taz.de -- Neues Album von A$AP Rocky: Er rappt richtig linksliberal
Sozialkritische Botschaften in einer Krisenzeit: âDonât Be Dumbâ, das neue Album des US-Rappers zeigt einen scheinbar gelĂ€uterten Star.
Bild: Und es macht bling-bling: Rapper A$AP Rocky
Dass Philanthropie von Tech-MilliardĂ€ren wie [1][Elon Musk] und [2][Mark Zuckerberg] auch nur eine opportunistische Performance ist, steht endgĂŒltig fest. E-MobilitĂ€t als Chance fĂŒr die Umwelt und Fact-Checking als StĂ€rkung fĂŒr die Demokratie sind bei ihnen lĂ€ngst [3][Allmachtsfantasien und MĂ€nnlichkeitswahn] gewichen.
Und damit einher geht leider auch die Erkenntnis, dass Pop offensichtlich kaum etwas ausrichten kann gegen autoritĂ€re Entwicklungen. Das wissen wir spĂ€testens, [4][seit Taylor Swifts Positionierung und Mobilisierung ihrer Fans gegen Trump im Vorfeld der US-PrĂ€sidentschaftswahl scheiterte]. Es sind brisante Zeiten, das riesige Land ist schwer zu organisieren und steht am Abgrund. Da stellt sich die Frage, wie Rapper darauf reagieren, die ja zumindest frĂŒher ihre Stimme fĂŒr die Marginalisierten erhoben.
In den letzten Jahren ging es im HipHop-Mainstream aber vor allem um ein Zusammenspiel aus weirdness, Drogen und Gewehrsalven. Opioide bis der Arzt kommt, manchmal kam er dann auch zu spĂ€t. Dissoziation durch Konsum. A$AP Rocky, Vorzeigerapper aus New York seit 15 Jahren â zumindest, wenn es darum geht, wer der Charmanteste ist â, konnte das schon immer gut.
Zum Karrierestart veröffentlichte er ein Mixtape, das so klang, wie man sich einen Opioidrausch vorstellt. Verhangen, schleppend, alles tröpfelte langsam vor sich hin und bildete am Boden eine sĂ€mige SoundpfĂŒtze. Rocky, ein Gangsta, dem nichts Brutales, sondern eher etwas âOceanâs Elevenâ-artiges Verschlagenes anhaftete. Charmant und verzinkt zugleich.
Erfolgreicher sozialer Aufstieg
Jetzt hat er sein neues Album âDonât Be Dumbâ veröffentlicht. Rockys erstes Lebenszeichen seit sieben Jahren. Sein neues Werk bietet zumindest eine Idee davon, wie es klingt, wenn ein millionenschwerer Schönling, der den Klassenaufstieg vom kleinkriminellen Sohn einer alleinerziehenden Mutter hin zum Popstar erfolgreich vollzogen hat, checkt: [5][Da lĂ€uft gerade was falsch in den USA], bei der Apokalypse mitmachen ist keine Option. Also: âDonât be dumbâ, rappt er, sei nicht blöd â immer wieder ĂŒbers ganze Album verteilt. Es ist zu spĂŒren, wie er die Stirn in Falten zieht und unglĂ€ubig auf die MAGA-Welt blickt.
âThis is the way the world endsâ, wiederholt er auf seinem Song âThe Endâ immer wieder, und diesem Mantra scheint in den letzten Jahren ein Reflexions-, womöglich sogar ein Politisierungsprozess vorausgegangen zu sein. FĂŒr seinen Teil beschĂ€ftigt sich Rocky nicht nur mit Rassismus und sozialer Ungleichheit im Bildungssystem, sondern auch mit dem Bienensterben und dem Klimawandel.
âItâs hard to sing âSunshine, good morningâ with global warmingâ, rappt er, und es folgt die Erkenntnis, dass A$AP Rocky wohl mittlerweile so was ist wie ein Linksliberaler.
In der Ăffentlichkeit erwachsen geworden
Das hat sicher auch mit seinem Privatleben zu tun, das die Regenbogenpresse mehr interessiert als seine Musik. Er ist Vater geworden, mehrfach. [6][Und die Mutter seiner Kinder ist nicht irgendjemand, sondern Rihanna]. A$AP Rocky wirkt gesettelt, ein âGrown Manâ, der zwar in den letzten Jahren immer wieder vor Gericht stand, aber letztlich davonkam.
An Impulskontrolle mangelt es noch, so scheint es, und das hört man auch in der Musik auf dem neuen Album. Denn natĂŒrlich ist âDonât Be Dumbâ bei aller Liebe kein Polit-Album. [7][A$AP Rocky ist weder Kendrick Lamar] noch Teil von Run The Jewels, sondern immer noch einer, der sich als Rapstar eben auch durch Schönheit und Extravaganz definiert.
FĂŒr das Album bedeutet das inhaltlich, dass Rocky sein angelerntes kulturelles Kapital in Sachen Mode und Wohlstandscodes auslebt und dabei so versiert klingt, dass es SpaĂ macht zuzuhören. Und es bedeutet, dass er trotz glĂŒcklicher Beziehung weiterhin davon erzĂ€hlt, dass Frauen ihm grundsĂ€tzlich ziemlich zugetan sind.
Lachen mit Salven
Es ist charmante Angebermusik, und manchmal hallen zwischendurch sogar mit dem Mund geformte SchussgerĂ€usche, die aber nicht klingen wie [8][die Morde der ICE-ParamilitĂ€rs], sondern so, als wĂŒrde Rocky seine Kinder zum Lachen bringen wollen.
Und noch etwas ist interessant, Stichwort Ăsthetik. A$AP Rocky hat sein Repertoire lĂ€ngst erweitert, baut nicht mehr nur auf trockene Beats und auch nicht darauf, dass alles blurry klingt. Es gibt die Gitarren, es gibt im Kontrast dazu die zerhackten elektronischen Dissonanzen, es gibt âRocky Punkâ genannten Indiepopsong, und immer wieder zitiert er Horrorfilm-Rap aus Memphis.
Viele Dinge, die sich andernorts bewĂ€hrt haben und fĂŒr einen gewissen Untergrundcharme stehen und noch immer als cool gelten, flieĂen nun bei ihm zusammen. Auf âRobberyâ, schon wieder so eine filmische RĂ€uberballade, erklingt sogar ein Jazzpiano. Und die vertrĂ€umte US-Singer-Songwriterin Jessica Pratt singt ein paar leise Zeilen auf dem schon erwĂ€hnten Song âThe Endâ.
Am Ende kommt die Erkenntnis, dass hinter âDonât Be Dumbâ ein KĂŒnstler steht, der alles erreicht hat und trotzdem noch ein aufrichtiges Interesse an Musik besitzt. Das ist gerade bei Rapstars keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Und womöglich bewirkt es ja auch etwas, dass neben all dem angeberischen Gecroone Rocky mit âDonât Be Dumbâ auch seinen Standpunkt klarmacht. Und der steht dem disruptiven Politikstil der Regierung Trump fundamental entgegen.
27 Jan 2026
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