taz.de -- Verfahren gegen Trump werden eingestellt: Skrupel- und Rückgratlosigkeit

Der von Noch-Präsident Joe Biden eingesetzte Sonderermittler Jack Smith hebt die Verfahren gegen den künftigen Präsidenten Trump auf. Das ist fatal.

Bild: Hat die Verfahren gegen Donald Trump aufgehoben: Sonderermittler Jack Smith

Donald Trump hat es geschafft. Er kommt wieder ungeschoren davon – wie in seinem gesamten Geschäftsleben, so nun auch in der Politik. Der ehemalige und zukünftige US-Präsident hat versucht, die Ergebnisse der Wahl 2020 in ihr Gegenteil zu verkehren, hat Bundesangestellte und seinen eigenen Vizepräsidenten zum Rechtsbruch aufgefordert, schließlich einen gewaltsamen Aufstand angezettelt, Geheimdokumente widerrechtlich in seinem Privatdomizil gelagert und Schweigegeldzahlungen vertuscht – und wird für nichts davon belangt. Angesichts seiner Wiederwahl zum Präsidenten hat Sonderermittler Jack Smith um Einstellung der [1][beiden noch laufenden Verfahren] auf Bundesebene ersucht, die zuständige Richterin kam dem nach.

Zu diesem Zeitpunkt kann diese Entscheidung kaum noch verwundern. Trump hat sich schon kurz nach seiner Wahlniederlage politisch gegen Strafverfolgung immunisiert. Schon 2022, außergewöhnlich früh, erklärte er seine erneute Kandidatur für 2024 – um ab diesem Moment jedes Strafverfahren, von dem er genau wusste, dass es auf ihn zukäme, zur Vendetta der Biden-Regierung gegen einen unliebsamen Konkurrenten erklären zu können.

In der willfährigen Republikanischen Partei und einer außer Rand und Band geratenen [2][konservativen Medienblase] fand er dafür eine riesige Resonanzkammer und die damit einhergehende [3][Delegitimation des Rechtsstaats.] Jetzt, als frisch gewählter Präsident, erklärt er mal, den Missbrauch der Justiz gegen politische Gegner stoppen zu wollen, mal will er seine Widersacher vor Gericht stellen.

Die Mischung aus Trumps Skrupel- und republikanischer Rückgratlosigkeit, [4][Elon Musks Dollarmilliarden] und der Perspektive weiterer vier Jahre Trumpscher Richternominierungen ist erschreckend. Trump selbst hat immer davon gesprochen, die „Hexenjagd“-Prozesse gegen ihn ließen die USA aussehen wie eine Bananenrepublik. Der rassistische Ausdruck bezeichnet im Kern institutionell schwache Staaten, in denen sich Korruption und das Recht des Stärkeren durchsetzen. Trump führt die USA genau da hin.

26 Nov 2024

[1] /Justiz-in-den-USA/!6053275

[2] /Perspektiven-nach-Trumps-Triumph/!6048127

[3] /Faschismus-in-den-USA/!6045324

[4] /Wie-er-die-US-Wahl-gewann/!6048033

AUTOREN

Bernd Pickert

TAGS

US-Wahl 2024

Schwerpunkt USA unter Trump

Joe Biden

Rechtsstaat

Verfahren

Social-Auswahl

Donald Trump

Schwerpunkt USA unter Trump

Schwerpunkt USA unter Trump

US-Wahl 2024

Knapp überm Boulevard

Zölle

ARTIKEL ZUM THEMA

Strafverfahren gegen Donald Trump: Smith geht, bevor Trump kommt

Jack Smith, der US-Sonderermittler im Trump-Prozess, tritt zurück. Umstritten ist die Veröffentlichung des Abschlussberichtes in der Dokumentenaffäre.

Trump wählt nächsten Loyalisten: „Deep State“-Verschwörungsanhänger soll FBI-Chef werden

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat den ultrarechten Hardliner Kash Patel als künftigen Chef der Bundespolizei FBI nominiert.

Trump verkündet neue Personalie: Ultrarechter Hardliner Patel als FBI-Chef nominiert

Der Anwalt Kash Patel soll sich zukünftig um die Bundespolizei FBI kümmern. Patel gilt als großer Unterstützter Trumps und FBI-Kritiker.

Justiz in den USA: Gericht stellt Strafverfahren gegen Trump ein

Ein Präsident kann nicht strafrechtlich verfolgt werden. Das Verfahren kann aber nach dem Ende von Trumps zweiter Amtszeit wieder aufgenommen werden.

Der alte neue Präsident der USA: Trump, der Drachentöter

Warum an „alternative Fakten“ glauben? Unsere Kolumnistin sieht darin einen Restbestand christlicher Theologie und Trump als wahnwitzigen „Priester“.

Donald Trumps Zollpläne: Zölle gegen „illegale Einwanderung“

Der designierte US-Präsident kündigt Zölle von 25 Prozent auf Importe aus Kanada und Mexiko an. Chinesische Waren sollen noch teurer werden.