taz.de -- Auftritt der First Lady: Eine Hutkrempe Abstand
Melania Trump kam zur Inauguration ihres Mannes im Gangsterlook. Am auffälligsten: ihre Kopfbedeckung. Trug sie damit die Demokratie zu Grabe?
Berlin taz | Oh my god, sie hatte einen Hut auf! Nicht nur Donald [1][Trump ist zurück im Weißen Haus], seine [2][Frau Melania] ist es auch. Wenn von der Amtseinführung am Montagabend im Washingtoner Kapitol irgendetwas bleibt abseits der schlechten Laune, die [3][Trumps Rede] – außenpolitisch aggressiv, umweltpolitisch katastrophal, innenpolitisch antiprogressiv – bereitet hat, wenn also irgendetwas anderes bleibt, dann Melanias Hut.
Blau war er, manche erinnerte er an Mary Poppins, andere an Zorro oder die Mafia, vor allem aber war er: breitkrempig. Man konnte exakt nicht sehen, wie Melania unter der Hutkrempe schaute. Ihr Mann konnte sie auch nicht küssen nach dem erfolgreich abgelegten Amtseid, es blieb beim etwas ungelenken Luftkuss, skeptisch beäugt von Sohn Barron.
Völlig müßig, was Melania von ihrem Ehemann als solchem hält. Aber interessant ist diese breitkrempig vorgetragene Geste der vermeintlichen Verweigerung doch. Man wusste ja nie so recht, schon während Trumps erster Amtszeit, wie sie den Job als First Lady eigentlich findet. Beobachter*innen hielten fest, sie kümmere sich eher wenig um eigene politische Akzente. Dass sie vor acht Jahren erst verspätet ins Weiße Haus einzog, weil ihr damals zehnjähriger Sohn zunächst das Schuljahr in Florida beenden sollte, wurde ebenfalls bemerkt. Nun will sie womöglich sogar nur Teilzeit nach Washington ziehen.
Wenn es denn sein muss
In einem Interview mit dem Time Magazine gegen Ende des Wahlkampfs stolperte sich ihr Mann auf die Frage, ob sie in der zweiten Amtszeit nun präsenter sein werde, durch folgende Antwort: „Nein, sie wird – sie wird aktiv sein, wenn sie es sein muss, wenn sie es sein muss“.
Und wenn es denn sein muss, dann war Melania bisher noch immer „aktiv“. Wenn es denn sein muss, dann hält sie ihrem Mann beim Amtseid die Lincoln-Bibel. Und, vielleicht auch das: Wenn es sein muss, ist sie der passende optische Hintergrund für die düstere Doomsday-Rede, die Trump in der Rotunde des Kapitols vom Stapel ließ. Das wäre die aus feministischer Sicht weniger ansprechende Interpretation.
Die etwas wohlmeinendere wäre, dass da eine Frau mit den Erwartungen an sie bricht, womöglich gar eine eigene politische Interpretation beigesteuert hat zur Trumps Auftritt: Beerdigt sie mit ihrem breitkrempigen Hut die amerikanische Demokratie? Trauert sie, vielleicht weil ihr Mann die USA aus der Weltgesundheitsorganisation austreten lässt oder trans Rechte schleift? Oh my god, schön wär’s. Vermutlich war es aber einfach nur ein Hut.
21 Jan 2025
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