taz.de -- Neue Ameisenart entdeckt: Ein Leben ohne Männer und Arbeiterinnen
Eine jüngst entdeckte Ameisenart setzt neue Maßstäbe. Sie kommt ohne Männchen und ohne eigene Arbeiterinnen aus – als einzige bekannte Art weltweit.
Ein Leben ohne Männer ist nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll. Das gilt für die [1][neu entdeckte Ameise] Temnothorax kinomurai. Die hat ein Forschungsteam aus Japan und Deutschland nun erstmals im Fachmagazin Current Biology beschrieben.
Die neue Ameisenart stelle die bekannte Ordnung der Ameisengesellschaften auf den Kopf, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Regensburg. T. kinomurai ist [2][die erste bisher bekannte Art], die ohne Männchen und Arbeiterinnen auskommt.
Für eine systematische Untersuchung der speziellen Lebensweise von T. kinomurai züchtete das Team sechs Staaten in künstlichen Nestern im Labor heran. Die Kolonien wurden über zwei Jahre an verschiedenen Orten in Japan gefunden. Es schlüpften 43 Königinnen. Die wiederum legten Eier, aus denen ausschließlich weitere Königinnen schlüpften. Die WissenschaftlerInnen untersuchten die Puppen dabei auf ihr Geschlechtsteil.
Die Herausforderung für eine systematische Datenerhebung war bislang, dass die Art extrem selten ist und zudem gut versteckt im Inneren von Eicheln haust. Zuletzt wurden neue Kolonien gefunden. Die gaben den Anstoß für die Arbeit des Teams um den Wissenschaftler Kyoichi Kinomura, dessen Namen die neue Art jetzt trägt.
Für die Ameisen ergibt das evolutionär Sinn
Die Art überlebt der Studie zufolge nur als Königin. Und ist damit [3][weltweit] die einzig bekannte. Das bewerkstelligt T. kinomurai einerseits, indem sie als Parasit von den Kolonien einer verwandten Art lebt. Die Königinnen überfallen die Nester von Temnothorax makora, übernehmen deren Staat, wo dessen Arbeiterinnen die Eier der neuen Königin aufziehen.
Der nächste Trick heißt Parthenogenese: Aus den unbefruchteten Eiern von T. kinomurai schlüpfen wiederum Königinnen. Evolutionär war der Verzicht auf Männer und Arbeiterinnen für T. kinomurai also evolutionär effektiv. „Ein zwar unerwarteter, evolutionär gesehen, aber sinnvoller Schritt“, sagt der deutsche Mitautor Jürgen Heinze.
26 Feb 2026
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