taz.de -- Blockiertes Seenotrettungsschiff: Notstand vor Siziliens Küste
Italien erlaubt der „Sea-Watch 5“ nicht, mit 57 Geretteten in Trapani anzulegen. Laut NGO sei der gesundheitliche Zustand der Menschen an Bord schlecht.
Das Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 5“ treibt mit derzeit 57 Geretteten an Bord vor der sizilianischen Küste. Italiens Behörden verwehren der deutschen NGO die Einfahrt in den Hafen der Kleinstadt Trapani. Die Seenotretter hatten sich geweigert, das 1.100 Kilometer vom Ort ihrer letzten Rettung entfernte Carrara anzufahren. „Wir wehren uns gegen dieses politische Schachspiel. Unsere 'Sea-Watch 5ʻ-Crew folgt Seerecht und keiner politischen Willkür“, erklärt Giulia Messmer, Pressesprecherin von Sea-Watch, gegenüber der taz.
Am 15. März hatte Sea-Watch eigenen Angaben zufolge 93 Menschen in internationalen Gewässern nahe der Küste Libyens aus Seenot gerettet. Sie wurden aus zwei Booten geborgen. Unter ihnen habe sich auch ein zweijähriges Mädchen in lebensgefährlichem Gesundheitszustand befunden. 9 Menschen inklusive des Kindes seien noch in der Nacht aus medizinischen Gründen durch die italienische Küstenwache evakuiert worden. Weitere 27 Menschen, Minderjährige und deren Familienmitglieder, durften auf Anweisung eines italienischen Jugendgerichts später ebenfalls von Bord gehen.
Italien hatte der NGO einen Hafen in Carrara im Nordwesten der Toskana zugewiesen. Die Crew weigerte sich. Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse mit zwei bis drei Meter hohen Wellen und des gesundheitlichen Zustands der Geretteten sei die viertägige Fahrt nicht zumutbar. Die Menschen litten an „Seekrankheit, Erschöpfung und Treibstoffverbrennungen“ und müssten „sofort an Land gebracht werden“, so Messmer von Sea-Watch. Also fuhr man das nahe sizilianische Trapani an.
„Die italienischen Behörden behindern unsere Rettung gezielt. Sie sind sich des medizinischen Zustands der Menschen an Bord und der Wetterbedingungen vollkommen bewusst und zwingen uns dennoch, auf See zu bleiben. Giorgia Melonis Regierung gefährdet aktiv das Leben aller geretteten Menschen auf unserem Schiff“, erklärt darüber hinaus Einsatzleiterin Chiara Milanese in einer Stellungnahme.
Zuweisung eines entfernten Hafens als Schikane
Die Zuweisung weit entfernter Häfen ist gängige Praxis unter der rechten Regierung von Giorgia Meloni. Kritiker:innen werfen Italien vor, damit die Arbeit von Seenotrettungsorganisationen absichtlich zu behindern und Kosten sowie Zeitaufwand in die Höhe zu treiben. Seenotrettungsschiffe, die entgegen den Anweisungen andere Häfen anfahren, werden infolgedessen häufig für einige Wochen bis zu mehreren Monaten dort festgesetzt. Zuletzt waren derlei Festsetzungen vermehrt nachträglich von italienischen Gerichten als rechtswidrig erklärt worden. Italiens Küstenwache und das Nationale Koordinationszentrum für Seenotrettung in Rom (MRCC) haben Anfragen der taz zum Thema bislang unbeantwortet gelassen.
Inzwischen hat die „Sea-Watch 5“ wegen der desolaten Lage an Bord den Notstand ausgerufen. Schon jetzt erinnert der Fall an die Irrfahrt von [1][Kapitänin Carola Rackete] aus dem Jahr 2019, der damals zwei Wochen lang mit 53 Geflüchtete verwehrt wurde, in Lampedusa anzulegen.
Die generelle Lage auf dem Mittelmeer bleibt dramatisch. 2026 starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 680 Menschen bei dem Versuch, übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Damit ist es das tödlichste seit mehr als zehn Jahren.
18 Mar 2026
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