taz.de -- Gespaltenes Mosambik: Neues Blutvergießen in Maputos Straßen
Die Polizei verhindert einen alternativen „Heldengedenktag“ der Opposition mit Gewalt. Im Süden des Landes kommt es zu Unruhen.
Maputo taz | Mosambik ist ein politisch tief gespaltenes Land. Dementsprechend gibt es inzwischen nicht nur einen „Heldentag“ zum Gedenken an die Opfer des antikolonialen Befreiungskrieges, sondern zwei davon. Der amtliche findet am 3. Februar statt, und über dem Gedenken thronte dieses Jahr erstmals der junge, aber physisch imposante Präsident Daniel Chapo, dessen Legitimität die Opposition seit den [1][umstrittenen Wahlen vom Oktober 2024] nicht anerkennt.
Der parallele Heldentag wurde von der Opposition unter Venâncio Mondlane am 18. März zelebriert, am Jahrestag der Ermordung des Sängers Azagia – eigentlich heißt er Edson Amândio Maria Lopes da Luz. Der wurde 2023 mutmaßlich von der Polizei umgebracht, was zu landesweiten Protesten geführt hatte.
An diesem Tag des alternativen Gedenkens waren die Stimmung auf den Straßen der Hauptstadt Maputo erneut angespannt. Die meisten Geschäfte und Schulen blieben geschlossen. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Veranstaltung des parallelen Heldentages. Auf dem Revolutionsplatz wurde mindestens ein Toter gemeldet.
Die Zahl derjenigen, die seit Beginn der Proteste gegen mutmaßlichen Wahlbetrug im Oktober 2024 getötet wurden, stieg damit nach Zählung der Opposition auf 361. Zusätzlich genährt wurde die Anspannung durch eine Reihe tragischer Vorfälle am vergangenen Wochenende. Leão de Deus Nhachengo, Koordinator von Mondlanes Oppositionsbewegung in der südmosambikanischen Provinz Inhambane, wurde tot aufgefunden. Am Morgen hatten unidentifizierte Bewaffnete, mutmaßlich Angehörige staatlicher Sicherheitsorgane, ihn aus seinem Haus entführt.
Der Mord sorgte für eine Eskalation der Gewalt
Nhachengo war eine Schlüsselfigur im Aufbau der neuen Oppositionsbewegung Anamalala (Nationale Allianz für ein autonomes und freies Mosambik) um [2][Mondlane]. Der Mord sorgte am Wochenende für eine Eskalation der Gewalt in Inhambane. Straßensperren wurden errichtet und Mosambiks wichtigste Autobahn N1 von Protestierenden gesperrt. Mindestens eine Polizeiwache ging in Flammen auf.
Am Montag wurde in Inhambane die Leiche eines weiteren entführten Anamalala-Aktivisten gefunden, dessen Name zunächst nicht bekanntgegeben wurde. Auch dafür machte die Opposition die Polizei verantwortlich. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen in Zavala. Menschenrechtler sehen ein Muster gezielter Tötungen von Oppositionellen in Mosambik.
Als [3][Mondlane] zuletzt versuchte, in der Hauptstadt Maputo eine Versammlung abzuhalten, wurde sein Podium beschossen. Anamalala sprach von einem Mordanschlag. Die Menschenrechtsgruppe Justice Frontal Equitas spricht davon, dass der sogenannte Plan Freilimo 100 vorsieht, alle wichtigen Kritiker der regierenden Ex-Befreiungsbewegung zu eliminieren. Ähnliches habe es bereits in den 1990er Jahren gegeben, als nach dem Ende des Bürgerkrieges zahlreiche Oppositionelle getötet wurden.
19 Mar 2025
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