taz.de -- Trotz besserer Konjunktur: Unternehmen wollen weiter Jobs abbauen

Laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo nimmt die ZurĂŒckhaltung am Arbeitsmarkt wieder ‌zu. Fast alle Branchen planen, Stellen zu streichen.

Bild: Gegen Werksschließungen und Entlassungen: VW-Mitarbeiter:innen demonstrieren wĂ€hrend der Tarifverhandlungen am 21. November 2024 in Wolfsburg

rtr | Trotz [1][positiver Konjunktursignale] planen die Firmen in Deutschland wieder hĂ€ufiger mit einem Stellenabbau. Das BeschĂ€ftigungsbarometer sank im Februar auf 93,1 Punkte, von 93,4 Punkten im Januar, wie das MĂŒnchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. „Die ZurĂŒckhaltung am Arbeitsmarkt nimmt wieder zu“, kommentierte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Viele Unternehmen planen, mehr Personal zu entlassen, statt neue Stellen zu schaffen.“

In der [2][exportabhĂ€ngigen Industrie] bleibt der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen ‌demnach ein dominierendes Thema. „Nahezu alle Branchen planen einen Abbau von Personal, insbesondere die Automobilindustrie“, fanden die Ifo-Forscher heraus. „Der Anpassungsdruck bleibt dort hoch.“ Der Branche machen etwa hohe Zölle in den USA und die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller zu schaffen.

Das Barometer der Dienstleister fiel im Februar wieder in den negativen Bereich. Gleichwohl suchen einzelne Branchen wie IT-Dienstleister sowie Rechts- und Steuerberater verstÀrkt nach neuem Personal. Der Handel plant, wie bisher mit weniger Personal auszukommen. Im Baugewerbe legte das Barometer hingegen leicht zu: Die Unternehmen planen, etwas mehr Mitarbeitende einzustellen.

RĂŒckgang der Arbeitslosigkeit nicht in Sicht

Auch Daten des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen eine negative Entwicklung. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer sank im Februar das erste Mal seit Juli 2025 unter die neutrale Marke von 100 ‌Punkten. „Das Verarbeitende Gewerbe verliert derzeit 15.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Monat“, erklĂ€rte Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB. Der Maschinenbau und die Autoindustrie zĂ€hlten bei je 60 Prozent der Arbeitsagenturen zu den drei Branchen, fĂŒr die mit dem stĂ€rksten BeschĂ€ftigungsabbau gerechnet wird. „Die ⁠Perspektive auf einen Abbau der Arbeitslosigkeit ist derzeit verloren gegangen.“

Auch die große Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 26.000 Unternehmen hatte vor Kurzem gezeigt, dass viele Firmen eher Jobs abbauen. Demnach rechnen 23 Prozent der Unternehmen mit einer sinkenden Mitarbeiterzahl, nur 12 Prozent planen, ‌ihr Personal aufzustocken. Erstmals seit ‌elf Jahren waren zuletzt wieder [3][mehr als 3 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet].

Aus der deutschen ⁠Wirtschaft kamen jĂŒngst eine Reihe positiver Konjunktursignale. Der Ifo-GeschĂ€ftsklimaindex – der als wichtigster FrĂŒhindikator gilt – legte im Februar ĂŒberraschend deutlich zu. Zudem ist das Auftragspolster der deutschen Industrie zuletzt fĂŒnf Monate in ‌Folge gewachsen. Damit sind die AuftragsbĂŒcher aktuell so gut gefĂŒllt ‌wie seit Oktober 2022 nicht mehr. Der Bundesbank zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden ersten Quartal leicht zulegen, nach plus 0,3 Prozent Ende 2025. Im FrĂŒhjahr rechnet sie dann mit einem ‌krĂ€ftigeren Plus – „getragen vor allem durch fiskalische Impulse“, also staatliche ⁠Investitionen in RĂŒstung und Infrastruktur.

25 Feb 2026

[1] /CDU-Wirtschaftspapier/!6146763

[2] /Deutsche-Wirtschaft-waechst-kaum/!6145852

[3] /Arbeitspolitik-des-Kanzlers/!6144359

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