taz.de -- Ausschuss tagte zu Sicherheitsvorfall: Geheimniskrämerei um ergatterten Lageplan der JVA Burg

Nachdem ein interner Lageplan der JVA Burg in die Hände von Inhaftierten geriet, muss sich Sachsen-Anhalts Justizministerin im Rechtsausschuss äußern.

Bild: Prüft intern weitere Konsequenzen: Franziska Weidinger (CDU), Ministerin für Justiz und Verbraucherschutz von Sachsen-Anhalt

Magdeburg taz | Keine fünf Minuten dauerte es am Mittwoch im Magdeburger Rechtsausschuss, bis Landesjustizministerin Franziska Weidinger (CDU) den öffentlichen Teil zum [1][Sicherheitsleck in der JVA Burg] beendete. Zwar sei ihr die Sorge in der Bevölkerung bezüglich der Sicherheit durchaus bewusst, so Weidinger. Allzu viel soll die Öffentlichkeit aber offenbar vorerst nicht erfahren. Denn es gehe auch um Sicherheitsvorkehrungen in der Justizvollzugsanstalt und um Persönlichkeitsrechte, so die Ministerin.

Nur kurz erzählt Weidinger noch, man prüfe intern weitere Konsequenzen. Zudem habe sie den Landrat des Landkreises Jerichower Land über den wesentlichen Sachverhalt informiert. Dabei sei ihr geschildert worden, dass es keine Bedenken oder Hinweise gebe, wonach die Sicherheit in der Region akut gefährdet wäre. Nun aber müsse der Ausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen, band Weidinger dann ab. Es folgte eine Abstimmung, ob die Sitzung vertraulich fortgeführt wird, der eine Mehrheit der Abgeordneten zustimmte.

Grund für all die Geheimniskrämerei ist eine [2][Recherche der taz]. Der war ein sensibler Übersichtsplan der Haftanstalt in Burg zugespielt worden, der offenbar unter den Gefangenen schon länger kursierte. Die taz konnte Lagepläne aller Räume und Etagen der unterschiedlichen Anstaltsgebäude einsehen. Auf DIN-A3-großen Papierbögen mit grünem Rand ist alles verzeichnet: Installationskanäle, Abstellkammern, Werkzeuglager, Brennstofflager, Schlüssel- und Saferaum, sogar die Orte, wo Waffen- und Munition zu finden sind.

Die Staatsanwaltschaft Stendal ermittelt nun gegen Unbekannt wegen des Vorwurfs der Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht. Es geht darum herauszufinden, wo diese Informationen abgeflossen sind und wer darauf Zugriff hatte und eventuell noch hat.

Weiterer Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen

Die Gefängnisleitung in Burg wurde vorläufig vom Dienst freigestellt. Zudem gibt es ein Verfahren gegen die ehemalige Anstaltsleiterin und auch eine Untersuchung innerhalb des Justizministeriums.

Der Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel (Grüne) betonte nach der Sitzung, dass das Parlament sich sehr engagiert zeige, das Sicherheitsleck aufzuklären. Ein umfangreicher Maßnahmenkatalog sei vorgestellt worden, um die Sicherheit in der JVA zu gewährleisten. Es handle sich um den vielleicht schwersten Sicherheitsvorfall in Gefängnissen in der Geschichte von Sachsen-Anhalt. Entsprechend sei der Vorfall im Rechtsausschuss bewertet worden.

Am Rande der Sitzung wurde aber noch ein weiterer möglicher Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen bekannt. Bei einer Sitzung des Finanzausschusses im Landtag sei über den geplanten Bau der JVA in Halle gesprochen worden. Dabei sei den Ausschussmitgliedern ein viel zu detaillierter Plan der neu zu errichtenden JVA ausgeteilt worden. Grünen-Abgeordneter Striegel fragte Justizministerin Weidinger, wer Zugang zu diesen sicherheitsrelevanten Unterlagen habe und welche Unterlagen in dem Ausschuss ausgeteilt wurden. Weidinger konnte dazu nichts sagen, sie höre davon das erste Mal, sagte sie. Eva von Angern (Linke) bestätigte den Vorfall und sagte, es gebe Fotos dieses Plans. Sie verlangte ebenfalls Aufklärung.

Am 8. Januar 2025 tagt der Rechtsausschuss erneut in Magdeburg zu dem Sicherheitsvorfall in der JVA Burg. Dann sollen neue Erkenntnisse präsentiert werden.

27 Nov 2024

[1] /Sicherheitsleck-in-der-JVA-Burg/!6050955

[2] /Sicherheitsleck-in-der-JVA-Burg/!6050955

AUTOREN

Sean-Elias Ansa

TAGS

Justiz

Sachsen-Anhalt

JVA

Innere Sicherheit

Social-Auswahl

JVA

JVA

JVA

Halle

Schwerpunkt Rechter Terror

ARTIKEL ZUM THEMA

Redakteur über Haft-Ratgeber: „Ein Großteil der Taten sind Armutsverbrechen“

Ein Redaktionskollektiv hat ein Knast-Handbuch publiziert, das in vielen Gefängnissen verboten ist. Warum, erklärt Mitautor Janko Egeling.

Sicherheits-Leak in der JVA Burg: Leck im Knast?

Ein Sicherheitsplan der JVA Burg kursierte unter Gefangenen, eine Datenschutzpanne bringt Bedienstete in Gefahr. Der Rechtsausschuss sucht Antworten.

Sicherheitsleck in der JVA Burg: Sensibler Lageplan kursierte unter Gefangenen

Nach Recherchen der taz ist ein detaillierter Plan der JVA Burg in die Hände von Gefangenen gelangt. Die Leiterin der Anstalt wurde vorläufig freigestellt.

Nach Geiselnahme im Gefängnis: Sieben Jahre für Halle-Attentäter

Wegen des Terroranschlags in Halle wurde Stephan Balliet zur Höchststrafe verurteilt. Nun folgt eine neue Strafe wegen Geiselnahme hinter Gittern.

Halle-Attentäter erneut vor Gericht: Geständnis und Fragen

Der Täter von Halle steht vor Gericht – trotz rechtsgültiger Höchststrafe. Dieses Mal geht es um einen versuchten Gefängnisausbruch mit Geiselnahme 2022.