taz.de -- Augenlasern mit 40: Ich bin einfach nicht der Brillentyp
Unsere Kolumnistin wünscht sich neue Augen und damit endlich ein Leben ohne Brille. Doch je konkreter das Vorhaben wird, desto unsicherer wird sie.
Bild: „Wenn ich einen Avatar von mir erschaffen würde: Er trüge keine Brille.“
Für dieses Jahr habe ich mir zwei Dinge vorgenommen: [1][Neue Augen] und meinen Roman. Weil das zweite Projekt so verdammt viel Arbeit ist, kümmere ich mich erst mal um das erste. Und falls es schiefgeht, hat sich die Sache mit dem Roman, nun ja … Jetzt wird sich manche*r fragen: Warum macht sie das? [2][Mit Anfang 40], ohne Modelvertrag. Kann ich verstehen. Bei anderen finde ich so was auch oft unnötig. So fand ich einen guten Freund von mir auch vor seiner Haartransplantation bezaubernd. Und eine Freundin vor ihrem Bleaching. Den beiden wiederum gefalle ich mit Brille.
„Ohne Brille fehlt mir irgendwas“, meinte neulich der Freund, da war ich fast beleidigt. Aber vielleicht hat er nicht ganz unrecht. Denn wählt man die richtige Brille, sieht man fast klug aus – was in meinem Beruf von Vorteil sein kann. Zumindest als ich noch für 16 durchging, wäre sie das Weißgold wert gewesen, das ihr Gestell umhüllt. „Hat mal wieder jemand die Praktikantin geschickt?“, war ein Satz, den ich, damals noch brillenlos, öfter überhörte. Nichtsdestotrotz bin ich einfach nicht der Brillentyp.
Wenn ich einen Avatar von mir erschaffen würde: Er trüge keine Brille. Okay, er hätte auch schöne, damenhafte Daumen und könnte darüber hinaus jede Person, die ihm dumm kommt, mit dem Schokofluch belegen, der so geht, dass die Person immer dann, wenn sie Schokolade isst, sofort zur Toilette rennen und richtig heftig scheißen müsste. Aber man soll ja zufrieden sein mit dem, was der Genpool einem mitgegeben hat, und das sind in meinem Fall mittlerweile minus 3 auf dem einen und fast minus 4 auf dem anderen Auge.
„Ich weiß gar nicht, wo du das herhast“, sagte meine Mutter neulich am Telefon. Ja, wenn du nicht zufällig mit John Lennon im Bett warst – ¯\_(ツ)_/¯? Wobei das auch eine eher dumme Idee gewesen wäre, wenn man „keine Kinder mit Brille auf der Nase und Büchern unter dem Arm“ durchfüttern wollte, so wie meine Eltern es gerne betont haben. But here I am! [3][Nur hat mir nicht meine Gameboy-Sucht die Augen kaputt gemacht], sondern der Journalismus. Also Augen auf bei der Berufswahl, oder besser zu.
Wenn ich das hier hinter mir habe, werde ich die Rechnung für meine neuen Augen bei John Lennons Erben einreichen. Hat ja nie Alimente gezahlt! Dafür gibt es kostenlose Cookies im Wartezimmer des Laserzentrums, in dem ich gerade darauf warte, dass die Tropfen für die Augenhintergrundmessung zu wirken beginnen. Sie sind alle sehr nett hier. Fast wie im Luxus-Spa. Diverse Sehtests liegen hinter mir, jetzt warte ich auf das Urteil der Ärztin. Wird man meine Augen lasern können – oder nicht?
Die Frau mir gegenüber ist krass nervös und auch ein bisschen grumpy. Hat sie Angst vor dem Eingriff? Oder ist sie etwa unzufrieden mit dem Ergebnis und kommt zur Nachbesserung? Dann endlich biegt meine Ärztin um die Ecke und holt mich ab. „Ihre Augen sind für eine Laserkorrektur geeignet“, sagt sie erfreut, und ich fühle mich, als ob ich bei GNTM in die nächste Runde gekommen wäre. Euphorisch mache ich einen Termin für die kommende Woche aus. Doch zu Hause beschleichen mich Zweifel, die auch diverse Podcasts nicht ausräumen können. Denn auch wenn selten etwas schiefgeht, klagen manche hinterher über Nebenwirkungen.
Schon klar! Dr. Google ist immer eine dumme Idee, aber wegen Eitelkeitsalarm seinen bösen Blick zu verlieren, wäre noch schlimmer. Ich lasse das Ganze jetzt erst mal sacken und hole mir eine Zweitmeinung ein.
30 Jan 2026
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