstĂŒtzung in seinem Transformationsprozess, sagte PrĂ€sidentin Sandu. Sie bedankte sich fĂŒr bisherige Hilfen, etwa um die Energiepreiskrise abmildern oder ein duales Ausbildungssystem aufzubauen. Im Kampf gegen Desinformation helfe Deutschland, Moldaus Einrichtungen und Gesellschaft widerstandsfĂ€higer zu machen.

Es war der erste bilaterale Besuch eines deutschen Regierungschefs in Moldau seit zwölf Jahren. [1][Die EU hatte im Juni mit dem kleinen Land zwischen RumĂ€nien und der Ukraine offiziell Beitrittsverhandlungen begonnen] – auch wesentlich vorangetrieben durch Scholz.

Moksau verstÀrkt Destabilisierung seit dem Ukraine-Krieg

Vor dem Hintergrund der Abspaltung der prorussischen Region Transnistrien Anfang der 1990er Jahre sieht sich Moldau regelmĂ€ĂŸigen russischen Destabilisierungsversuchen ausgesetzt, die sich durch den Ukraine-Krieg noch verstĂ€rkt haben. Deutschland unterstĂŒtzt das Land auch bei Reformen im Verteidigungsbereich.

Moldau mit rund 2,5 Millionen Einwohnern steht am 20. Oktober vor PrĂ€sidentschaftswahlen. Amtsinhaberin Sandu hat gute Chancen, wiedergewĂ€hlt zu werden. Die Wahl ist verknĂŒpft mit einer Volksabstimmung ĂŒber die Frage, ob das Ziel des EU-Beitritts in die Verfassung geschrieben werden soll. Dies soll verhindern, dass kĂŒnftige Regierungen aus dem Prozess wieder einfach aussteigen können.

Noch keinen Durchbruch gab es bei dem von Berlin gewĂŒnschten Migrationsabkommen. Scholz zeigte sich aber „sicher, dass wir bald zu einer Vereinbarung kommen“. Es gebe „keine wesentlichen und strategischen und praktischen Fragen, die nicht auch gelöst werden können“, sagte er. Sandu betonte, die Arbeit an dem Abkommen laufe und werde beendet.

Die Bundesregierung kĂŒndigt seit Wochen an, dieses werde „in KĂŒrze“ geschlossen. Die Vereinbarung soll mehr legale Wege fĂŒr Studierende und FachkrĂ€fte aus Moldau nach Deutschland vorsehen, wenn im Gegenzug die irregulĂ€re Migration stĂ€rker eingedĂ€mmt wird.

Im Dezember hatte Deutschland Moldau angesichts kaum vorhandener Asylanerkennungsquoten bereits zum sicheren Herkunftsland erklĂ€rt. Damit können Asylverfahren beschleunigt und Abschiebungen erleichtert werden. Der Kanzler wurde nun auch durch den fĂŒr Migrationsabkommen zustĂ€ndigen Sonderbeauftragten Joachim Stamp begleitet, der in Chisinau zu der Frage separate GesprĂ€che fĂŒhrte.

22 Aug 2024

[1] /EU-Beitrittsgespraeche-mit-der-Ukraine/!6019871

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