taz.de -- Biathlon-Olympiasieg von 2014: Gold muss man horten
Der russische Ex-Biathlet Anton Schipulin will seine Medaille von 2014 behalten. Aberkannt wurde sie ihm wegen Dopings. Nun stellt er Bedingungen.
Bild: Beutegold? Siegermedaillen von Sotschi 2014 wurden an deutsche Biathleten gegeben
Zwölf Jahre liegt das Ding nun irgendwo rum: in einer Schublade oder einem Wohnzimmerschrank. Vielleicht hängt das pfundschwere Goldstück ja auch im Gästeklo.
Westliche Besucher dürften es derzeit kaum schaffen, die Goldmedaille zu berühren, die [1][Anton Schipulin] 2014 in [2][Sotschi] mit der russischen Biathlonstaffel gewonnen hat.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat ihn nämlich aufgefordert, die Medaille zurückzuschicken, und Schipulin weigert sich: „Nein, wozu? Ich habe sie erkämpft. Sie ist meine, ich werde sie nicht zurückgeben“, sagte er einem russischen TV-Sender.
Wozu, das könnte man ihm erklären: Weil einer seiner Staffelkollegen, Jewgeni Ustjugow, des Dopings überführt wurde, geht das Gold nun an die Zweitplatzierten, die deutsche Staffel, die aus Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp bestand. Die vier bekamen in Italien die verspätete Goldmedaille [3][überreicht]. Russische Einsprüche waren abgelehnt worden.
Schipulin weiß, wie man auf die Pauke haut
Der mittlerweile 38-jährige Schipulin hat längst seine Sportkarriere beendet und sitzt seit 2019 für die Putin-Partei „Einiges Russland“ in der Staatsduma. Weil er sich mehr als Politiker versteht, weiß er auch, wie man auf die Pauke haut. Erst müsse dass IOC „unseren Sportlern die Flagge und die Hymne zurückgeben“, tönt er auf Instagram. „Dann bin ich bereit, meine Medaillen zurückzugeben.“
Das kleine politische Problem, gerade von der Institution Anerkennung zu erheischen, die man gerade beleidigt, ficht den Sportpolitiker Schipulin nicht an. Einerseits wirft er dem IOC vor, es „erniedrige“ Russland, anderseits will er vom IOC gewürdigt werden.
Immerhin findet Schipulins interessante Von-mir-kriegt-ihr-nix-Haltung juristische Unterstützung, freilich nur in Russland. In einem ähnlichen Fall hatte ein Moskauer Gericht im Jahr 2018 über die Aberkennung der Goldmedaille für einen Bob-Erfolg 2014 entschieden: Alexander Subkow, damals schon Präsident des russischen Bobverbandes, durfte trotz der Aberkennung durch das IOC seinen Status als Olympiasieger behalten. Das heißt nicht nur, dass die Medaille in der Wohnung bleibt, sondern auch, dass Subkow weiterhin eine staatliche Olympiasiegerrente beziehen kann.
Davon ist bei Schipulin bislang nicht die Rede, aber für ihn und seine Kollegen gilt ja weiterhin: in Russland die Weltbesten. Der Titel gilt weiter – im Wohnzimmerschrank, der Staatsduma und dem Gästeklo.
17 Feb 2026
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