taz.de -- Rücktritt bei Reform UK: Geschäftsführer weg, Wahlergebnis enttäuschend
Am Donnerstag ist Zia Yusef von seinem Amt in der rechten Partei zurückgetreten. Die Ergebnisse der schottischen Nachwahl am Freitagmorgen heben kaum die Laune.
Bild: Da war noch alles gut: Nigel Farage (links) und Zia Yusef (rechts) Mitte März in London
London taz | Zia Yusef, Geschäftsführer der britischen rechtspopulistischen Partei, Reform UK hat am späteren Donnerstag mit einem Statement auf dem Sozialen Netzwerk X sein Amt niedergelegt: „Ich bin nicht mehr der Meinung, dass meine Zeit am besten damit benutzt wird, für die Wahl einer Reform-Regierung zu sorgen und trete hiermit vom Amt ab.“
Reform UK-Mitglied und Journalist Tim Montgomery erklärte gegenüber der BBC: Yusef sei für den Beginn struktureller Reformen verantwortlich gewesen, welche Reforum UK von einer Einmannshow Nigel Farages in eine professionelle Partei verwandeln sollte. Doch Yusefs Reformen hätten so manche Egos gekränkt. Er habe außerdem viel Hass in den sozialen Medien erhalten, weil er einer ethnischen Minderheit angehöre. „Er kämpfte sehr hart für Veränderungen. Er wollte nicht, dass man denke, die Partei pflege Vorurteile“, so Montgomery.
Zwischen der Partei und dem 38-jährige muslimische [1][Tech-Millionär], dessen Eltern in den 1980er-Jahren nach Großbritannien aus Sri Lanka eingewandert waren, kriselte es bereits: Als die Reform UK-Unterhausabgeordnete Sarah Pochin letzten Mittwoch Premier Keir Starmer fragte, ob dieser die [2][vollverschleiernde Burka] verbieten wolle, schrieb Yusef auf X: „Ich halte es für dämlich wenn eine Partei den Premierminister etwas fragt, was sie selber nicht tun würde“. Yusef hatte außerdem am Anfang des Jahres dem später aus der Partei geschmissenen Unterhausabgeordneten Rupert Lowe vorgeworfen, ihn bedroht zu haben. Lowe wies die Anschuldigungen zurück, von der Polizei eingeleitete Ermittlungen wurden später eingestellt.
Yusef ist der dritte große Abgang für Reform UK in kurzer Zeit. Vor ihm und Lowe trat im November der ehemalige stellvertretende Reform UK-Parteiführer Ben Habib aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zurück und gründete bald darauf eine eigene Partei. [3][Auf X schrieb er nun zum Rücktritt Yusefs]: „Gott sei Dank“. Es lässt sich ein Muster erkennen: Auch als Farage Vorsitzender der rechtspopulistischen Ukip-Partei war, gab es stets Personen denen er erst vertraute – die ihm und seiner Partei jedoch irgendwann den Rücken kehrten.
Am Freitagmorgen wurde außerdem das Ergebnis der Nachwahl in Schottland veröffentlicht: Die [4][Labour-Partei von Starmer] hat dabei einen überraschenden Sieg errungen. Reform UK rutschte auf Platz drei – mit 7.088 Stimmen hinter der schottischen Nationalpartei (SNP), die den zweiten Platz machte. Laut Wettquoten war mit einem deutlichen Sieg für die SNP gerechnet worden, Labour wurde noch hinter Reform UK gesehen.
Es war ein rauer Wahlkampf: Reform UK hatte wiederholt die pakistanische Abstammung des schottischen Labour-Vorsitzenden Anas Sarwar thematisiert. Das spielte sich unter Yusefs Ägide als Geschäftsführer ab. So beschuldigte etwa ein Wahlkampfvideo Sawar, mehr um pakistanische Menschen als um die Schottinnen und Schotten bekümmert zu sein.
Hinweis: Im letzten Absatz wurde die Aussage des Wahlkampfvideos Yusef direkt zugeschrieben, das ist inkorrekt. Wir haben das korrigiert.
6 Jun 2025
LINKS
[1] /Tech-Milliardaere-in-den-USA/!6084660
[2] /Afghanistan-unter-den-Taliban/!5868705
[3] https://x.com/benhabib6/status/1930664614439662035
[4] /Ruestungspolitik-in-Grossbritannien/!6088397
AUTOREN
Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
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Lesestück Recherche und Reportage
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