taz.de -- Lindner veröffentlicht Steuerschätzung: Der Finanzminister sieht zu wenig Geld

Die Schätzung für die Einnahmen fällt etwas höher aus als ursprünglich angenommen. Trotzdem möchte Christian Lindner bei den Ausgaben bremsen.

Bild: Christian Lindner, FDP, bei der Pressekonferenz zur Steuerschätzung

Berlin afp | Der Bund wird im kommenden Jahr etwas mehr Steuern einnehmen als bisher erwartet. Wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Herbst-Steuerschätzung hervorgeht, liegen die Einnahmeerwartungen für 2025 um rund 700 Millionen Euro über der letzten Prognose vom Mai. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sagte aber, es gebe „keine Spielräume für Verteilungspolitik“ und „neue Ausgabenwünsche“ – „im Gegenteil: Wir müssen weiter konsolidieren.“

Lindner gab damit seine Linie für die [1][Verhandlungen über den Bundeshaushalt 2025 im Bundestag vor.] Die Regierung müsse Prioritäten setzen und sei nun in dem von ihm geforderten „Herbst der Entscheidungen“ angekommen, sagte Lindner, der sich per Video während seines USA-Besuchs äußerte. Er forderte erneut eine Stärkung des wirtschaftlichen Wachstums, um die Finanzlage zu verbessern.

[2][Lindner machte auch klar, dass die nun nicht benötigten 10 Milliarden Euro für den Bau einer Chipfabrik des US-Herstellers Intel in Magdeburg] für die Konsolidierung des Haushalts verwendet werden müssten. Hier gebe es „keine Alternative“.

Grund für die leicht höhere Schätzung für die Steuereinnahmen des Bundes sind laut Bundesfinanzministerium Änderungen in den Zahlungen an die EU. Hier fallen nun 7,4 Milliarden Euro weniger an als noch in der Mai-Steuerschätzung erwartet. Berücksichtigt ist in der Schätzung zudem bereits die Wachstumsinitiative der Bundesregierung.

Für Bund, Länder und Gemeinden gibt es für 2025 einen Rückgang der erwarteten Steuereinnahmen um 12,7 Milliarden Euro. Auch für die kommenden Jahre wurde die bisherige Schätzung der Steuereinnahmen in ähnlicher Größenordnung gesenkt.

24 Oct 2024

[1] /Kabinett-beschliesst-Entwurf/!6021097

[2] /Intel-stoppt-Chipfabrik/!6037454

TAGS

Haushalt

Steuern

Christian Lindner

Steuereinnahmen

Sparpolitik

Entwicklungspolitik

Tarifvertrag

ARTIKEL ZUM THEMA

Kürzungspläne in Berlin: Kein Geld für Kinder

Berlin fehlen in den kommenden zwei Jahren 900 Millionen Euro Steuereinnahmen. Kürzen will der Senat vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Jahresbericht Entwicklungspolitik: NGOs warnen vor Kürzungen

Entwicklungsorganisationen stellen ihre Analyse der deutschen Afrikapolitik vor. Sparkurs würde besonders „vergessene“ Krisenregionen treffen.

Milliardeneinbußen durch Tarifflucht: Die Ampel muss handeln

130 Milliarden Euro sparen Arbeitgeber, weil sie sich nicht an Tarifverträge halten. Das Geld fehlt nicht nur den Arbeitnehmern, sondern auch dem Staat.