taz.de -- Peter Mandelson im Epstein-Skandal: Britischer Premier Starmer ignorierte „red flags“

Trotz Warnungen ernannte Keir Starmer Peter Mandelson zum Botschafter in den USA. Nach der Veröffentlichung erster Akten droht ihm nun neuer Ärger.

Bild: Peter Mandelson und seine Beziehungen zu Epstein: Was wusste Premier Starmer?

Im Fall [1][Peter Mandelson] verschärft sich der Druck auf den britischen Premier Keir Starmer. Am Mittwochnachmittag erschien der erste Schwung britischer Regierungsunterlagen zu Mandelsons Anstellung als Botschafter in den USA. Die 147 Seiten zeigen, dass Starmer eindeutig während des Prüfverfahrens über die Gefahren einer Ernennung Mandelsons gewarnt wurde.

Die Dokumente wurden freigegeben, nachdem Abgeordnete die Starmer-Regierung aufgefordert hatten, Unterlagen zu der Ernennung von Mandelson vorzulegen. Mandelson, ehemaliger Handelsminister und Hauptdrahtzieher der Labourpartei unter Tony Blair und Gordon Brown, war nach Enthüllungen in den Epstein-Unterlagen von Starmer im September 2025 gefeuert worden – nach nur neunmonatiger Amtszeit.

Ein Dokument, das die potenziellen Risiken seiner Rekrutierung aufzählt, bezeichnet Mandelson wegen seiner „besonders nahen Beziehung“ zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als Reputationsrisiko für Starmer. Es geht unter anderem darum, dass Mandelson sich 2009 in Epsteins New Yorker Apartment aufhielt, während letzterer eine Sexualstraftat an einem minderjährigen Mädchen absaß. Zudem sei Mandelson Gründungsmitglied einer Naturschutzgruppe von Epsteins Freundin und Komplizin Ghislaine Maxwell gewesen. Sie sitzt seit 2022 eine 20-jährige Strafe wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zum sexuellen Missbrauch ab.

Hat Starmer die Tragweite des Falls unterschätzt?

Keir Starmers Sicherheitsberater gab an, dass er seine Bedenken auch an Starmers damaligen Stabschef Morgan McSweeney weiter geleitet hatte. Er sagte: Mandelsons Anheuerung werde in „ungewöhnlicher“ und in „seltsamer Eile“ durchgeführt. Ein Schreiben von Starmers Sekretärin verweist darauf, dass McSweeney den Beziehungen Mandelsons mit Epstein nachgegangen sei, und mit den Antworten dazu zufrieden sei. McSweeny trat nach der zweiten [2][Veröffentlichung der Epstein-Akten] von seinem Amt zurück.

Trotz der Warnungen behauptete Starmer wiederholt, sich nicht über die enge Beziehung zwischen dem Sexualstraftäter und Mandelson im Klaren gewesen zu sein. Darren Jones, Starmers Chefsekretär, betonte diesen Punkt ebenso nach der Veröffentlichung der Akten. Premier Starmer behauptet, dass Mandelson wiederholt zu seiner Beziehung gelogen habe.

Wichtige Unterlagen fehlen jedoch noch und werden erst später veröffentlicht werden. Darunter sind auch solche Papiere, die von der Polizei für ihre Ermittlungen zum Verdacht auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt benötigt werden. Mandelson beharrt auf seine Unschuld und gibt an, nie Informationen zum persönlichen Nutzen weitergegeben zu haben.

Oppositionschefin Kemi Badenoch sagte, dass Starmer selbst nicht mit der Wahrheit rausrücke, was er über Mandelson wusste. Aufgrund der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse müssten Labourabgeordnete Starmers Aussagen prüfen. Vor allem Abgeordnete vom linken Flügel der Partei äußerten bereits ihren Ärger über [3][das Urteilsvermögen des Premiers]. Die Labourabgeordnete Jess Phillps, die sich lautstark gegen Frauengewalt einsetzt, forderte am Donnerstag Starmer im Fernsehsender ITV auf, jetzt Maßnahmen zu ergreifen.

12 Mar 2026

[1] /Epstein-Affaere-in-Grossbritannien/!6157567

[2] /Festnahme-von-Ex-Prinz-Andrew-Im-Gegensatz-zu-den-USA-funktioniert-Europas-Justiz-noch/!6156044

[3] /Starmer-Regierung-in-Grossbritannien/!6153296

AUTOREN

Daniel Zylbersztajn-Lewandowski

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