taz.de -- Dobrindts Taser-Vorstoß: Deeskalation statt Elektroschocker
Die Einführung von Tasern wird hierzulande erhebliche Polizeigewalt nicht nur weiterhin normalisieren, sondern ist auch verdammt gefährlich.
Die autoritäre Wende geht auch hierzulande schrittweise, aber sicher voran. Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat in denkbar kurzer Zeit schon einige [1][Stellschrauben in Richtung Autoritarismus] gedreht und Innenminister Alexander Dobrindt dreht besonders fleißig mit: Während der CSU-Politiker sich bei seinen rechtswidrigen Zurückweisungen [2][selbst nicht an Law and Order hält] und sogar ein Gerichtsurteil ignoriert, will er nun die für den Grenzschutz zuständige Bundespolizei flächendeckend mit Elektroschockern ausstatten. Wohlgemerkt zeitgleich damit, dass Merz „nicht mehr mit gerümpfter Nase“ von Donald Trump reden will, der in L. A. seinerseits gerade Proteste gegen Abschiebungen mithilfe von Soldaten niederschlagen lässt.
Auch wenn wir so weit noch nicht sind: Die Einführung von Tasern wird hierzulande [3][erhebliche Polizeigewalt nicht nur weiterhin normalisieren], sondern ist auch verdammt gefährlich. Denn nichts an den Elektroschockern ist harmlos – wie [4][zahlreiche Todesfälle nach Einsätzen von vier Landespolizeien] bereits zeigen. Eigentlich sollen Taser nicht gegen ältere Personen, Menschen mit Herz- oder Lungenproblemen, [5][unter Drogeneinfluss] oder in [6][psychischen Ausnahmesituationen] eingesetzt werden.
Tatsächlich lassen sich Herz- und Lungenerkrankungen [7][in komplexen Einsatzlage nicht von außen erkennen], und die Polizei setzt Elektroschocker bisher trotz der Risiken vielfach gerade gegen Menschen unter Drogen oder in psychischen Ausnahmesituationen ein – mit verheerenden Folgen vor allem für marginalisierte Gruppen wie [8][Wohnungslose], [9][Geflüchtete], A[10][bhängige] und [11][psychisch] [12][Erkrankte]. Wie [13][Recherchen] und [14][Studien] zeigen, ist der Taser eine riskante Waffe, die neue Probleme schafft, und kein mildes Allheilmittel, als das die Hersteller es vermarkten.
Was es hingegen bräuchte: ein breiteres Netz psychosozialer Betreuung, bessere Ausstattung von Krisendiensten, mehr Deeskalationsschulungen für die Polizei – und einen an Rechtsstaatlichkeit interessierten Innenminister.
9 Jun 2025
LINKS
[1] /Autor-ueber-AfD-Tendenzen-der-CDU/!6075398
[3] https://verfassungsblog.de/polizei-und-taser/
[4] https://polizeischuesse.cilip.de/taser
[9] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1179068.muelheim-tasertoter-war-erheblich-vorerkrankt.html
[12] https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117683/5770055
[13] https://www.reuters.com/investigates/special-report/usa-taser-database/#
[14] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33576818/
AUTOREN
TAGS
Gewerkschaft der Polizei (GdP)
Schwerpunkt Polizeigewalt und Rassismus
Schwarz-rote Koalition in Berlin
ARTIKEL ZUM THEMA
Gesetzentwurf passiert Kabinett: Dobrindt stattet Bundespolizei mit Tasern aus
Der CSU-Innenminister will 10.000 solcher Waffen anschaffen, dabei ist der Einsatz umstritten. Die Grünen vermissen eine aufrechte Debatte.
Verfassungsschutzbericht 2024: Geheimdienst zählt 50.000 Rechtsextreme – ein Viertel mehr
Vor allem im Rechtsextremismus ist das Personenpotential angestiegen. Auch Bedrohungen durch Islamismus, Spionage und Sabotage sind weiter hoch.
Nach tödlichen Schüssen in Oldenburg: Polizei entwaffnen!
Ein Mann wird rücklings von der Polizei erschossen, die Polizeigewerkschaft fordert Taser. Gerne – wenn die Beamten dafür auf Schusswaffen verzichten.
Taser bei der Berliner Polizei: Elektroschocker im Dauereinsatz
Berlins Polizei besitzt mittlerweile mehr als 250 Taser und setzt diese häufig ein. Die Betroffenen werden dabei oft verletzt, zeigen nun aktuelle Zahlen.
Fall Mouhamed Dramé: Psychische Krisen lassen sich nicht mit der Waffe lösen
Der Freispruch für fünf Polizist:innen in Dortmund zeigt erneut: Staatsgewalt ist tödlich – und die falsche Antwort auf psychische Krisen.