taz.de -- Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Hirnzellen auf Kuschelkurs

Manifestieren heißt, so doll wünschen, dass es in Erfüllung geht. Sieht aus, als könnten die Schurken dieser Welt das besonders gut.

Bild: Angekratzte Monarchie: Der Künstler Kaya Mar hat manifestiert, dass Ex-Prinz Andrew klein und nackt ist – sogar auf Leiwand

„Was soll eigentlich dieses Manifestieren sein?“, fragt die Freundin und kaut auf ihrem Bleistift.

„Eine magische Herangehensweise an gewaltige Probleme“, sagt der Freund und starrt ins Leere.

„Du stellst dir was sehr doll vor und dann passiert das angeblich“, sagt die andere Freundin.

„Sofort?“

„Eher nie. Manifestieren ist doch auch bloß noch so 'ne Volksverarsche.“

„Religion reloaded.“

„Bei Religion ist das Ding aber ja eher nicht: ‚Wünsch dir was.‘“

„Religion ist doch mehr so: halt dich an irgendwelche Regeln, dann wird das schon.“

„Was wird dann?“

„Das gute Leben.“

„Nach dem Tod.“

„Manifestieren bedeutet, man hat grob diffus einen Plan, um ein Ziel im Diesseits zu erreichen.“

„Aber warum heißt es dann nicht einfach planen?“

„Rationalität hat einfach keinen Vibe.“

„Kann man beim Manifestieren auch was mit Vibe hassen und sich wegwünschen oder ist Manifestieren pauschal positiv etikettiert?“

„Viele Menschen hassen die Monarchie und jetzt [1][ist sie hart angekratzt.]“

„Ja, aber vom Ding her wegen Mann, nicht wegen Manifestieren.“

„Ich manifestiere die Festnahme Trumps.“

„Da kannst du aber lange manifestieren.“

„Amtsenthebung wär die höchste der Manifestationen!“

„Man könnte auch versuchen, einen Pudding an die Wand zu nageln.“

„Und dabei positiv denken.“

„Dass man alles schaffen kann, wenn man nur will.“

„Fake-Thoughts!“

„Vielleicht hat Epstein mit Manifestation so lang durchgezogen, ohne aufzufliegen.“

„Er hat einfach ganz feste an das patriarchal-kapitalistisch verseuchte System geglaubt und dass ihn das schützten wird.“

„Der hat sich monströs stark gewünscht, dass er damit durchkommt und obendrauf manifestiert, dass richtig falsch ist und falsch richtig.“

„Er manifestierte, dass [2][das mit Ghislane] ewig währt und alle Gesetze übersteht, bis dass der Tod vorm Prozess sie scheidet.“

„Und Putin manifestiert jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen seinen Sieg über die Ukraine und den Rest der Welt.“

„Elon Musk manifestiert jeden Tag, dass er [3][noch mehr Geld verdienen] wird, egal wie, seine Vorstellungskraft ist maßlos.“

„Trump hat schon als kleiner Knilch manifestiert, dass er Frauen und Mädchen zwischen die Beine fassen können wird, ohne jemals festgenommen zu werden.“

„Dass er gar ein [4][präsidial-sexueller Gewalttäter] sein kann.“

„Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.“

Ist Manifestation dem Bösen mehr zugetan?

„Manifestation scheint dem Bösen mehr zugetan, vielleicht ist es ein Abfallprodukt von Satan, das herumschwirrt und sich immer neue teufelsgleiche Wirte sucht.“

„Das würde vieles erklären.“

„Wünschen ist doch aber eigentlich nichts Schlechtes, es hilft im Zweifel, sich selbst besser zu verstehen.“

„Was würdet ihr euch wünschen, hättet ihr einen Wunsch frei?“

„Also, das fiese Nur-Ein-Wunsch-Konzept hab ich nie verstanden.“

„Es ist doch nur ein Gedankenspiel.“

„Lasst uns lieber etwas anderes spielen.“

„Ich sehe was, was du nicht siehst!“

„Und das ist Grün!“

„Hoffnung?“

„Nein.“

28 Feb 2026

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[2] /Epstein-Komplizin-bei-Anhoerung/!6153243

[3] /Studie-zur-Reichtumsverteilung/!6146404

[4] /Rhetorik-der-US-Rechten/!5548741

AUTOREN

Jasmin Ramadan

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