taz.de -- herzensort: Am Werfte zu Kuxhaven

Am Hafen von Cuxhaven, wo die Elbe in die Nordsee mündet, befindet sich eine Aussichtsplattform, die wohl den schönsten Namen trägt, der jemals einer Aussichtsplattform verliehen worden ist. Die Alte Liebe war mal ein Anleger, jetzt ist sie ein zweistöckiger Pfahlbau aus Holz, von dem aus man Schiffe gucken kann. Im Minutentakt fahren sie nur ein paar Meter entfernt vorbei, häuserblockgroße Kreuzfahrt- und Containerschiffe, „AIDAsol“, „Manila Express“, „MSC Preziosa“, „Ever Given“.

Das ist beeindruckend, viel beeindruckender ist es aber, wenn da für einen Moment mal gar nichts ist. Dann kann man nämlich gucken, bis man nicht mehr gucken kann, in die blaudiesige Unendlichkeit der Nordsee hinein, oder, wenn die Sonne schon untergegangen ist, ins tiefschwärzeste Nichts. Dazu nur das Geräusch der Wellen, die ein paar Meter unter den Füßen gegen den Stahlbeton platschen. Bis das Horn irgendeines Megafrachters einen aus den Gedanken reißt. „Am Werfte zu Kuxhaven / Da ist ein schöner Ort / Der heißt „Die Alte Liebe“ / Die meinige ließ ich dort“, schrieb Heinrich Heine 1823. Kitsch, aber korrekt!

Leonie Gubela

5 Jul 2025

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Leonie Gubela

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