taz.de -- Streit um das Heizungsgesetz: Bezeichnend für die Regierung

Union und SPD sind sich uneins über die Zukunft des Heizungsgesetzes. Das Gezerre ist Gift für Investitionsentscheidungen, auch von Privatleuten.

Bild: Der „Heizungshammer“, immer noch ein Thema, dass die Koalition entzweit

Umweltminister Carsten Schneider von der SPD und CSU-Chef Markus Söder liefern sich einen Schlagabtausch zum Heizungsgesetz. [1][Der eine will die von der Ampel-Regierung eingeführte Förderung für klimafreundliche Heizungen grundsätzlich fortsetzen]. Der andere ist fast zwanghaft immer noch im Anti-Habeck-Modus und will die Ampel-Erbschaft weghauen.

Dieser Widerspruch ist schon im Koalitionsvertrag angelegt: Einerseits haben sich die Sozialdemokrat:innen fatalerweise auf den Satz eingelassen, dass das von der Ampel auf den Weg gebrachte „Heizungsgesetz“ abgeschafft wird – obwohl es auch ihr Projekt war. Gleichzeitig versichert der Koalitionsvertrag, dass es mit der Förderung des Heizungstauschs weitergeht. Aber ein halbes Jahr nach der Regierungsbildung ist immer noch völlig offen, was das heißt.

Zwar geht die Heizungs-Förderung der Ampel erst einmal weiter. CDU-Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat trotz der vollmundigen Ankündigungen ihrer Parteifreund:innen [2][noch keinen Entwurf für eine Novellierung vorgelegt]. Trotzdem ist der Schaden groß, den die schwarz-rote Hängepartie verursacht; Heizungsbranche und Bürger:innen sind verunsichert. Die Bundesregierung muss so schnell wie möglich Klarheit schaffen. Und das kann nur heißen: Sie sollte die bisherige Förderung nicht abschmelzen. Denn mit der Wärmewende in den Heizungskellern der Republik muss es schneller vorangehen, nicht langsamer.

Der Umgang von Union und SPD mit der Heizungsfrage ist bezeichnend für ihre Art ihres Regierens: Dem Ankündigen auf der einen Seite folgt Entkräftigen auf der anderen – ob es ums Festhalten an den Klimazielen, die Energiewende oder Sozialpolitisches geht. Das sorgt für wirtschaftlichen Stillstand. Eine Regierung, die vor allem Widersprüche aussendet und kaum etwas richtig anpackt, verursacht anhaltende Unsicherheit. Das ist Gift für Investitionsentscheidungen, sei es die für das private Solardach mit Wärmepumpe oder die neue, klimafreundliche Produktionsanlage eines Unternehmens.

10 Nov 2025

[1] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/schneider-heizung-foerderung-100.html

[2] /Unsicherheit-bei-der-Waermewende/!6112909

AUTOREN

Anja Krüger

TAGS

Energiewende in Gefahr

Robert Habeck

Reden wir darüber

Mieten

Heizungsgesetz

Energiewende in Gefahr

Heizung

Energiewende in Gefahr

Schwerpunkt Klimawandel

Energiewende in Gefahr

Wärmepumpe

Weltklimakonferenz

Wohnungsnot

Schwerpunkt Klimawandel

ARTIKEL ZUM THEMA

Neues Heizungsgesetz: Heizen soll wieder Spaß machen

Die Regierungsfraktionen haben sich auf Grundzüge für ein neues Heizungsgesetz verständigt. Sie lockern die Vorgaben deutlich.

Heizen mit Gas künftig viel teurer: Kosten für Netze werden massiv steigen

Wer 2045 noch mit Gas heizt, wird sehr viel dafür zahlen, so eine Studie. Wegen der sinkenden Kundenzahl steigen die Gebühren für die Netznutzung.

Weniger neue Solardächer: Bremsklotz Katherina Reiche

Die Wirtschaftsministerin will die bisherige Förderung von privaten Photovoltaikanlagen beenden. Das sorgt schon jetzt für große Verunsicherung.

Förderung von Wärmenetzen: 202 Tage Bearbeitungszeit

Die Bearbeitung von Anträgen auf Förderung für Wärmenetze dauert lange und der Bau verzögert sich – das bremst die Wärmewende. Dabei ginge es anders.

Schleppende energetische Sanierung: Bau-Fachleute sind pessimistisch

Energieberater:innen glauben nicht, dass der deutsche Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral sein wird. Das zeigt eine Umfrage.

Streit um Heizungszuschüsse: Verband stellt Zahlen zu Wärmepumpenförderung richtig

In der Diskussion über das Heizungsgesetz wird suggeriert, dass der Staat einen zweistelligen Milliardenbetrag für Wärmepumpen zahlt. Das ist falsch.

Kampf gegen die Erderhitzung: Danke, China!

Die Volksrepublik lässt den Kampf gegen Erderhitzung gewinnbarer erscheinen als je zuvor. Das versetzt fossile Staaten und Unternehmen in Panik.

Radikale Entmietungspraktiken: Winter ohne Heizung

In der Habersaathstraße will ein Vermieter den Bewohner:innen die Heizung abdrehen, um sie zum Auszug zu bewegen. Das Bezirksamt prüft den Fall.

Energiewende-Monitoring: Wie Katherina Reiche die Klimaziele in Gefahr bringt

Ein Gutachten zur Energiewende könnte den Ausbau Erneuerbarer ausbremsen. Das hat Folgen für die Pläne der Bundesregierung, den CO₂-Ausstoß zu senken.