taz.de -- Uefa vs. Fifa: Nicht der nette kleine Bruder
Die Uefa inszeniert sich gerne als vernĂŒnftigen Gegenpol zur durchgeknallten Fifa. Doch die EuropĂ€ische FuĂballunion geht jeden Schritt der Fifa mit.
So, das schauerliche Spektakel, das der Internationale FuĂballverband in den USA durchgezogen hat, ist ĂŒberstanden. Die [1][Weltmeisterschaft fĂŒr Klubmannschaften] ist vorbei. Die Ălmonarchie Saudi-Arabien hat dafĂŒr gesorgt, dass die irrwitzigen PrĂ€mien, die den Teilnehmern versprochen worden waren, wirklich an die Vereine ausgeschĂŒttet werden.
Der PrĂ€sident der Fifa, Gianni Infantino, hat seine letzten Arschkriechereien bei Donald Trump erfolgreich absolviert und kann nun in aller Ruhe die WM â die eigentliche, die der Nationalmannschaften â im kommenden Jahr vorbereiten. Wie viele Migrant*innen bis dahin in KĂ€figen gehalten werden und auf die Vertreibung in irgendein Land, das dafĂŒr kassiert, warten, wird dem Fifa-Boss egal sein.
Nicht erst seit der WM im homophoben Sklavenhalterstaat Katar, auf dessen WM-Baustellen Hunderte Arbeiter ums Leben gekommen sind, hat der Verband [2][jedes Ansehen verloren]. Die Fifa gilt schon lange als Heimat der Sportkorruption, seit sich FunktionĂ€re mit MillionenbetrĂ€gen fĂŒr TV-Rechte bei den groĂen Turnieren und Bestechungsgeldern bei der Vergabe von Weltmeisterschaften bereichert haben.
Die Uefa inszeniert sich gern als vernĂŒnftigen Gegenpol zur durchgeknallten Fifa. Doch die EuropĂ€ische FuĂballunion ist jeden Schritt mitgegangen, den die Fifa auf ihrem Weg eingeschlagen hat. Auch den Zuschlag fĂŒr eine Weltmeisterschaft in Saudi-Arabien 2034 hat sie brav durchgewunken. Im europĂ€ischen FuĂball gibt es nur einen einzigen Verband, der klipp und klar Position bezogen hat. Doch Lise Klaveness, die PrĂ€sidentin des norwegischen FuĂballverbandes, die der Fifa auf deren Kongress einmal so richtig die Leviten gelesen hat, bleibt eine einsame Ruferin.
Und doch hĂ€lt sich die öffentliche Kritik an der Uefa in Grenzen. Gewiss profitiert der Kontinentalverband von dem alles ĂŒberstrahlenden Irrsinn, den Infantino mit der Fifa abzieht. Neben dem Weltverband wirkt die Uefa wie ein harmloser Organisator kontinentaler SportgroĂereignisse. In der Schweiz prĂ€sentierte sie sich gerade wie eine NGO, deren oberstes Ziel es ist, den FrauenfuĂball zu fördern. Dabei war es die Uefa, die mit der EinfĂŒhrung der Champions League im Jahr 1992 den Weg bereitet hat fĂŒr das, was heute nicht nur von notorischen FuĂballnostalgikern als Abart des modernen FuĂballs kritisiert wird.
Durften zu Beginn nur die Landesmeister um den begehrten Henkelpott spielen, nehmen heute bisweilen mehr als vier Klubs aus einem Land am Wettbewerb teil. Das sind dann meistens die GroĂklubs aus den groĂen FuĂballnationen. Die Landesmeister aus Estland, Slowenien oder Bulgarien werden in Qualifikationsrunden vorher schon ausgesiebt. Wenn der FC Bayern etwa wirklich einmal nur Dritter in einer Saison wird â wie 2024 â, muss er keine Angst haben, von den Geldtöpfen der Uefa abgeklemmt zu werden. Die Champions League steht ihm offen.
Warum die Ligen immer langweiliger werden
Mit den Jahren hat die Uefa so dafĂŒr gesorgt, dass nationale Ligen immer langweiliger werden, weil nur die Teams um den Titel spielen können, die regelmĂ€Ăig die irrwitzigen PrĂ€mien aus der Champions League einstreichen oder mit Oligarchenmilliarden und Petrodollars die besten FuĂballer der Welt an sich binden können. Vier Milliarden Euro werden in der Champions League jedes Jahr umgesetzt. Das Finale des Wettbewerbs gehört zu den gröĂten jĂ€hrlich wiederkehrenden Sportevents der Welt.
Zwar hat sich die Uefa selbst einen Kontrollmechanismus verordnet, der sich âFinancial Fair Playâ nennt und mit dem dafĂŒr gesorgt werden soll, dass Klubs nicht mehr Geld ausgeben, als sie mit dem FuĂball erwirtschaften. Doch damit konnte sie nicht verhindern, dass Staatskonzerne vom Golf sich mit irrwitzigen Summen an die europĂ€ische Spitze katapultiert haben. Seitdem ein katarischer Staatsfonds 2011 den französischen Klub Paris Saint-Germain gekauft hat, flossen etwa 2 Milliarden Euro â vor allem an Ablösesummen und SpielergehĂ€ltern â in den Klub. 2025 gewann der Klub den ersehnten Titel in der Champions League.
Die Uefa hatte nichts dagegen, obwohl offensichtlich ist, dass den Investitionen kein realer Wert gegenĂŒbersteht. NatĂŒrlich hatte sie nichts dagegen: Der PrĂ€sident von Paris Saint-Germain sitzt in der Exekutive der Uefa. Er ist Katarer, heiĂt Nasser al-Khelaifi, ist Chef des Investitionsfonds, dem der Pariser Klub gehört, und gehört dem Leitungsgremium der Uefa an. Das â wegen der Arbeitsbedingungen und seiner staatlich festgeschriebenen Homophobie zu Recht viel gescholtene â Emirat sitzt an den Schalthebeln des europĂ€ischen FuĂballs.
Uefa-PrĂ€sident Alexander Ceferin gilt dennoch als Gegenmodell zum durchgeknallten Fifa-Boss Infantino. Als dieser die versammelten FuĂballverbandsprĂ€sidenten aus aller Welt beim jĂŒngsten Fifa-Kongress in Paraguay stundenlang warten lieĂ, weil er Donald Trump auf dessen Reise nach Saudi-Arabien begleitete, verlieĂ Ceferin den Kongress vorzeitig. Die Uefa hat sich ĂŒber die VerspĂ€tung echauffiert â mehr aber auch nicht. Wenn es ernst wird, kann sich die Fifa auf die Uefa verlassen.
Fifa kupfert ab
Nun mĂŒssen die EuropĂ€er mit ansehen, wie die Fifa all ihren gewinnbringenden Ideen nacheifert. Wie sich aus dem KlubfuĂball mit seinen unzĂ€hligen treuen Fans durch die Champions League Geld herausquetschen lĂ€sst, hat die Fifa zur eigenen Klub-WM inspiriert. Auch das Erfinden immer neuer Wettbewerbe zur Umsatzsteigerung ist keine Fifa-SpezialitĂ€t. Das Spiel zwischen dem MĂ€nnereuropameister und dem SĂŒdamerikameister wird als âFinalissimaâ von der Uefa und dem sĂŒdamerikanischen Verband Conmebol bestens vermarktet.
Als moralisches Gegengewicht zum Weltverband taugen die EuropÀer ebenfalls nicht. Bei all den faszinierenden Bildern von der EM der Frauen aus der Schweiz sollte man nicht vergessen, dass es diese Uefa ist, die das Turnier veranstaltet.
5 Aug 2025
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