taz.de -- +++ USA unter Trump +++: Oberstes US-Gericht setzt Abschiebung von Venezolanern aus

Senator Chris Van Hollen wehrt sich gegen das GerĂŒcht, er habe mit einem irrtĂŒmlich nach El Salvador abgeschobenen Migranten Margaritas getrunken. Die US-Regierung treibt zehn Bergbauprojekte voran.

Bild: PrÀsident Nayib Bukele will Cocktails auf dem Tisch stehen gesehen haben: US-Senator Chris Van Hollen (r.) und Kilmar Abrego Garcia bei ihrem Treffen in El Salvador

Surpreme Court entscheidet gegen „Alien Enemies Act“

Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Abschiebung angeblicher venezolanischer Bandenmitglieder durch die US-Regierung auf Grundlage eines Gesetzes aus dem 18. Jahrhundert ausgesetzt. Die Regierung werde angewiesen, „bis zu einer weiteren Anordnung dieses Gerichts keine Mitglieder der mutmaßlichen Gruppe von HĂ€ftlingen“ auszuweisen, hieß es in der am Samstag erlassenen Gerichtsanordnung.

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte sich im vergangenen Monat auf den „Alien Enemies Act“ (AEA) von 1798 berufen, um venezolanische Migranten in ein HochsicherheitsgefĂ€ngnis in El Salvador bringen zu lassen. Trump wirft den Migranten vor, der kriminellen lateinamerikanischen Bande Tren de Aragua anzugehören.

Die Anordnung zur Pausierung erfolgte, nachdem zuvor MenschenrechtsanwÀlte einen Eilantrag gestellt hatten, um die Abschiebung von derzeit in einer Einrichtung im US-Bundesstaat Texas festgehaltener Migranten zu stoppen.

Die AnwÀlte mehrerer bereits abgeschobener Venezolaner hatten zuvor erklÀrt, ihre Mandanten seien keine Mitglieder von Tren de Aragua und hÀtten keine Straftaten begangen. Sie seien vor allem aufgrund ihrer TÀtowierungen ins Visier geraten.

Der Alien Enemies Act erlaubt es US-PrĂ€sidenten, BĂŒrger einer feindlichen Nation festzunehmen oder abzuschieben. Er wurde in der US-Geschichte drei Mal angewendet – im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812, im Ersten Weltkrieg und vor allem im Zweiten Weltkrieg. (afp)

US-Senator kritisiert El Salvadors PrÀsident Bukele

Der US-Senator Chris Van Hollen hat sich nach einem Treffen [1][mit einem irrtĂŒmlich nach El Salvador abgeschobenen Migranten] ĂŒber ein gestelltes Foto beschwert. „Niemand hat Margaritas oder Zuckerwasser oder was auch immer getrunken“, sagte Van Hollen am Freitag nach seiner RĂŒckkehr in die USA. Das Foto sowie Äußerungen von El Salvadors PrĂ€sident Nayib Bukele ĂŒber die angeblich servierten Cocktails seien ein Beispiel dafĂŒr, „wie weit PrĂ€sident Bukele zu gehen bereit ist, um die Menschen zu tĂ€uschen“.

Van Hollen, der den oppositionellen Demokraten angehört, hatte sich am Donnerstag in El Salvador mit dem irrtĂŒmlich in das zentralamerikanische Land abgeschobenen Migranten Kilmar Ábrego GarcĂ­a getroffen. Im Onlinedienst X veröffentlichte er anschließend ein Foto, das ihn auf der Terrasse seines Hotels in San Salvador mit Ábrego GarcĂ­a zeigt. Auf dem Tisch vor ihnen stehen zwei Tassen Kaffee und mehrere GlĂ€ser Wasser.

El Salvadors PrĂ€sident Bukele veröffentlichte auf X mehrere Fotos, auf denen weitere GlĂ€ser zu sehen sind. Dazu schrieb er, Ábrego GarcĂ­a sei „auf wundersame Weise“ aus „‚Todeslagern‘ und ‚Folter‘ auferstanden“ und „schlĂŒrft jetzt Margaritas mit Senator Van Hollen im tropischen Paradies El Salvador“.

Van Hollen erklĂ€rte dagegen, er habe mit Ábrego GarcĂ­a nur Wasser getrunken. Ein Mitarbeiter Bukeles habe die CocktailglĂ€ser auf den Tisch gestellt, um den Eindruck zu vermitteln, Ábrego GarcĂ­a werde unter luxuriösen Bedingungen festgehalten. Bukeles Mitarbeiter hĂ€tten sogar darauf gedrĂ€ngt, das Treffen am Pool des Hotels abzuhalten, „um den Anschein zu erwecken, als sei das Leben fĂŒr Kilmar einfach wunderbar“.

Der 29-jĂ€hrige Ábrego GarcĂ­a sei aber zumindest aus dem berĂŒchtigten HochsicherheitsgefĂ€ngnis CECOT in eine andere bessere Haftanstalt in El Salvador verlegt worden, berichtete der Senator.

Ábrego GarcĂ­a war einer von mehr als 250 Migranten, die Mitte MĂ€rz nach El Salvador abgeschoben und dort im berĂŒchtigten HochsicherheitsgefĂ€ngnis CECOT inhaftiert worden waren. Der salvadorianische StaatsbĂŒrger ist mit einer US-BĂŒrgerin verheiratet und lebte in Maryland. Van Hollen vertritt den US-Bundesstaat im Senat.

Van Hollen hatte vor seiner Reise erklĂ€rte, er wolle Ábrego GarcĂ­a treffen und sich ein Bild von „seinem Zustand“ machen. Es gehe ihm zudem um „Rechtsstaatlichkeit“, erklĂ€rte der Senator. Wenn die USA diese abschaffe, „ist es ein kurzer Weg von dort zur Tyrannei“, warnte Van Hollen.

Der Fall Ábrego GarcĂ­a wirft ein Schlaglicht auf den sich zuspitzenden Konflikt zwischen der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump und der US-Justiz. Nach Trumps Worten handelt es sich bei Ábrego GarcĂ­a um „ein Mitglied der MS-13-Bande“ und „einen auslĂ€ndischen Terroristen aus El Salvador“. Ábrego GarcĂ­as Familie hat dagegen immer wieder seine Unschuld beteuert. Nach seiner Abschiebung rĂ€umte die Trump-Regierung vor Gericht ein, dass die Abschiebung das Ergebnis eines „Verwaltungsfehlers“ gewesen sei.

Der Oberste Gerichtshof der USA wies die Regierung schließlich vergangene Woche an, sich fĂŒr Ábrego GarcĂ­as Freilassung aus dem GefĂ€ngnis in El Salvador und fĂŒr seine RĂŒckkehr in die USA einzusetzen. Die Trump-Regierung lehnt dies aber ab. (afp)

US-Bezirksgericht verurteilt Zwei-Geschlechter-Pass-Politik

Die Pass-Politik der Trump-Regierung fĂŒr Transgender und nicht-binĂ€re Amerikaner verstĂ¶ĂŸt gegen die US-Verfassung. Dies entscheidet ein US-Bezirksgericht. Die US-Bezirksrichterin Julia Kobick in Boston erließ eine einstweilige VerfĂŒgung, mit der die Durchsetzung der Pass-Politik gegen sechs Transgender und nicht-binĂ€re Menschen gestoppt wurde.

Laut einem Erlass von US-PrĂ€sident Donald Trump erkennen die USA nur zwei Geschlechter, mĂ€nnlich oder weiblich, an. Die Passbehörden vergeben PĂ€sse nun „nach dem bei der Geburt festgestellten Geschlecht eines Antragstellers“. Richterin Kobick entschied, dies stelle eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts der Antragsteller dar und entspringe einer „Feindseligkeit“ gegenĂŒber Transgender-Amerikanern.

„Der Erlass und die demgemĂ€ĂŸen Passmaßnahmen basieren auf irrationalen Vorurteilen gegenĂŒber Transgender-Amerikanern und verletzen daher die verfassungsmĂ€ĂŸige Verpflichtung unserer Nation zum gleichen Schutz fĂŒr alle Amerikaner“, steht in der UrteilsbegrĂŒndung der von Trumps VorgĂ€nger Joe Biden ernannten Richterin. Sie ordnete die Änderung der PasseintrĂ€ge fĂŒr die KlĂ€ger an. (rtr)

US-Regierung beschleunigt Genehmigung fĂŒr Bergbauprojekte

Das Weiße Haus kĂŒndigt die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren fĂŒr zehn Bergbauprojekte in den USA an. Damit werde US-PrĂ€sident Donald Trump die Produktion kritischer Mineralien ausweiten. Beschleunigt werden unter anderem die Verfahren fĂŒr eine geplante Antimon-Goldmine von Perpetua Resources in Idaho, eine geplante Kupfermine von Rio Tinto in Arizona, eine geplante Kupfer- und Silbermine von Hecla Mining in Montana, die Erweiterung der Lithiummine von Albemarle in Nevada und ein Projekt zur Gewinnung metallurgischer Kohle von Warrior Met Coal in Alabama. Weitere Projekte sollen laut dem Weißen Haus folgen. (rtr)

US-Regierung vertritt jetzt „Laborleck“-These zur Corona-Pandemie

Mehr als fĂŒnf Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie vertritt die US-Regierung auf einer offiziellen Internetseite [2][die Theorie, dass das Coronavirus ursprĂŒnglich aus einem chinesischen Labor entwichen ist]. Das Weiße Haus stellte am Freitag die ĂŒberarbeitete Website Covid.gov vor, auf der bisher etwa Informationen zu Impfstoffen und Corona-Tests zu finden waren. Nun sind auf der Startseite PrĂ€sident Donald Trump und der Schriftzug „Lab Leak“ („Laborleck“) zu sehen.

Unter dem Titel steht: „Die wahren UrsprĂŒnge von Covid-19“. Dann werden fĂŒnf Stichpunkte genannt, die die Labortheorie untermauern sollen. Die US-Regierung weist etwa darauf hin, dass sich in der chinesischen Stadt Wuhan, wo das Virus SARS-CoV-2 zuerst aufgetreten war, auch Chinas „fĂŒhrendes SARS-Forschungslabor“ befindet. In der Vergangenheit sei dort unter „unzureichenden Biosicherheitsstandards“ geforscht worden.

Auf der Website wird zudem die Corona-Politik der US-Regierung unter Trumps VorgĂ€nger Joe Biden kritisiert, etwa die 2020 zu Beginn der Pandemie eingefĂŒhrte Maskenpflicht und andere Infektionsschutzmaßnahmen. Dem US-Immunologen Anthony Fauci wird zudem vorgeworfen, die Theorie eines „natĂŒrlichen“ Ursprungs des Virus verbreitet zu haben. „Wenn es Hinweise auf einen natĂŒrlichen Ursprung gĂ€be, wĂ€ren diese nach fast allen wissenschaftlichen MaßstĂ€ben bereits aufgetaucht. Das ist aber nicht der Fall“, heißt es auf der Website.

Die US-Regierung, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Wissenschaftler auf der ganzen Welt kommen hinsichtlich des Ursprungs des Coronavirus zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Die meisten von ihnen gingen bisher davon aus, dass sich das Virus ausgehend von Tieren in China verbreitete.

Seit Trumps RĂŒckkehr ins Weiße setzt sich in den USA aber zunehmend die Labor-Theorie durch. Ende Januar gab etwa der US-Auslandsgeheimdienst CIA eine neue Bewertung ab: Die Theorie, dass das Virus aus einem chinesischen Labor entwichen sei, sei „wahrscheinlicher“ als die Übertragung durch Tiere, erklĂ€rte die CIA.

Durch die Corona-Pandemie kamen allein in den USA 1,1 Millionen Menschen ums Leben. Das Coronavirus hatte sich ab Ende 2019 von China aus in alle Welt ausgebreitet und neben der hohen Opferzahl rund um den Globus Lockdowns, ReisebeschrĂ€nkungen und viele andere schwerwiegende Auswirkungen mit sich gebracht. Zuletzt hatten die Spannungen zwischen China und USA wieder stark zugenommen, ausgelöst vor allem durch den Zollstreit zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt. (afp)

TĂŒrkische Doktorandin erzielt Erfolg vor Gericht

Eine an der Tufts UniversitĂ€t bei Boston im Bundesstaat Massachusetts [3][auf offener Straße festgenommene tĂŒrkische Doktorandin] hat einen Erfolg vor Gericht erzielt. Sie war nach der Festnahme in eine 2.500 Kilometer entfernte Haftanstalt im Bundesstaat Louisiana gebracht worden. Nun entschied ein Bundesrichter, sie mĂŒsse bis zum 1. Mai nach Vermont zurĂŒckgebracht werden, berichteten der Sender ABC und die Zeitung Boston Globe. Dort solle dann eine Kautionsanhörung stattfinden. Der Richter sprach demnach auch von „erheblichen verfassungsrechtlichen Bedenken“ im Fall der Verhaftung.

Auf Bildern einer Überwachungskamera, die in US-Medien verbreitet wurden, war zu sehen, wie sich mehrere MĂ€nner in dunkler Zivilkleidung, teilweise mit Hoodies, der Frau genĂ€hert hatten, die vom Fastenbrechen kam. Die verĂ€ngstigt aussehende Frau wird umringt und dann abgefĂŒhrt.

Die Justizministerin von Massachusetts, Andrea Joy Campbell, hatte die Bilder von der Festnahme als verstörend bezeichnet. Die Studentin hatte nach ĂŒbereinstimmenden Medienberichten ein gĂŒltiges Visum, in einer ErklĂ€rung des Heimatschutzministeriums auf X heißt es aber, ein Visum sei ein Privileg, kein Recht. Die Studentin habe sich fĂŒr die terroristische Hamas eingesetzt. Nach Medienberichten war sie eine Co-Autorin eines Artikels in einer Studentenzeitung von 2024, in dem die UniversitĂ€t aufgefordert wurde, anzuerkennen, dass es einen Völkermord an PalĂ€stinensern gebe.

FĂŒr das grĂ¶ĂŸte Aufsehen in den USA [4][hatte die Festnahme des palĂ€stinensischen Studenten Machmud Chalil gesorgt]. Der Absolvent der New Yorker Columbia-UniversitĂ€t besitzt seiner AnwĂ€ltin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA. Die US-Regierung will ihn abschieben und wirft ihm unter anderem vor, auf dem Campus FlugblĂ€tter mit dem Logo der islamistischen Hamas verteilt zu haben. Auch er sitzt in Louisiana fest. (dpa)

19 Apr 2025

[1] /Rechtsstaat-versus-Regierung/!6082933

[2] /Der-BND-und-die-Anfaenge-von-Corona/!6072536

[3] /Wieso-eine-Professorin-der-Yale-University-nach-Kanada-auswandert/!6077324

[4] /Pro-palaestinensischer-Aktivist/!6082409

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