taz.de -- Teherans Atomprogramm: Kommt es zum Showdown zwischen den USA und Iran?

Am Donnerstag soll es erneut Verhandlungen zwischen den beiden Staaten geben. Was bedeutet das wachsende Militäraufgebot der USA in Nahost?

Bild: Eine F/A-18F Super Hornet landet am 15. Februar auf dem Flugdeck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln der US-Marine im Arabischen Meer

Vielleicht ist diese die schicksalhafte Woche für die Islamische Republik Iran. Alles kommt zusammen: [1][Erneute Proteste von Iranerinnen und Iranern, diesmal an vielen Universitäten im Land]. Eine weiter anhaltende Wirtschaftskrise, befördert durch die internationalen Sanktionen. Der anhaltende Aufbau von US-Militärkapazitäten in der Region. Und schließlich: die Deadline des US-Präsidenten Donald Trump an Iran, auf seine Forderungen zu antworten, die in den kommenden Tagen abläuft.

Auf die Forderungen des US-Präsidenten könnte Iran am Donnerstag antworten. Da sollen im Schweizer Genf unter Vermittlung Omans erneut Gespräche zwischen Iran und den USA geführt werden. Kaum jemand rechnet mit einem ernsthaften Durchbruch bei dem Treffen.

Zu unterschiedlich sind die Positionen: [2][Iran will einen erneuten Atomdeal] – und sonst über gar nichts verhandeln. Der Außenminister Abbas Araghtschi sagte dem US-Sender CBS jüngst: „Das ist das einzige Thema.“ Dabei sei man auch bereit, die eigenen nuklearen Aktivitäten „für immer friedlich“ – also wohl im zivilen Bereich – zu halten.

Die USA hingegen wollen einerseits ein Ende der Atomanreicherung seitens Irans. Und zusätzlich zumindest auch über das Raketenprogramm sowie über die Unterstützung der Islamischen Republik für verschiedene nichtstaatliche bewaffnete Gruppen in der Region verhandeln. Zu diesen Proxies – oder „regionalen Verbündeten“, wie Iran sie euphemistisch bezeichnet – gehören etwa die Huthis in Jemen, die Hisbollah in Libanon und die Hamas in den palästinensischen Gebieten.

Die Währungskrise in Iran hält an

Bisher zeigt sich Iran nicht kompromissbereit. Dabei ist die Islamische Republik [3][in einer wirtschaftlich so schwierigen Situation wie wohl noch nie]. Und die Aufhebung von Sanktionen ist ihre primäre Forderung in den Verhandlungen.

Denn die Wirtschafts- und Währungskrise in Iran hängt direkt mit den Sanktionen zusammen. Diese betreffen nicht nur iranische Firmen, Personen und Entitäten, sondern auch Firmen, die mit diesen Handel treiben. Iran braucht US-Dollar, um seine eigene Währung Rial zu stärken und den Wechselkurs stabil zu halten. Und der war im Dezember abgerauscht, auf 1,5 Millionen Rial pro Dollar. Das löste die massiven Proteste, bei denen zunächst Handeltreibende auf die Straße gingen, aus.

Diese Ereignisse reklamierten die USA jüngst für sich: So erklärte Finanzminister Scott Bessent, Washington habe absichtlich diese Dollarknappheit in Iran herbeigeführt, um so Proteste auszulösen.

Ausländische Währungen, allen voran US-Dollar, kamen bisher durch Exporte, vor allem von Erdöl, ins Land. [4][Etwa 80 Prozent dieses Öls gingen bislang nach China]. Gekauft hatten es vor allem chinesische Firmen, laut der Nachrichtenagentur Reuters nicht aber Staatskonzerne. Gegen drei solcher Firmen hatte Trump etwa Sanktionen verhängt.

Die Islamische Republik ist verwundbar

Daten der iranischen Zentralbank zeigen: Der Ertrag aus den Ölverkäufen hat deutlich abgenommen, bereits seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten 2025. Und an das verbliebene Geld aus dem Handel kommt Iran immer schlechter ran.

Dass trotz dieser desolaten Lage kaum Kompromissbereitschaft seitens Irans besteht, zeigt einmal mehr, wie weit die Führungsriege des Landes zu gehen bereit ist. Kompromiss, so wohl die Ansicht, birgt ein existenzielles Risiko. [5][Der Zwölf-Tage-Krieg mit Israel] und den USA im vergangenen Sommer zeigte nämlich deutlich: Das Regime ist verwundbar – und die Milliarden, die es in sein Raketenprogramm und die strategische Abwehr gesteckt hatte, sind im Ernstfall weniger nützlich als erhofft. So hatte Israel tagelang quasi ungehindert den iranischen Luftraum für seine Angriffe beflogen. Und der Großteil der [6][iranischen Raketen auf Israel] wurde wiederum abgefangen.

Das registrierte auch die Bevölkerung. Das Regime setzt nun also auf die Projektion von Stärke – im Inneren, wie die brutale Niederschlagung der Proteste im Januar zeigte, und nach außen.

Die USA verlagern weiter Equipment

Stärke projizieren auch die USA. Noch immer verlagern sie militärisches Equipment in den Nahen Osten. Als Trump im Januar den Protestierenden in Iran seine Unterstützung erklärte und sagte, man sei „locked and loaded“, waren die tatsächlichen Kapazitäten der USA in der Region gering. Mittlerweile wurden allein über 120 Kampfjets etwa nach Jordanien und Zypern verlegt. Außerdem eine Reihe an Flugzeugen, die diese aus der Luft betanken können, sowie Aufklärungsflugzeuge. Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen zudem US-Militärflugzeuge am Flughafen von Tel Aviv.

Der Flugzeugträger „USS Lincoln“ befindet sich bereits in der Region, zusammen mit einer Gruppe von Zerstörern. Jüngst beorderte Washington auch den Flugzeugträger „USS Ford“, der bislang in der Karibik eingesetzt wurde, Richtung Nahost. Allein auf der „USS Ford“ befindet sich eine Besatzung von über 5.000 Mann. Diverse Raketenabwehrsysteme wurden in den Nahen Osten geliefert, unter anderem nach Israel. [7][Laut US-Militäranalysten ist es das größte US-Aufgebot im Nahen Osten seit der Irakinvasion im Jahr 2003.]

Wie weit das militärische Equipment trägt, ist allerdings umstritten. Einem israelischen Geheimdienstmitarbeiter zufolge, den die Financial Times zitiert, sei Israel der Ansicht, dass die USA in der Region nur militärische Kapazitäten für vier bis fünf Tage intensiver Angriffe habe.

Von begrenzten Angriffen wiederum hätten Berater dem US-Präsidenten eher abgeraten, angesichts des ebenfalls begrenzten Effekts. Sie hätten in dem Zusammenhang vor einer Eskalation zu einem größeren Konflikt gewarnt.

US-Präsident Trump steht unter Druck

Die Warnungen kommen vor dem Hintergrund von Vermutungen, dass Trump einen begrenzten Angriff auf Iran starten könnte, um Teheran unter Druck zu setzen, doch seinen Forderungen in Bezug auf das Atomprogramm nachzukommen.

Überhaupt bleibt noch eine Frage ungeklärt: Was ist Trumps eigentliches Interesse an einem Krieg in Iran? Auch der amerikanischen Öffentlichkeit hat er seine Beweggründe bislang nicht erläutert. Und auch was ein US-Angriff in Iran tatsächlich ausrichten könnte, ist vor allem Gegenstand von Spekulation: Regime Change? Iran zu Zugeständnissen zwingen? Trump selbst betonte am Dienstag erneut, er setze auf Diplomatie, aber sei bereit, „tödliche Gewalt“ anzuwenden, wenn das nötig sei.

Fest steht: [8][Trump steht unter Druck, einen Erfolg vorzuweisen], auch angesichts der immensen Kosten, die er bislang mit der Verlegung der Flugzeugträger und Kampfflugzeuge in den Persischen Golf verursacht hat. Den Erfolg könnte er durch einen diplomatischen Coup zu erzielen versuchen – oder durch einen militärischen Angriff.

25 Feb 2026

[1] /Wieder-Proteste-in-Iran/!6156599

[2] /Nach-Scheitern-des-JCPOA/!6116109

[3] /Islamische-Republik-in-der-Krise/!6144329

[4] /Oel-aus-der-Islamischen-Republik/!6145201

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[6] /Getoetete-Juedin-in-Israel/!6095519

[7] /USA-ruesten-fuer-Krieg-gegen-Iran/!6156053

[8] /State-of-the-Union-Rede-in-den-USA/!6157779

AUTOREN

Lisa Schneider

Judith Poppe

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