taz.de -- Trotz besserer Konjunktur: Unternehmen wollen weiter Jobs abbauen
Laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo nimmt die ZurĂŒckhaltung am Arbeitsmarkt wieder âzu. Fast alle Branchen planen, Stellen zu streichen.
rtr | Trotz [1][positiver Konjunktursignale] planen die Firmen in Deutschland wieder hĂ€ufiger mit einem Stellenabbau. Das BeschĂ€ftigungsbarometer sank im Februar auf 93,1 Punkte, von 93,4 Punkten im Januar, wie das MĂŒnchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. âDie ZurĂŒckhaltung am Arbeitsmarkt nimmt wieder zuâ, kommentierte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. âViele Unternehmen planen, mehr Personal zu entlassen, statt neue Stellen zu schaffen.â
In der [2][exportabhĂ€ngigen Industrie] bleibt der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen âdemnach ein dominierendes Thema. âNahezu alle Branchen planen einen Abbau von Personal, insbesondere die Automobilindustrieâ, fanden die Ifo-Forscher heraus. âDer Anpassungsdruck bleibt dort hoch.â Der Branche machen etwa hohe Zölle in den USA und die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller zu schaffen.
Das Barometer der Dienstleister fiel im Februar wieder in den negativen Bereich. Gleichwohl suchen einzelne Branchen wie IT-Dienstleister sowie Rechts- und Steuerberater verstÀrkt nach neuem Personal. Der Handel plant, wie bisher mit weniger Personal auszukommen. Im Baugewerbe legte das Barometer hingegen leicht zu: Die Unternehmen planen, etwas mehr Mitarbeitende einzustellen.
RĂŒckgang der Arbeitslosigkeit nicht in Sicht
Auch Daten des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen eine negative Entwicklung. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer sank im Februar das erste Mal seit Juli 2025 unter die neutrale Marke von 100 âPunkten. âDas Verarbeitende Gewerbe verliert derzeit 15.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Monatâ, erklĂ€rte Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs âPrognosen und gesamtwirtschaftliche Analysenâ am IAB. Der Maschinenbau und die Autoindustrie zĂ€hlten bei je 60 Prozent der Arbeitsagenturen zu den drei Branchen, fĂŒr die mit dem stĂ€rksten BeschĂ€ftigungsabbau gerechnet wird. âDie â Perspektive auf einen Abbau der Arbeitslosigkeit ist derzeit verloren gegangen.â
Auch die groĂe Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 26.000 Unternehmen hatte vor Kurzem gezeigt, dass viele Firmen eher Jobs abbauen. Demnach rechnen 23 Prozent der Unternehmen mit einer sinkenden Mitarbeiterzahl, nur 12 Prozent planen, âihr Personal aufzustocken. Erstmals seit âelf Jahren waren zuletzt wieder [3][mehr als 3 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet].
Aus der deutschen â Wirtschaft kamen jĂŒngst eine Reihe positiver Konjunktursignale. Der Ifo-GeschĂ€ftsklimaindex â der als wichtigster FrĂŒhindikator gilt â legte im Februar ĂŒberraschend deutlich zu. Zudem ist das Auftragspolster der deutschen Industrie zuletzt fĂŒnf Monate in âFolge gewachsen. Damit sind die AuftragsbĂŒcher aktuell so gut gefĂŒllt âwie seit Oktober 2022 nicht mehr. Der Bundesbank zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden ersten Quartal leicht zulegen, nach plus 0,3 Prozent Ende 2025. Im FrĂŒhjahr rechnet sie dann mit einem âkrĂ€ftigeren Plus â âgetragen vor allem durch fiskalische Impulseâ, also staatliche â Investitionen in RĂŒstung und Infrastruktur.
25 Feb 2026
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