taz.de -- Kulturgeschichte des Aufwachens: Sofort gibt’s Krawall und Radau
Der Wecker als Störenfried: Christoph Ribbat betrachtet das Aufwachen aus kultureller Perspektive.
Bild: Er dachte wohl an Scrambled Eggs: Paul McCartney, morgens mit Gitarre im Studio
Von wegen kühlen Kopf wahren. Wer morgens aufwacht, dessen Gehirn hat eine niedrigere Temperatur als normal, dadurch ist man kognitiv noch nicht ganz auf der Höhe. Um richtig denken zu können, muss erst die erforderliche Betriebstemperatur erreicht werden.
Schlafträgheit nennt sich der Zustand, der einen leicht komatös ins Bad oder in die Küche schlurfen lässt, während man am liebsten noch einmal zurück ins Bett gehen würde. Bei manchen Menschen kann er für einige Stunden anhalten.
Der Amerikanist Christoph Ribbat schildert in seinem Buch „In den Tag“ das Aufwachen aus kultureller Perspektive. Kreative Menschen etwa wie die [1][Schriftstellerin Toni Morrison] fingen den Tag sehr früh mit Schreiben an, noch bevor ihre Kinder wach waren.
Ebenso lassen sich Träume, an die man sich nach dem Erwachen erinnert, mitunter kreativ nutzen. [2][Paul McCartney] soll eines Nachts einen Song geträumt haben, der „Scrambled Eggs“ lautete und, von ihm aufgeschrieben, für einige Zeit ein Entwurf blieb.
Heute steht frühes Aufstehen oft im Zeichen der Selbstoptimierung. Wer den Tag früher beginnt, gewinnt Zeit für Dinge wie Yoga. Weniger kreativitäts- als produktivitätsfördernd wirken hingegen die Anfang des 20. Jahrhunderts von der Firma Junghans fabrizierten Wecker mit Namen wie „Krawall“, „Radau“, „Terror“ oder „Störenfried“ – mit besonders lauten Glocken.
Ausgeruht und in einfach gehaltenen Sätzen schildert Ribbat diese Phänomene, flaniert durch die Geschichte, die er anekdotisch verdichtet. Den Song aus McCartneys Traum spielten die Beatles später unter anderem Titel ein. Er lautet „Yesterday“.
21 Mar 2026
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